Oelsnitz (Ölsnitz, Olßnitz, Ölschnitz, Ölschniz, Olßnytz) Friedrich von der
preußischer Obermarschall, Amtshauptmann, Gesandter
* um 1485/90 November 1553 Posen (poln. Poznań) Gilgenburg (poln. Dąbrówno)(kath., später ev.)
VSittich (um 1460-1532), RittergutsbesitzerMAnna, geb. von Toepffer (Töpffer)GEuphemia; Casper; Cunz; AsmusDorothea, geb. Schenk von GeyernSWilhelm (1523-1587); Quirin († 1599/1600), Amtshauptmann von GilgenburgTVeronika, verh. von Lehndorff; Katharina († 1590), verh. von Wernsdorff
GND: 1116369338

Als Obermarschall und Rat des ehemaligen Hochmeisters des Deutschen Ordens und späteren preußischen Herzogs Albrecht gestaltete O. nach 1525 die Umwandlungsprozesse im ehemaligen Deutschordensstaat hin zu einem protestantischen Herzogtum führend mit. Er kann dabei exemplarisch für eine große Anzahl sächsischer Adliger stehen, die zu dieser Zeit im preußischen Dienst standen. – O. stammte aus einer Linie eines meißnischen Uradelsgeschlechts, die u.a. Besitzungen in Gelenau/Erzgebirge sowie in Schönfeld bei Annaberg-Buchholz hatte. Über seine frühen Jahre und seine Ausbildung ist kaum etwas bekannt. Ein verschiedentlich erwähnter Dienst als Kammerjunker am Hof Herzog Georgs (der Bärtige) konnte nicht belegt werden. Relativ sicher ist jedoch, dass er kurz nachdem Markgraf Albrecht von Brandenburg-Ansbach 1511 die Nachfolge Friedrichs von Sachsen im Amt des Hochmeisters des Deutschen Ordens übernommen hatte, in dessen Dienst trat. O. scheint sich hierbei bewährt zu haben, darauf deutet zumindest seine Ernennung zum Hofmarschall 1523 hin. – Während dieser Zeit erfassten die reformatorischen Prozesse in Mitteldeutschland auch das Territorium des Deutschen Ordens. So kam O.s Dienstherr Albrecht nicht nur in Kontakt mit Martin Luther und dessen Lehre, sondern legte auf dessen Rat hin das Amt des Hochmeisters nieder. In der Folge ließ er sich von seinem Onkel, dem polnischen König Sigismund I., am 8.4.1525 mit dem zum Herzogtum Preußen umgewandelten Deutschordensstaat belehnen. Auf einem wenig später einberufenen Landtag in Königsberg (russ. Kaliningrad) stimmten alle Stände für die Anerkennung des neuen Herzogs und für die Annahme der reformatorischen Lehre. Es kann davon ausgegangen werden, dass auch O. in diesem Zeitraum, gemeinsam mit Albrecht, die Konfession wechselte. Nur auf diese Weise lässt sich erklären, dass er auch im neuen Herzogtum eine wichtige Rolle einnehmen konnte. Dies bestätigt z.B. seine vor dem 18.7.1525 erfolgte Ernennung zum Amtshauptmann der neu eingerichteten Amtshauptmannschaft von Hohenstein (poln. Olsztynek). Auch findet sich in dieser Zeit die Bezeichnung O.s als Rat des Herzogs Albrecht. Am 15.3.1533 wurde er schließlich zum Obermarschall bestallt. In dieser Position war er Teil der preußischen Landesregierung, die neben dem Herzog bestand und sich aus dem Hofmeister, dem obersten Burggrafen, dem Obermarschall und dem Kanzler zusammensetzte. Zusätzlich zu seinem Amt in Hohenstein erhielt er am 15.3.1544 die Amtshauptmannschaft Gilgenburg als erbliches Lehen. Als Vertrauter des Herzogs begleitete er Albrecht auf zahlreichen Reisen, wie auf einigen Deutschlandreisen, auf dessen großer Visitationsreise 1542/43 sowie zum Fürstentag in Naumburg im Herbst 1545. – Neben seiner Tätigkeit in Preußen bestand weiterhin eine Verbindung O.s zum mitteldeutschen bzw. sächsischen Raum. So wurde er 1532, u.a. auf Bitten Albrechts, gemeinsam mit seinen Brüdern mit den väterlichen Besitzungen belehnt. Auch seine Reisen im Gefolge Albrechts führten in diese Gebiete. Darüber hinaus war er in diplomatischer Tätigkeit als Gesandter für den Herzog von Preußen unterwegs. So finden sich neben einer Reise zum Erzbischof von Riga nach Livland 1530 ferner Missionen, die ihn nach Sachsen brachten, u.a. 1545 im Zuge der Heiratspläne Albrechts für seine Tochter Anna Sophia. Diese sollte, so der Wille des Herzogs, mit August, dem Bruder Herzog Moritz‘ von Sachsen, verheiratet werden. Die Verhandlungen wurden von preußischer Seite aus von O. und dem ehemaligen sächsischen Kanzler Anton von Schönberg geführt. In dieser Sache reiste er auch an den Hof der Ernestiner, um für Anna Sophia zu werben, doch sowohl Kurfürst Johann Friedrich als auch Herzog Moritz erteilten ihm eine Absage. Darüber hinaus reiste O. nach Sachsen, als es in den frühen 1550er-Jahren um die Konstituierung der protestantischen Fürstenopposition gegen Kaiser Karl V. ging. Innerhalb dieses, auch als Königsberger Bund bezeichneten Fürstenbündnisses kam es 1551 zu Zerwürfnissen aufgrund eines Streits zwischen einem Verwandten Albrechts, Markgraf Johann von Brandenburg-Küstrin, und dem nunmehrigen Kurfürsten Moritz. O. spielte in den nachfolgenden Bemühungen Albrechts um eine Versöhnung beider Parteien eine wichtige Rolle. Er reiste sowohl an den Dresdner als auch an den Küstriner (poln. Kostrzyn nad Odrą) Hof, doch blieben seine Bemühungen um einen Ausgleich letztlich umsonst, da weder Johann noch Albrecht dem Bündnis beitraten. O. verstarb nur kurze Zeit später in Posen auf der Rückkehr von einer Reise. An seinem Bestattungsort in Gilgenburg existiert noch heute ein Epitaph O.s. – O. scheint in der Ausübung des Amts des Obermarschalls durchaus erfolgreich gewesen zu sein. So lobte ihn sein Zeitgenosse Kaspar von Nostitz ausdrücklich für dessen Amtsführung. Auch weist die Art der diplomatischen Aufträge, mit denen O. von Albrecht ausgestattet worden war, auf ein vertrautes Verhältnis zwischen dem Herzog und seinem Obermarschall hin.



