Friedrich XI. Herr von Schönburg
1389 Kloster Geringswalde
VHermann V. [?] († 1335), Herr von SchönburgGHermann; Dietrich, DeutschordensritterAgnes, geb. von WartenbergSVeit I. († 1423); Friedrich; SigmundTSophie
GND: 139666613

F. zählt zusammen mit seinem Sohn Veit I. zu den bedeutendsten Schönburgern im Spätmittelalter. Er stoppte den Niedergang des Hauses Schönburg und legte durch kluges Taktieren zwischen den Wettinern und Kaiser Karl IV. von Böhmen den Grundstein für eine weitere territoriale Expansion, die er selbst begann und die von seinem Sohn Veit I. fortgesetzt wurde. – F.s Abstammung ist im Einzelnen unklar. Das häufige Auftreten der Namen Friedrich und Hermann in vier aufeinanderfolgenden Generationen (seit 1247) hat unter Genealogen große Verwirrung gestiftet. Keine der vorliegenden Stammtafeln vermag bis ins Letzte zu überzeugen. Auf jeden Fall entstammte F. der Glauchauer Linie. Ihn als Sohn (E. Eckardt) oder Neffen (C. Müller) Friedrichs IV. von Schönburg-Crimmitschau erscheinen zu lassen, ist kaum plausibel. Ebenso wenig kann man ihn Friedrich V. von Schönburg-Pürstein zuordnen, der eine böhmische Linie stiftete. Möglicherweise ist Hermann V. als Vater in Betracht zu ziehen, doch irritiert hier die Tatsache, dass bei seinem Tod nur ein Sohn namens Friedrich genannt wird, die Geschwister aber fehlen. – Als selbstständig handelnd tritt F. erstmals in einer Urkunde vom 6.7.1341 auf, in der er sich zusammen mit seinen Brüdern Hermann und Dietrich auf die gemeinsame Verwaltung ihrer Besitzungen für die Dauer von zwei Jahren einigte. Später muss eine Besitztrennung erfolgt sein. Als Dietrich in den Deutschen Orden eintrat, entbrannte zwischen F. und Hermann ein heftiger Streit um das Erbe ihres Bruders. Der Konflikt wurde 1348 bis 1355 gewaltsam ausgetragen und ging als „Schönburgischer Bruderkrieg“ in die Hausgeschichte ein. Nachdem F. in einem Gefecht im Mülsengrund 1348 seinem mit der Stadt Zwickau verbündeten Bruder eine Niederlage zugefügt hatte, griffen 1349 auch andere schönburgische Linien (Crimmitschau, Hassenstein) militärisch ein. Dabei wurden mehrere Dörfer um Glauchau verwüstet. 1355 beauftragte Karl IV. von Böhmen Markgraf Friedrich den Strengen von Meißen den noch immer andauernden Konflikt beizulegen. Angesichts der drohenden wettinischen Einmischung scheint es zur gütlichen Einigung zwischen F. und Hermann gekommen zu sein. Hermann starb vermutlich um 1358, sodass F. seit 1359 als alleiniger Herr zu Glauchau auftritt. – Auch mit der Crimmitschauer und den böhmischen Linien gelang eine Versöhnung. Ihren Ausdruck fand die wiedergewonnene Eintracht in der Vermählung von F.s Sohn Veit I. mit Agnes, Tochter Hermanns (VI.) von Schönburg-Crimmitschau. – Sowohl gegenüber dem Expansionsdrang der Wettiner als auch gegen das Machtstreben der Könige von Böhmen wusste F. geschickt die schönburgischen Interessen zu verteidigen. In beiden Lagern genoss er einen ausgezeichneten Ruf. F. weilte mehrfach im Hoflager Karls IV. und trat in kaiserlichen Urkunden auf. Von König Wenzel IV. erhielt F. 1371 für sich und die anderen schönburgischen Linien eine Konfirmation der Lehnbriefe über die böhmischen Reichsafterlehen Glauchau, Meerane und Lichtenstein. Im Fall des Aussterbens einer Linie verpflichtete sich Böhmen, die genannten Herrschaften nur innerhalb des Hauses Schönburg neu zu verlehnen. Damit erhielt F. wichtige Rückendeckung gegen die Wettiner. – Andererseits verstand es F., sich dauerhaft die Gunst der wettinischen Markgrafen Friedrich (des Strengen), Balthasar und Wilhelm zu sichern, als deren „Heimlicher Rat“ er seit 1365 auftrat. Seine Finanzkraft ermöglichte es F., den in Geldnöten befindlichen Wettinern, v.a. Balthasar, mehrfach beträchtliche Summen vorzuschießen. Auch anderen Dynasten gewährte F. finanzielle Unterstützung. Im Gegenzug erhielt er von seinen Kreditnehmern wertvolle Güter verpfändet. So besaß F. durch Verpfändung zeitweise u.a. die Städte Geithain und Waldheim, die Vogtei Borna und die Herrschaft Kriebstein. Das enge Verhältnis zu Balthasar blieb auch bestehen, als jener nach der Chemnitzer Teilung 1382 die Landgrafschaft Thüringen übernahm. – Zu den bedeutendsten Leistungen F.s zählt der Erwerb der Herrschaft Waldenburg für das Haus Schönburg. Diese ebenfalls böhmische Reichsafterlehnsherrschaft übernahm F. zwischen 1375 und 1378 von den Herren von Waldenburg. Seinem neuen Besitz widmete F. sofort große Aufmerksamkeit. Eine besondere Förderung erfuhr die Stadt Waldenburg. Die dortige Töpferinnung – die erste ihrer Art in Mitteldeutschland – erhielt von F. am 5.4.1388 ihren Innungsbrief. – Von seinen Pürsteiner Verwandten kaufte F. schließlich am 5.4.1382 die Herrschaft Lichtenstein. Damit gewann F. neben Waldenburg eine zweite Herrschaft, die unmittelbar an seinen Stammsitz Glauchau grenzte. Zugleich wurde innerhalb des schönburgischen Adelsgeschlechts eine Trennung der Interessenssphären immer deutlicher. Mit dem Verzicht auf Lichtenstein konzentrierten sich die böhmischen Schönburger auf das Egertal, während F. und seine Nachkommen ihre Herrschaft im muldenländischen Raum ausbauten.



Q  T. Schön, Geschichte des Fürstlichen und Gräflichen Gesamthauses Schönburg. Urkundenbuch, Bd. I, Stuttgart/Waldenburg 1901.

L  E. Eckardt, Chronik von Glauchau, Glauchau 1882, S. 65-68; E. Berlet, Geschichte der Stadt Glauchau, 1. Teil, Glauchau 1931, S. 179-182; C. Müller, Schönburg. Geschichte des Hauses bis zur Reformation, Leipzig 1931, S. 154-163.



Michael Wetzel
5.10.2004


Empfohlene Zitierweise:

Michael Wetzel, Friedrich XI., Herr von Schönburg, in:
Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V., bearb. von Martina Schattkowsky,
Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/ (26.4.2017)

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