Friesen Friedrich Freiherr von
MdL, konservativer Politiker, Landtagspräsident, Geheimer Rat, Rittergutsbesitzer
* 11.10.1796 Dresden 21.3.1871 Dresden Rötha(ev.)
VJohann Georg Friedrich (1757-1824), Geheimer Rat, Oberaufseher der Kunstsammlungen und der Bibliothek in DresdenMJuliane Caroline, geb. Gräfin von der SchulenburgGHeinrich Friedrich Ernst (1779-1781); Louise Henriette Caroline (1780-1787); Caroline Jacobine Sophie (1781-1857); Juliane Charlotte (1784-1861), Pröpstin des freiadligen Magdalenenstifts in Altenburg 1814-1856; Carl (1786-1823); Heinrich (1788-1809); Johanne Friederike (1789-1791); Marie Louise (1790-1791); Elisabeth (1793-1878); Louise (1794-1861), sächsische Oberhofmeisterin; Charlotte (1798-1874); Ernst (1800-1869); Hermann (1802-1882), sächsischer Oberhofmarschall, Shakespeare-Forscher 1.1826 Johanne Auguste, geb. Gräfin von Einsiedel 2.1838 Mathilde, geb. Gräfin Kanitz
GND: 136284221

F. war der Spross einer alteingesessenen Adelsfamilie, sein Vater bekleidete hohe Ämter im sächsischen Staatsdienst. F. durchlief einen für den sächsischen Adel typischen Ausbildungsgang: Zunächst wurde er von einem Hauslehrer unterrichtet und besuchte anschließend die Fürstenschule Schulpforte (1808-1813). Wegen seines Militärdiensts während der Napoleonischen Kriege begann er erst 1816 ein vierjähriges Jurastudium in Leipzig. 1820 war er kurzzeitig bei einem Dresdner Rechtsanwalt angestellt, absolvierte dann aber eine Karriere im sächsischen Staatsdienst, in dem er es 1830 bis zum Finanzrat im Dresdner Ministerium brachte. Nach dem Tod seines Vaters im Januar 1824 erbte er gemeinsam mit seinen beiden Brüdern drei Rittergüter, von denen er unter Wertausgleich zunächst Rötha übernahm und 1846 Trachenau von seinem Bruder Hermann kaufte. F. erhielt 1826 den Titel eines sächsischen Kammerherrn. Im selben Jahr heiratete er Johanne Auguste Gräfin von Einsiedel. Die Ehe wurde jedoch bald geschieden. 1838 vermählte sich F. mit der 25 Jahre jüngeren Mathilde Gräfin Kanitz. Beide Ehen blieben kinderlos. – Auf den Landtagen von 1824, 1830 und 1831 gehörte F. der vorkonstitutionellen Ständeversammlung als Mitglied der Allgemeinen Ritterschaft an, da er neben dem ererbten Rittergut auf mindestens vier Generationen adliger Vorfahren verweisen konnte. Nach der Einführung des Zweikammerparlaments war er als Vertreter der Rittergutsbesitzer zunächst Mitglied der Zweiten Kammer und wurde 1843 vom König auf Lebenszeit zum Mitglied der Ersten Kammer ernannt. Er gehörte folglich auch zur Gruppe der vermögendsten Rittergutsbesitzer Sachsens. Beim Landtag 1847 fungierte F. als Präsident seines Hauses. Als der liberal gesonnene Bernhard Hirschel nach dem Landtag 1846 die Parlamentarier des Königreichs Sachsen politisch taxierte, bewertete er F. als „streng Konservativen“, der „von den Regungen des 19. Jahrhunderts“ noch nichts begriffen habe. Seine „politische Gesinnung [versetze] ihn in das feudale Mittelalter“ oder an den Hof des Sonnenkönigs. In einem Tagebuch, das F. in den 1840er-Jahren führte, bezeichnete er während des Vormärz Liberale wie Robert Blum noch als „Intriganten und Unruhstifter“, die man wegen ihrer Umtriebe bei den Leipziger Unruhen des Jahres 1845 mit „unerbittlicher und rastloser gesetzlicher Strenge verfolgen“ solle. Als im Mai 1848 der Landtag zusammentrat, um dem Reformdruck, der sich nach Ansicht der sächsischen Öffentlichkeit aufgebaut hatte, zu entsprechen, ging das Amt des Präsidenten der Ersten Kammer nicht mehr an F. König Friedrich August II. betraute nun den weltanschaulich liberal gesinnten Friedrich Ernst von Schönfels mit dieser Aufgabe. In den Debatten über die zukünftige Stellung der (adligen) Rittergutsbesitzer im Parlament vertrat F. allerdings nicht die kompromisslose Haltung der streng Konservativen, sondern plädierte für die reformkonservative Position. Er wollte dem Druck ausweichen und neue Einflussmöglichkeiten suchen. Infolge des Wahlrechts vom November 1848 verlor er seinen Platz im sächsischen Oberhaus, nahm ihn aber nach der Restitution des vormärzlichen Landtags im Juli 1850 wieder ein. In der verfassungspolitisch dubiosen Situation erschien es König und Regierung aber angeraten, den liberalen von Schönfels wiederum zur Übernahme der Präsidentschaft in der Ersten Kammer zu bewegen, um nicht unnötig Sympathien für das restituierte Parlament zu verspielen. Auf dem Landtag 1854 rückte F. wieder zum Vizepräsidenten auf. Eine zweite Präsidentschaft im Oberhaus konnte er aber erst erlangen, nachdem von Schönfels im Dezember 1862 sein Rittergut verkauft hatte und deshalb aus dem Landtag ausgeschieden war. Als Kammerpräsident verlieh ihm König Johann 1869 den Titel Wirklicher Geheimer Rat, mit dem der Anspruch auf die Anrede „Exzellenz“ verbunden war. Etwa ein Jahr nach dem Ende des Landtags 1869/70, bei dem er noch präsidiert hatte, verstarb F. Sein Rittergut behielt er durch fideikommissarisches Erbrecht der männlichen Nachkommenschaft der Familie vor.



W  Vortrag an die ritterschaftlichen Herren Stände des Leipziger Kreises, Leipzig 1844; Den Herren Ständen des Leipziger Kreises in treuer Verehrung und Dankbarkeit gewidmet, Rötha 1863.

L  B. Hirschel, Sachsens Regierung, Stände und Volk, Mannheim 1846, S. 185-195; E. von Friesen, Geschichte der reichsfreiherrlichen Familie von Friesen, 2 Bde., Dresden 1899/1912; S. Marburg, Das Konzept Adeligkeit in der Reflexion von Tagebüchern sächsischer Adeliger des 19. Jahrhunderts, Dresden 1998 [MS]; J. Matzerath, Von einem „politischen Selbstmord“, in: Aspekte sächsischer Landtagsgeschichte. Umbrüche und Kontinuitäten 1815-1868, Dresden 2001, S. 62-68; ders., Aspekte sächsischer Landtagsgeschichte. Präsidenten und Abgeordnete von 1833 bis 1952, Dresden 2001, S. 15f. (Bildquelle). – NDB 5, S. 611f.



Josef Matzerath
17.7.2008


Empfohlene Zitierweise:

Josef Matzerath, Friesen, Friedrich Freiherr von, in:
Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V., bearb. von Martina Schattkowsky,
Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/ (23.6.2017)

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