Bleyl Hilmar Friedrich Wilhelm (Fritz)
Maler, Grafiker
* 8.10.1880 Zwickau 19.8.1966 Bad Iburg/Kreis Osnabrück
VHilmar Heinrich, Kaufmann, BuchhalterMAlma Fanny, geb. FalkGHerbert1907 Gertrud, geb. TannertSWolfgang
GND: 119139847

B. gehörte neben Ernst Ludwig Kirchner, Erich Heckel und Karl Schmidt-Rottluff zu den vier Gründungsmitgliedern der für den deutschen Expressionismus bedeutenden Künstlergruppe „Brücke“. – Nach B.s Besuch der Bürgerschule in Stollberg/Erzgebirge und des dortigen Progymnasiums (1887-1890) siedelte die Familie 1891 nach Zwickau über, wo B. das Realgymnasium besuchte und 1901 das Abitur ablegte. Im April 1901 begann er ein Architekturstudium an der Technischen Hochschule Dresden. Dort lernte er den Kommilitonen Kirchner aus Chemnitz kennen. Durch gemeinsame künstlerische Interessen und erste gemeinschaftliche autodidaktische Zeichenstudien entwickelte sich eine enge Freundschaft. 1904 kam es zur ersten Begegnung mit Heckel und dessen Freund Schmidt-Rottluff, die ebenfalls in Dresden Architektur studierten. Ostern 1905 schloss B. sein Studium mit dem Diplom ab. Am 7.6.1905 gründete er gemeinsam mit den drei Genannten die Künstlergruppe „Brücke“. Neben der intensiven Beschäftigung mit der künstlerischen Technik des Holzschnitts (Frau im Schnee, 1905, Brücke-Museum, Berlin) entstanden erste Aktstudien, die sog. Viertelstundenakte (Zwei Akte, 1905/06, Städtisches Museum Zwickau), Tuschpinselzeichnungen und Landschaftsstudien (Schloss Pillnitz, 1905, Städtisches Museum Zwickau). Gemeinsam zogen sie zum Zeichnen in die freie Natur und diskutierten ihre künstlerischen Ideen. In den ersten Jahren der „Brücke“ bis Oktober 1907 beteiligte sich B. sehr aktiv an den gemeinsamen Ausstellungen in Deutschland und in der Schweiz. In seinen künstlerischen Arbeiten aus der „Brücke“-Zeit orientierte er sich stilistisch zum einen an japanischen Holzschnitten (Japonismus), zum anderen griff er gestalterische Elemente des Jugendstils auf. Seine künstlerischen Stärken lagen vor allem auf dem Gebiet der Grafik, sodass er nicht zuletzt durch die Gestaltung von Ausstellungsplakaten und Einladungskarten in der Öffentlichkeit bekannt wurde (Plakat zur Ausstellung der Künstlergruppe „Brücke“, Farblithografie, 1906, Kunstsammlungen Chemnitz). Daneben versuchte er, mit kunstgewerblichen Arbeiten seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Von Herbst 1906 bis 1910 übernahm B. schließlich ein Lehramt an der Bauschule Freiberg und an der Kunstgewerblichen Tischlerfachschule. Dort unterrichtete er Freihandzeichnen und Ornamententwerfen. Durch seine damals in Dresden ansässige Verlobte Gertrud Tannert hielt B. zunächst noch die Verbindung zur „Brücke“, trat aber kurz nach seiner Verehelichung offiziell aus der Künstlergruppe aus. 1910 kehrte er nach Dresden zurück und war bis 1912 im Büro des Architekten Ernst Kühn tätig. 1912 verließ er Dresden erneut und arbeitete als Architekt im Landbüro Korff in Laage/Mecklenburg. Nach der Schließung des Büros ging B. 1915/16 wieder nach Dresden, um bei Cornelius Gurlitt an der Technischen Hochschule Dresden zu promovieren. Während des Ersten Weltkriegs leistete B. Kriegsdienst in Sensburg/Ostpreußen und leitete die Kriegsbeschädigten-Werkstätten im Reservelazarett Görden bei Brandenburg. Nach Kriegsende fand B. eine Anstellung als Studienrat und Baurat (seit 1940) an der Baugewerkeschule Berlin/Neukölln (spätere Staatsbauschule). Während der 1920er- und 1930er-Jahre unternahm er alljährlich Studienreisen innerhalb Deutschlands sowie ins Ausland (Böhmen, Italien, Schweiz). Als 1945 seine Wohnung in Berlin beschlagnahmt wurde, siedelte B. nach Calbe/Saale über. Von 1946 bis 1948 lebte er bei seinem Bruder Herbert in Zwickau und zog 1948 in die Nähe von Köln zu seinem Sohn. Nach Aufenthalten in einem Altersheim in Knechtsteden und der Waldsiedlung Schlebusch bei Leverkusen erfolgte 1959 schließlich der Umzug nach Lugano (Schweiz). – Künstlerisch bedeutend war B. vor allem als Zeichner und Grafiker, führte aber nach seinem Austritt aus der Künstlergemeinschaft „Brücke“ ein eher zurückgezogenes Leben und zeigte seine Arbeiten nicht mehr in der Öffentlichkeit.



W  Baulich und volkskundlich Beachtenswertes aus dem Kulturgebiete des Silberbergbaus zu Freiberg, Schneeberg und Johanngeorgenstadt im sächsischen Erzgebirge, Diss. Dresden 1916.

L  H. Wentzel, Fritz B., Gründungsmitglied der „Brücke“, in: Kunst in Hessen und am Mittelrhein 8/1968, S. 89-105; G. Krüger, Fritz B., Beiträge zum Werden und Zusammenschluß der Künstlergruppe „Brücke“, in: Brücke-Archiv 2/3/1968/69, S. 27-53; A. Firmenich, B., Nolde, Amiet und Gallén-Kallela und ihre Beiträge zu den „Brücke“-Mappen, in: Brücke-Archiv 17/1989, S. 41-50; P. Lewey-Meier, Fritz B.: 1880-1966, Mitbegründer der Künstlergruppe „Brücke“, Diss. Halle/Saale 1993; M. M. Moeller (Hg.), Fritz B.: 1880-1966, Berlin 1993 (WV); H. Gerlinger/H. Spielmann (Hg.), Fritz B. und die frühen Jahre der „Brücke“, Schleswig 1999; B. Dalbajewa/U. Bischoff (Hg.), Die Brücke in Dresden 1905-1911, Köln 2001. – DBA II; Saur Allgemeines Künstler Lexikon, Bd. 11, München/Leipzig 1995, S. 504.



Konstanze Rudert
10.2.2003


Empfohlene Zitierweise:

Konstanze Rudert, Bleyl, Hilmar Friedrich Wilhelm (Fritz), in:
Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V., bearb. von Martina Schattkowsky,
Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/ (28.6.2017)

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