Tittmann Ernst Fritz
MdR, MdL, NSDAP-Politiker, Landesleiter der NSDAP von Sachsen, SA-Führer, Maschinenschlosser
* 18.7.1898 Leipzig 23./25.4.1945 Treuenbrietzen(ev.)
MDienstmädchen 2.1940 Sieglinde, geb. Stadelmann (1910-1945)SSieghart (1941-1945)TLore (1939-1945); Adelheid (1942-1945)
GND: 130117250





T. war in den 1920er-Jahren einer der aktivsten sächsischen NSDAP-Politiker, der in Zwickau 1921 die erste außerbayerische Ortsgruppe dieser Partei ins Leben rief. Im internen Machtkampf Martin Mutschmann unterlegen, verzog er 1928 in das brandenburgische Treuenbrietzen, wo er als Bürgermeister amtierte. – Nach dem Besuch der Bürgerschule in Lichtenwalde bei Chemnitz absolvierte T. eine Schlosserlehre und wurde anschließend an der dortigen Maschinenbau-Fachschule zum Maschinenschlosser ausgebildet. Im September 1914 meldete er sich freiwillig zum Infanterieregiment 105, bei dessen Einsätzen er an der Front dreimal verwundet wurde. Er erhielt das Eiserne Kreuz Erster Klasse und das „Diplom für Tapferkeit“ vom Divisionskommandeur. Nach schwerer Verwundung im April 1918 wurde T. in das Zwickauer Lazarett eingewiesen. Er konnte dort 1919 eine Umschulung zum kaufmännischen Angestellten absolvieren, bis er im August 1920 schließlich aus dem Lazarett entlassen wurde. Er blieb in Zwickau und nahm hier 1920/21 die Funktion des Geschäftsführers und Schriftleiters des Deutschvölkischen Schutz- und Trutzbunds wahr. Außerdem arbeitete er 1921 bis 1923 als städtischer Schwimmmeister. Hinzu kamen seine politischen Aktivitäten in Zwickau. T. trat im Juli 1921 der NSDAP bei und begründete hier am 11.10.1921 die erste Ortsgruppe in Sachsen. Anschließend nahm er eine Reihe von Funktionen innerhalb der Parteigliederung wahr: Landesleiter der NSDAP für Sachsen (11.10.1921-9.11.1923) und SA-Führer für Sachsen, Thüringen und Oberfranken. Zudem gab er die Wochenzeitung „Der Streiter“ heraus, welche 1932 in eine Tageszeitung umgewandelt wurde. Nach dem Verbot der NSDAP gründete T. 1924 in Zwickau die Ortsgruppe des Völkisch-Sozialen Blocks und schloss sich der Nationalsozialistischen Freiheitspartei an, für die er, gewählt im Wahlkreis 4 (Postdam II), von Mai bis Dezember 1924 dem Reichstag angehörte. Nach der Neugründung der NSDAP trat er am 25.7.1925 erneut als Mitglied ein und wurde stellvertretender Landesleiter der Partei in Sachsen (Juli/August 1925) sowie Führer des Untergaus Zwickau (1926/27). Im November 1926 wurde er zusammen mit Hellmuth von Mücke für die NSDAP in den Sächsischen Landtag gewählt. Dort fungierte T. u.a. als Mitglied des Ältestenrats und des Landesbeirats für Leibesübungen. Im internen Machtkampf um Einfluss in der Partei unterlag er jedoch Martin Mutschmann und siedelte schließlich nach Treuenbrietzen über. 1932 erfolgte T.s Wahl in den Preußischen Landtag, dessen Mitglied er bis zur Auflösung der Volksvertretung war. 1933 erneut in den Reichstag gewählt, gehörte er diesem bis 1945 an. T. war außerdem 1930 und dann wieder ab 1938 in der SS aktiv, in welcher er bis zum Brigadeführer aufstieg. In Treuenbrietzen wurde er im März 1933 zum ersten Beigeordneten und damit stellvertretenden Bürgermeister gewählt. Da der gewählte Bürgermeister sein Amt nicht wahrnehmen konnte, wurde T. im April 1934 vom Reichsinnenminister zum kommissarischen Bürgermeister ernannt. 1935 bis 1941 amtierte er offiziell als ehrenamtlicher Bürgermeister. Zudem fungierte er 1933/34 als Presseleiter des Reichsparteitags und zudem als Reichsbeauftragter der NSDAP für Berlin, Kurmark und Schlesien (1933-1936). Ab Mai 1934 war er im Stab von Rudolf Heß tätig. 1936 wurde T. die Ehrenbürgerschaft Zwickaus verliehen. Als Bevollmächtigter für Volksdeutschenfragen und Vertreter der Volksdeutschen Mittelstelle in der Reichsorganisationsleitung der NSDAP amtierte er von Frühjahr 1938 bis Herbst 1941. Ab November 1941 war er als SS- und Polizeiführer in Nikolajew (ukr. Mykolajiw) eingesetzt. Dort stellte er aus desertierten volksdeutschen Angehörigen der rumänischen Armee eigenmächtig ein Bataillon zusammen. Dieser Vorgang führte zu Verwicklungen mit dem rumänischen Diktator Ion Antonescu. Im August 1942 erhielt T. schließlich seinen Abberufungsbefehl. Nach einem strengen Verweis, den er 1944 wegen der Inanspruchnahme von Personal für private Belange erhielt, sollte T. zum Stellungsbau nach Italien abkommandiert werden. Dies erfolgte jedoch aufgrund seines schlechten Gesundheitszustandes nicht und so verblieb er in Treuenbrietzen. Sein weiteres Schicksal ist nicht restlos geklärt. Angeblich soll sich T. in seinem Haus im Ortsteil Frohnsdorf zusammen mit mehreren Familienangehörigen in die Luft gesprengt haben. Es wurden jedoch keine Leichen gefunden, woraufhin vermutet wurde, dass sich T. mit seiner Familie vor dem Eintreffen der sowjetischen Armee absetzen konnte.



