Friedrich I. von Sommerschenburg
Pfalzgraf von Sachsen
* um 1060 nach 18.10.1120
VAdalbert Seveke, Graf von SommerschenburgMOda, geb. von GoseckAdelheid, geb. von LaufenSFriedrich II. von Sommerschenburg (um 1095-1162), Pfalzgraf von SachsenTAdelheid
GND: 143054899

Die zeitgenössischen Ansichten über F. - den einzigen Sohn Graf Adalberts von Sommerschenburg, der von der „Genealogia Wettinensis“ in den wettinischen Stammbaum eingefügt wurde - schwankten zwischen Diabolisierung und ehrendem Andenken. Gestützt auf seine Rechte im Hasse-, Derlin- und Nordthüringgau, auf den Palatinat und einige Vogteien spielte F. in den ersten Jahrzehnten des 12. Jahrhunderts eine wichtige Rolle. Diese lässt sich aus seinem „territorialpolitischen“ Rang nur unzureichend ableiten, der weitgehend im Raum zwischen Bode, Ohre und Elbe lag. In einem Brief an Graf Berengar von Sulzbach, geschrieben um 1104/05, profilierte sich F. als kirchentreuer und um sein Seelenheil besorgter Wortführer bei den Auseinandersetzungen mit Kaiser Heinrich IV. Er bat darin den Sulzbacher zur persönlichen Besprechung des weiteren Vorgehens. In einem zeitgleichen fürstenspiegelartigen Brief offerierte F. zusammen mit anderen sächsischen Großen dem jungen König Heinrich V., der sich im April 1105 im sächsischen Herzogtum aufhielt, ein Bündnisangebot. Zunächst scheint F. noch die Nähe Heinrichs IV. gesucht und gefunden zu haben, wie etwa eine Speyerer Petition zugunsten des Klosters Lorsch vom März 1103, die F. unter den „regni principes“ führt, oder seine Teilnahme an einem wohl auf 1104 zu datierenden Regensburger Königsgericht zeigen. Doch schloss er sich, nachdem auch Heinrich V. von seinem Vater abgefallen war, den Aufständischen an. Nach dem Tod Heinrichs IV. ist Friedrich v.a. im sächsischen Raum im Gefolge des neuen Königs zu belegen, allerdings finden sich nicht allzu viele Nennungen in den Urkunden des Saliers. Doch begleitete er auch Heinrich V. auf dem Italienzug 1110/11. Als „comes palatinus de Saxonia“ wurde F. erstmals 1111 bezeichnet. Dies deutet auf eine Zunahme des landrechtlichen Prinzips hin. Hingegen ist das Auftreten zweier sächsischer Pfalzgrafen in einem Kaiserdiplom von 1114 schwerlich aus einer Teilung des sächsischen Palatinats zu erklären. Wenn man dies auf F. und den aus einem Diplom Lothars III. posthum als Pfalzgraf nachzuweisenden Friedrich IV. von Putelendorf (Bottendorf), den Enkel Pfalzgraf Friedrichs II. von Goseck, bezieht, ließe sich die Doppelnennung als Instrumentalisierung der Rivalität der beiden nah verwandten Häuser und als Fortführung einer feudal begründeten Institutionalisierung des Pfalzgrafenamts verstehen. Der Hintergrund wäre in der zunehmenden Oppositionshaltung des Pfalzgrafen gegen Heinrich V. seit 1112 zu sehen, die zuletzt in der Absetzung F.s und weiterer Großer durch den Salier in der zweiten Jahreshälfte 1114 zu Creuzburg an der Werra gipfelte. Dem Goslarer Weihnachtstag desselben Jahres blieb F. fern. Denkbar wäre auch eine Identifizierung der beiden Pfalzgrafen in erwähntem Erfurter Diplom vom August 1114 für Paulinzella mit F. und seinem gleichnamigen Sohn, der ab 1120 in der Pfalzgrafenwürde nachfolgte. Dies wäre jedoch als im Vergleich mit anderen Territorien des Reichs sehr früher Beleg für eine vom König ausgehende oder von ihm eingestandene Familiarisierung des Amts zu sehen. Im Februar 1115 kämpfte F. aufseiten der Kaisergegner am Welfesholz, nahm an der Eroberung der als Symbolort bedeutenden Heimburg teil, trat gegen September 1116 als fürstlicher Friedensunterhändler in Frankfurt/Main auf und belagerte später den Kyffhäuser, ehe er wohl maßgeblich 1120 den Frieden zwischen den aufständischen Sachsen und Kaiser Heinrich V. mit herbeiführte. Für seine Funktion als sächsischer Wortführer und Vermittler legitimierte ihn nicht zuletzt die Pfalzgrafenwürde. Anfang 1120 trafen F. und andere Große des Reichs mit Heinrich V. in Goslar zusammen, um sich mit dem Salier zu versöhnen. Das letzte Mal begegnet uns der Pfalzgraf als Zeuge in einer Urkunde vom Oktober 1120. – Insgesamt ist F. eine kluge und „eigenständige“ Politik zu bescheinigen, die von seinem Sohn und Nachfolger fortgeführt wurde. Durch F.s Heirat mit Adelheid, der Tochter des mächtigen Grafen Adolf von Berg, konnte er seinen familiären Einfluss deutlich steigern. Das enge Verhältnis zu den Magdeburger Erzbischöfen, deren Lehnsmann F. war und mit denen der Pfalzgraf oft gemeinsam nachzuweisen ist, kam wohl den machtpolitischen Interessen beider Seiten zugute.



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L  K. Pivec, Studien zur Ausgabe des Codex Udalrici mit einer Übersichtstabelle, in: Mitteilungen des Instituts für österreichische Geschichtsforschung 45/1931, S. 409-485; H.-D. Starke, Die Pfalzgrafen von Sommerschenburg (1088-1179), in: Jahrbuch für die Geschichte Ost- und Mitteldeutschlands 4/1955, S. 1-71; K. Bogumil, Das Bistum Halberstadt im 12. Jahrhundert, Köln/Wien 1972; L. Fenske, Adelsopposition und kirchliche Reformbewegung im östlichen Sachsen, Göttingen 1977; T. Weller, Die Heiratspolitik des europäischen Hochadels im 12. Jahrhundert, Köln/Weimar/Wien 2004; G. Althoff, Heinrich IV., Darmstadt ²2006; G. Peters, Das Augustinerchorherrenstift Hamersleben, in: Jahrbuch für die Geschichte Ost- und Mitteldeutschlands 52/2006, S. 1-54; C. Paulus, Das Pfalzgrafenamt in Bayern im Frühen und Hohen Mittelalter, München 2007; J. Dendorfer, Heinrich V. Könige und Große am Ende der Salierzeit, in: T. Struve (Hg.), Die Salier, das Reich und der Niederrhein, Köln/Weimar/Wien 2008, S. 115-170.



Christof Paulus
19.8.2011


Empfohlene Zitierweise:

Christof Paulus, Friedrich I. von Sommerschenburg, in:
Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V., bearb. von Martina Schattkowsky,
Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/ (29.4.2017)

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