Flick Friedrich
Industrieller
* 10.7.1883 Ernsdorf-Kreuztal/Siegerland 20.7.1972 Konstanz(ev.)
VErnst (1853–1915), Landwirt und Holzhändler in Ernsdorf-KreuztalMPhilippine, geb. Winke (1853–1912)1913 Marie, geb. SchußSOtto Ernst (1916-1974), Industrieller; Rudolf (1919-1941); Friedrich Karl (1927-2006), Unternehmer
GND: 118533959

F. zählte von den 1920er-Jahren bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs zu den bedeutendsten Stahlindustriellen in Deutschland sowie auch in Sachsen. Durch den Aufbau der Mitteldeutschen Stahlwerke AG mit Sitz in Riesa beeinflusste er nachhaltig die Strukturen der sächsischen Montanindustrie. In der Zeit des NS-Regimes entwickelte sich der Konzern Friedrich Flick KG zu einem der größten deutschen Rüstungs- und Stahlproduzenten sowie zum mitteldeutschen Marktführer im Waggonbau und in der Braunkohleförderung. Dabei profitierte F. durch unter Wert getätigte Aufkäufe jüdischer Unternehmen stark von der „Arisierungspolitik“ der Nationalsozialisten. – Nach Abschluss einer kaufmännischen Lehre und einem Studium an der Handelshochschule Köln bei Eugen Schmalenbach wurde F. mit 24 Jahren Prokurist bei der AG Bremer Hütte in Weidenau. 1913 trat er in den Vorstand des Stahlunternehmens Eisen-Industrie zu Menden und Schwerte AG ein. Zwei Jahre später erhielt er ein Vorstandsmandat in der AG Charlottenhütte in Niederschelden. Dort gelang es ihm innerhalb weniger Jahre, zum Generaldirektor und Mehrheitsaktionär zu avancieren. Unter seiner Führung konnte die Hütte auf ungefähr das Doppelte vergrößert werden. Anfang der 1920er-Jahre kaufte sich F. bei Montanunternehmen in dem an Polen abgetretenen Ostoberschlesien ein. Durch Beteiligungstausch erlangte er dann weiteren Firmenbesitz in West- und Mitteldeutschland. Er war nun auch Großaktionär der Rhein-Elbe-Union und der Linke-Hofmann-Lauchhammer AG, zu der die Stahlwerke in Riesa, Gröditz und Lauchhammer gehörten. Diese drei Stahlwerke übernahm F. in die 1926 von ihm gegründete Mitteldeutsche Stahlwerke AG, die wiederum im neu entstandenen Konzern Vereinigte Stahlwerke AG aufging. F. stieg innerhalb weniger Jahre zum wichtigsten Großaktionär der Vereinigten Stahlwerke, des damals größten europäischen Montankonzerns, auf. Während der Weltwirtschaftskrise konnte er wegen hoher Verschuldung einen drohenden Bankrott abwenden, weil es ihm gelang, den größten Teil seines Besitzes an den Vereinigten Stahlwerken 1932 zu einem überhöhten Preis an den Staat zu verkaufen. – Bereits 1931 waren die Mitteldeutschen Stahlwerke aus dem Trust Vereinigte Stahlwerke herausgelöst worden. In den 1930er-Jahren errichtete F. einen neuen Konzern um die Mitteldeutschen Stahlwerke sowie das bayerische Stahlunternehmen Maxhütte. Er konzentrierte sich dabei besonders auf den Ausbau der mitteldeutschen Industrie, der vom NS-Regime gefördert wurde. Als neue Holding seines Konzerns gründete er 1937 die Friedrich Flick KG, die er als Familienunternehmen persönlich führte. Er baute die Produktionskapazitäten der Mitteldeutschen Stahlwerke u.a. mit den Betrieben in Riesa, Gröditz und Lauchhammer stark aus. In Sachsen gehörten zum Flick-Konzern nun auch die Waggon- und Maschinenfabrik Bautzen und die Allgemeine Transportanlagen-Gesellschaft in Leipzig, die in ein Unternehmen der Flugzeugindustrie umprofiliert wurde. 1938/39 kamen die Sächsischen Gußstahlwerke Döhlen AG hinzu, später noch die Freitaler Stahlindustrie und das Schmiedewerk Pirna. Das Wachstum der Unternehmensgruppe wurde stark durch die nationalsozialistische Rüstungskonjunktur, das Ergreifen von Expansionschancen infolge der „Arisierung“ jüdischen Besitzes, Betriebsübernahmen in den besetzten Gebieten und den Einsatz von Zwangsarbeitern begünstigt. Der Flick-Konzern war im Zweiten Weltkrieg einer der großen Rüstungsproduzenten des „Dritten Reichs“ und hatte 1944 etwa 130.000 Beschäftigte. In den letzten Kriegsjahren waren über 40 Prozent der Beschäftigten des Flick-Konzerns Zwangsarbeiter, unter ihnen befanden sich auch KZ-Häftlinge, wie z.B. im Stahlwerk Gröditz. – Mitte 1946 wurde F. von den Alliierten inhaftiert und 1947 im Rahmen der Nürnberger Industriellen-Prozesse als Kriegsverbrecher angeklagt. Das Tribunal verurteilte ihn zu einer Gefängnisstrafe von sieben Jahren, allerdings kam er 1950 vorzeitig frei. Ein großer Teil seines Firmenbesitzes war durch die Enteignungen in der SBZ verloren gegangen; zudem war F. durch die alliierten Entflechtungsbestimmungen gezwungen, seine Kohlebeteiligungen abzustoßen. Auf Basis des Aktienerlöses baute er in den 1950er- und 1960er-Jahren durch eine gezielte Akquisitions- und Beteiligungspolitik erneut einen großen Konzern auf, zu dem u.a. eine rund 40-prozentige Beteiligung an der Daimler-Benz AG gehörte. F. wurde einer der reichsten und mächtigsten Unternehmer der Bundesrepublik. Im Jahr seines Tods 1972 war die Unternehmensgruppe um die Friedrich Flick KG der größte deutsche Konzern, mit rund 330 Firmen und 300.000 Beschäftigten.



Q  Bundesarchiv Berlin; Staatsarchiv Nürnberg; Sächsisches Staatsarchiv - Hauptstaatsarchiv Dresden; ThyssenKrupp Konzernarchiv, Duisburg; Bayerisches Wirtschaftsarchiv, München; National Archives and Records Administration, College Park.

L  G. Ogger, Friedrich F. der Große, Bern 1971; S. Jung, Die Rechtsprobleme der Nürnberger Prozesse dargestellt am Verfahren gegen Friedrich F., Tübingen 1992; J. Bähr/A. Drecoll/B. Gotto, Der Flick-Konzern im Dritten Reich, München 2008; K. C. Priemel, Flick. Eine Konzerngeschichte vom Kaiserreich bis zur Bundesrepublik, Göttingen ²2008; N. Frei u.a., Flick. Der Konzern, die Familie, die Macht, München 2009. – DBA II; DBE 3, S. 349f; Munzinger-Archiv (www.munzinger.de); Reichshandbuch der deutschen Gesellschaft, Bd. 1, Berlin 1930, S. 398.



Veit Damm
20.4.2011


Empfohlene Zitierweise:

Veit Damm, Flick, Friedrich, in:
Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V., bearb. von Martina Schattkowsky,
Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/ (26.6.2017)

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