Q  Archiv des Sächsischen Landtags, Landtag 1926/1929; Sächsisches Staatsarchiv - Hauptstaatsarchiv Dresden, Landtag 1919-1933.

L  Der deutsche Reichstag. Gewählt am 4. Mai 1924, Berlin 1924, S. 10; E. Kienast (Hg.), Handbuch für den Preußischen Landtag 1932 (4. Wahlperiode), Berlin 1932, S. 494 (P); C. Horkenbach (Hg.), Das Deutsche Reich von 1918 bis heute, Berlin 1930, S. 760; E. Kienast (Hg.), Der Großdeutsche Reichstag 1938, Berlin 1938, S. 426f. (P, Bildquelle); Zauche- und Fläming-Heimat 25.7.1941, S. 1-3; A. Wagner; Mutschmann gegen von Killinger, Beucha 2001; A. Peschel, Fritz T. Der „vergessene“ Gauleiter, in: Sächsische Heimatblätter 56/2010, H. 2, S. 122-126; ders., Fritz T. Bürgermeister von Treuenbrietzen 1933-1941, in: Amtsblatt für die Stadt Treuenbrietzen 20/2010, H. 11, S. 15f. – DBA II; Das deutsche Führerlexikon 1934/35, Berlin 1934, S. 494 (P); H. A. L. Degener (Hg.), Wer ist’s?, Leipzig 101935, S. 1614; E. Stockhorst, Fünftausend Köpfe, Bruchsal 1967, S. 423; M. Schumacher (Hg.), M.d.R. Die Reichstagsabgeordneten der Weimarer Republik in der Zeit des Nationalsozialismus, Düsseldorf 31994, S. 522; J. Lilla (Bearb.), Statisten in Uniform. Die Mitglieder des Reichstages 1933-1945, Düsseldorf 2004, S. 667f.



Andreas Peschel
12.5.2014


Empfohlene Zitierweise:

Andreas Peschel, Tittmann, Ernst Fritz, in:
Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V., bearb. von Martina Schattkowsky,
Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/ (20.9.2017)

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