Q  Kaspars von Nostitz Haushaltungsbuch des Fürstenthums Preussen 1578, hrsg. von K. Lohmeyer, Leipzig 1893; Regesta Historico-Diplomatica Ordinis S. Mariae Theutonicorum 1198-1525, bearb. von E. Joachim, hrsg. von W. Hubatsch, Pars I: Regesten zum Ordensbriefarchiv, Vol. 3: 1511-1525, Göttingen 1973; Politische Korrespondenz des Herzogs und Kurfürsten Moritz von Sachsen, hrsg. von der Historischen Kommission bei der Sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig, Bd. 5: 9. Januar 1551-1. Mai 1552, bearb. von J. Herrmann/G. Wartenberg/C. Winter, Berlin 1998, Nr. 429, Nr. 429a, 468a, Bd. 6: 2. Mai 1552-11. Juli 1553 mit ergänzenden Dokumenten zum Tod des Kurfürsten, bearb. von dens., Berlin 2006, Nr. 8; Akten und Briefe zur Kirchenpolitik Herzog Georgs von Sachsen, Bd. 3: 1528-1534, hrsg. von H. Jaddatz/C. Winter, Köln/Weimar/Wien 2010, Nr. 2044; Universitätsbibliothek Torun, Rps 73/IV, J. Hennenberger, Stemmata genealogica praecipuarum in Prussia Familiarum Nobilium, Ende des 16. Jahrhunderts (Online-Ausgabe: http://kpbc.umk.pl/dlibra); Sächsisches Staatsarchiv - Hauptstaatsarchiv Dresden, 10080 Lehnhof Dresden, F 277 von der Oelsnitz, Geld- und Gesamtlehen.

L  G. Voigt, Moritz von Sachsen in den Anfängen seiner Laufbahn und im kaiserlichen Dienste, in: NASG 1/1875, S. 97-200; E. v. d. Oelsnitz, Anfrage von der Oelsnitz (mit Stammtafel), in: Der Deutsche Herold 15/1884, S. 173f.; A. B. E. v. d. Oelsnitz, Das Wappen des Geschlechts von der Oelsnitz, Marienburg 1922; E.-T. Thiele, Das Gesandtschaftswesen in Preußen im 16. Jahrhundert, Berlin 1954, S. 29f., 52, 114f.; W. Hubatsch, Albrecht von Brandenburg-Ansbach, Heidelberg 1960; J. R. Fligge, Herzog Albrecht von Preussen und der Osiandrismus 1522-1568, Bonn 1972, S. 194; H. Rößler, Die Ritter von der Oelsnitz (IV), in: Der Heimatfreund für das Erzgebirge 5/1978, S. 114-118; G. Michels, Zur Wirtschaftsentwicklung von Kleinstädten und Flecken im Ordensland und Herzogtum Preußen (bis 1619), Lüneburg 1996, S. 69, 101. – C. Krollmann (Hg.), Altpreußische Biographie, Bd. 2, ND Marburg 1967, S. 478.



Henrik Schwanitz
26.4.2016


Empfohlene Zitierweise:

Henrik Schwanitz, Oelsnitz (Ölsnitz, Olßnitz, Ölschnitz, Ölschniz, Olßnytz), Friedrich von der, in:
Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V., bearb. von Martina Schattkowsky,
Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/ (25.7.2017)

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