Rappolt (Rappold) Friedrich
Bergbauunternehmer
zwischen 1513 und 1516
VHans (?) († 1492)Mgeb. Müntzer († 1477) 1.Brigitta († 1497)SAugustin, Bergbauunternehmer; Heinrich 2.Ursula, geb. von Eib (Eyb) († 1516)SEndresTUrsula; Margaret (Margot)
GND: 139771646






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R. stammte aus einer Nürnberger Fernhändlerfamilie. Wann er nach Sachsen kam, ist unbekannt. Zwischen 1475 und 1494 begründete er die nach ihm benannte Zeche in Schneeberg-Neustädtel, die 1503/04 als größtes Schneeberger Silberbergwerk, u.a. mit der ersten Grubenmauerung, einen technischen Höchststand erreichte. R. selbst war von 82 Gewerken, darunter bekannte Nürnberger Patrizierfamilien, mit neun Kuxen der größte Anteilseigner und machte sich auch in der Bergbauliteratur einen Namen. Allerdings blieben seine Schriften bisher unauffindbar. Bekannt wurde R. v.a. durch seine Denkschrift vom 1.1.1503 an Kurfürst Friedrich III. (der Weise), in welcher er in 17 Artikeln seine Auffassung von einem wirtschaftlich effektiven, von bürokratischen Hindernissen und dirigistischen Eingriffen befreiten Bergbau darlegte. Kurfürst Friedrich und dessen Bruder Herzog Johann (der Beständige) gewährten ihm in einem Antwortschreiben vom 19.5.1503 besondere Bergbauprivilegien und betonten damit den Stellenwert von R.s Sachverstand für die Zukunft des erzgebirgischen Bergbaus und damit letztlich für die Sicherung der sächsischen Finanzen. Als der Annaberger Silberbergbau nach 1500 zunehmend die Schneeberger Ausbeute überflügelte, verlegte R. seine Aktivitäten mehr und mehr dorthin. Inzwischen war sein Name u.a. in Annaberg mit dem „Rappolt-Stollen“ oder in Marienberg mit einem „Rappold-Gang“ auch außerhalb Schneebergs zu einem Begriff geworden. Nach seinem endgültigen Weggang aus Schneeberg, spätestens 1513, kam es dort im Folgejahr aus wirtschaftlichen Gründen zur Fusion der „Fundgrube Rappold“ mit mehreren anderen Zechen. – Das Jahr 1513 brachte offenbar auch eine Zäsur im Privatleben R.s. Am 15.9.1513 wurde in Annaberg der Verkauf eines Hauses in Nürnberg beurkundet, das R. 1497, im Todesjahr seiner ersten Frau, auf Empfehlung mehrerer Nürnberger Patrizier vermutlich zur Geldanlage erworben hatte. Unbekannt ist, ob R. in Annaberg in finanzielle Schwierigkeiten geraten war oder ob er das Geld für die Bergbauaktivitäten seines Sohns Augustin in Joachimsthal (tschech. Jáchymov) benötigte. – Die Bergbauliteratur würdigt R. bis heute als bedeutende Unternehmerpersönlichkeit; hinsichtlich seiner publizistischen Tätigkeit gilt er als ein Vorläufer von Georgius Agricola. Er zählte damit zu jenen oberdeutschen Zuwanderern, die als Fernhändler und Bergfachleute in der erzgebirgischen Wirtschafts- und Technikgeschichte nachhaltige Spuren hinterlassen haben. Sein Name lebt u.a. fort im sog. „Rappolder Kreuz“ des Markus-Semmler-Stollens im Revier Schlema/Schneeberg/Neustädtel sowie in der „Fundgrube Rappold“, wie sie heute noch im Schneeberger Bergbau-Lehrpfad „Vom Filzteich zum Weißen Hirsch“ verzeichnet ist. Ferner gibt es in Schneeberg-Neustädtel ein „Rappold-Fest“ und ein „Rappold-Lied“.



Q  T. G. Werner, Regesten und Urkunden über Beteiligungen von Nürnbergern an der Zeche R. und an anderen Schneeberger Bergwerks- und Metallhandelsunternehmungen, in: Mitteilungen des Vereins für Geschichte der Stadt Nürnberg 59/1972, S. 40-84; Nürnberger Totengeläutbücher, Bd. 2: St. Lorenz 1454-1517, Neustadt/Aisch 1967, Nr. 1678, 4848; Bd. 3: St. Sebald 1517-1572, Neustadt/Aisch 1972, Nr. 2846, 3999, 4422, 6293; Sächsisches Staatsarchiv - Bergarchiv Freiberg, Lehnbücher Schneeberg, Berggerichtsbuch; Stadtarchiv Nürnberg, Signatur A 1/1497 März 8, A 1 1513 Sept. 15; Thüringer Hauptstaatsarchiv Weimar, Reg. T, Bl. 1-4 v; Forschungs- und Landesbibliothek Gotha, Chart. A 213, Bl. 51 v.

W  Denkschrift vom 1.1.1503 an den Kurfürsten Friedrich III. (der Weise) von Sachsen, Thüringer Hauptstaatsarchiv Weimar, Reg. T 3, Bl. 1-4; Welche geng am höfflichsten zu bauen, [Nürnberg 1505-1515]; Aus einem Synit-Bergkwergk zu bauen und zu erhalten, [Nürnberg 1505-1515].

L  C. Meltzer, Historia Schneebergensis renovata ..., Schneeberg 1716 (ND Stuttgart 1995); P. v. Stetten, Geschichte der adelichen Geschlechter in der freyen Reichs-Stadt Augsburg, Augsburg 1762; F. T. Schulz, Nürnberger Bürgerhäuser und ihre Ausstattung, Leipzig/Wien [1908], S. 812ff.; T. G. Werner, Die große Fusion der Zechen um den R. in Schneeberg unter der Führung der Nürnberger 1514, in: Mitteilungen des Vereins für Geschichte der Stadt Nürnberg 56/1969, S. 214-250, 57/1970, S. 150-175, 58/1971, S. 102-115, 59/1972, S. 40-84, 60/1973, S. 153-194; W. v. Stromer, Oberdeutsche Hochfinanz 1350-1450, 3 Bde., Wiesbaden 1970; A. Laube, Studien über den erzgebirgischen Silberbergbau von 1470-1546, Berlin 1974, S. 135f.; O. Wagenbreth/E. Wächtler (Hg.), Bergbau im Erzgebirge, Leipzig 1990; B. Lahl, Der Markus-Semmler-Stolln und der Schneeberg-Schlemaer Bergbau, Marienberg 2003; E. Schöler, Vor 500 Jahren. Nürnberger Unternehmer, Techniker und Investoren im Erzgebirge, in: 500 Jahre Marx-Semmler-Stolln, hrsg. vom Bergbauverein Schneeberg/Erzgebirge e.V., [Schneeberg] 2003, S. 1-4; R. Sennewald, Die Bedeutung des Marx-Semmler-Stollns für das Montanwesen Sachsens, in: 7. Bergmännische Tage Schlema, 4.-6.7.2003, Tagungsband, hrsg. vom Bergbautraditionsverein Uranbergbau, [Aue] 2004, S. 7.



Eugen Schöler
20.6.2006


Empfohlene Zitierweise:

Eugen Schöler, Rappolt (Rappold), Friedrich, in:
Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V., bearb. von Martina Schattkowsky,
Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/ (21.8.2017)

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