Lamprecht Friedrich
Geologe, Lehrer, Bergsteiger, Landesmuseumspfleger
* 18.7.1893 Bautzen 17.9.1941 bei Dnepropetrowsk (UdSSR) (gefallen)
VGuido, Meteorologe
GND: 125790244





L. studierte ab 1913 in München, brach aber das Studium zu Kriegsbeginn 1914 ab, um sich als Zeitfreiwilliger für den Ersten Weltkrieg zu melden. Er war v.a. an den Kriegsschauplätzen des Balkans von Albanien bis zu den Karpaten eingesetzt und wurde vor Verdun (Frankreich) schwer verwundet. Nach Kriegsende studierte er ab 1918 Mineralogie, Geologie, Chemie, Physik und Erdkunde an der Technischen Hochschule Dresden. Das Staatsexamen legte er 1921 ab und wurde als Lehrer in den höheren Schuldienst übernommen. 1928 promovierte L. an der Technischen Hochschule Dresden. Er trat mit weiteren geologischen Publikationen, u.a. zum Alpenraum, hervor. Bis 1935 lehrte er als Studienrat an der Dresdner Dreikönigschule. – Bereits während seiner Studienzeit in Dresden war L. als Kletterer im Elbsandsteingebirge hervorgetreten und hatte mehrere schwierige Touren im Vorstieg gemeistert. Dabei war er an der Seite namhafter Felsgänger wie Erhardt Renger, Emanuel Strubich, Martin Röhnick und Waldemar Pfeilschmidt zu finden. L. war in der Akademischen Sektion Dresden des Alpenvereins engagiert und nutzte die Ferien zu Reisen mit Bergbesteigungen in den Alpen. 1931 bestieg er den Elbrus, während ihm Besteigungen im Pamir und Himalaya sowie in Äthiopien verwehrt blieben. Bis 1940 finden sich in seinem Tagebuch allein für das Elbsandsteingebirge 1.508 Eintragungen zu Felserkletterungen. – 1935 hatte L. beabsichtigt, sich in den Ruhestand versetzen zu lassen, um sich ausschließlich der wissenschaftlichen Tätigkeit zu widmen. Stattdessen folgte er dem Angebot der NSDAP und wurde Fachreferent für Heimatmuseen im Gauschulungsamt der Partei, wenig später übernahm er das Fachreferat Heimatmuseen im Sächsischen Volksbildungsministerium. 1936, als auf Erlass des Reichserziehungsministers reichsweit staatliche Museumspfleger berufen wurden, erhielt L. diese Funktion für Sachsen, obwohl seine Biografie bis 1935 keine Berührungspunkte mit dem Museumswesen aufwies. Wichtigstes Ziel seines Wirkens als Landesmuseumspfleger war es, die nichtstaatlichen sächsischen Museen als ein Instrument für die nationalsozialistische Volksbildung dienstbar zu machen. Zu diesem Zweck sollte in den Museen die Arbeit mit den musealen Objekten zurückgedrängt und marginalisiert werden, wenn sie sich nicht der NS-Propaganda unterwerfen ließ oder ihr objektiv entgegenstand. In diesem Sinne scheute sich L. auch nicht, den Museumsleitern NS-propagandistische Deutungen in den Museumstexten aufzudrängen. – L. war ein aktiver, linientreuer Nationalsozialist. Als solcher wirkte er z.B. 1937 aktiv auf die Auflösung der „Vereinigung mitteldeutscher Ortsmuseen“ hin. Dieser 1921 gegründete Verband vereinigte Museumsleiter und -mitarbeiter aus den Ländern Anhalt, Sachsen und Thüringen sowie der preußischen Provinz Sachsen. Allein aufgrund der Tatsache, dass diese Merkmale nicht den Organisationsprinzipien des NS-Staats entsprachen, betrieb L. die Auflösung dieses ansonsten nicht gleichzuschaltenden Vereins. Als Verantwortlicher für die sächsischen Museen erfasste L. diese fortan im Fachreferat Heimatmuseen des Heimatwerks Sachsen und ordnete sie gemäß der sächsischen Verwaltungsgliederung 1938 nach Kreishauptmannschaften, den späteren Regierungsbezirken. Von da an wirkte er auch als Fachreferent für Heimatmuseen im Heimatwerk Sachsen. – Durch seine für den NS-Staat typische Ämterhäufung - als Funktionär der NSDAP, als sächsischer Staatsbeamter und Kommissar des Reichs sowie als Funktionär einer NS-Massenorganisation - hatte er von 1938 an gemäß dem Führerprinzip die staatliche und parteiamtliche Aufsicht und Kontrolle über die nichtstaatlichen sächsischen Museen in seiner Person vereint. Ein weiteres Beispiel für NS-programmatisches, tagespolitisch motiviertes und aktionistisches Wirken ist sein - wenngleich verspäteter - Versuch vom Februar 1938, das Wendische Museum in Bautzen abzuwickeln. Wiederholt forderte er auch in seinen Aufsätzen, Rundschreiben und Erlassen die Museen auf, den „Kampf der NSDAP“ im Ausstellungsbereich zu dokumentieren. – Bereits 1939 ließ sich L. als Offizier reaktivieren und nahm am deutschen Überfall auf Polen sowie am Feldzug gegen Belgien und Frankreich teil. Beteiligt war er ebenso 1941 am Angriffskrieg auf die Sowjetunion und fiel bei Kampfhandlungen in der Ukraine, als er, zum Kommandeur befördert, die ihm zugeordnete Einheit aufsuchen wollte.



Q  Brandenburgisches Landeshauptarchiv Potsdam, Rep. 55 XI, 424-457, 461f.; Sorbisches Kulturarchiv Bautzen, Depositum Wendenabteilung VIII, XVI; Museum und Kunstsammlungen Schloss Hinterglauchau, Museumsarchiv; Vogtlandmuseum Plauen, Museumsarchiv.

W  Schichtenfolge und Oberflächenformen im Winterberggebiet des Elbsandsteingebirges, Diss. Dresden 1928; Die Stellung der Ortsmuseen im Deutschen Volksbildungswerk, in: Museumskunde NF 7/1935, H. 3, S. 111-113; Die Aufgabe der Heimatmuseen, in: Der Vorposten 1936, H. 1, S. 22-25; Die Heimatmuseen im Dienste des Heimatwerkes Sachsen, in: Das Heimatmuseum 11/1939, H. 1, S. 57f.; Merkblätter aus der Museumspflege des Landes Sachsen, in: Museumskunde NF 11/1939, H. 4, S. 104-112.

L  S. Sieber, Gedenkworte für Museumspfleger Dr. Friedrich L., in: Das Heimatmuseum 13/1941, H. 3/4, S. 9f.; [R. K.], Dr. Friedrich L. Zum 35. Todestag eines bedeutenden Bergsteigers und Forschers, in: Sächsische Heimat 23/1977, H. 4, S. 140f.; S. Förster, Faschistische Museumspolitik im Lande Sachsen von 1933 bis 1945 - unter besonderer Berücksichtigung der Heimatmuseen, Abschlussarbeit Fachschule für Museologen Leipzig 1989 [MS]; ders./V. Schimpff, Es gibt für die Heimatmuseen nur eine Tätigkeitsrichtung - die nach Vorwärts, in: Neue Museumskunde 34/1991, H. 1, S. 62-67; S. Förster, Nationalsozialistische Museumspolitik in Sachsen, in: V. Schimpff/F.-D. Jacob/W. Führ (Hg.), Historia in Museo, Langenweißbach 2004, S. 113-124.



Steffen Förster
7.2.2012


Empfohlene Zitierweise:

Steffen Förster, Lamprecht, Friedrich, in:
Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V., bearb. von Martina Schattkowsky,
Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/ (24.11.2017)

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