Girardet Friedrich Christlieb (Frédéric Chrétienne, Pseudonym: Franz Gerhardt)
Pfarrer
* 14.2.1789 Stettin (poln. Szczecin) 14.6.1841 Dresden Dresden, Neustädter Friedhof(ref.)
VDaniel (1748-1825), SchuhmachermeisterMAnne Sophie, geb. Krause († 1810)GCharlotte; Wilhelm (Guillaume) (1804-1882) 1.1811 Sophie Henriette, geb. Schmidt (1790-1824)SFriedrich Herrmann (1813-1847); Albrecht Rodolphe (1815-1816); Guillaume Otto (1817-1823); Ernst Bernhard (1820-1823)TMarie Henriette Thérèse (1812-1813) 2.1825 Agnes, geb. von der Breling (1806-1843)SFriedrich Theodor (* 1825); Friedrich Carl Edmund (* 1827)
GND: 130249378


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G. war ein bedeutender Geistlicher der Evangelisch-reformierten Gemeinde zu Dresden. Als Nachkomme einer Hugenottenfamilie wurde er in Berlin zum Pfarrer für französisch-reformierte Gemeinden ausgebildet. Bereits im Alter von 22 Jahren erhielt er 1811 das Amt eines Predigers in Dresden. Die dortige Gemeinde, 1689 von Glaubensflüchtlingen aus Frankreich gegründet, erlangte während seiner Amtszeit die rechtliche Gleichstellung mit anderen Kirchen im Königreich Sachsen. Seine Predigten, deutsch und französisch gehalten, wirkten auf einfache wie gebildete Personen weit über die Gemeinde hinaus anziehend. Gemäß dem Geist der Zeit und der Tradition seiner Gemeinde konzentrierte sich G. auf die Bibelauslegung und vermied Lehrstreitigkeiten mit der lutherischen Kirche. Dennoch griff er in die theologische Diskussion seiner Zeit ein und scheute auch nicht Auseinandersetzungen mit der katholischen Kirche (u.a. unter dem Pseudonym Franz Gerhardt). Die von ihm verfasste kurze Geschichte seiner Gemeinde ist die erste umfangreichere Darstellung dieser Art. Außerdem erschienen von G. Andachtsbücher und Predigten. Daneben übertrug er Johann Peter Hebels „Allemannische Gedichte“ ins Hochdeutsche. Ernst Volkmar Kohlschütter, der spätere Oberhofprediger der lutherischen Kirche, arbeitete in jungen Jahren als Hilfsprediger in der Evangelisch-reformierten Gemeinde freundschaftlich mit G. zusammen und gab nach dessen Tod Predigten von ihm heraus.



Q  Stadtarchiv Wuppertal, FB 50-Girardet; Gemeindearchiv der Evangelisch-reformierten Gemeinde, Dresden.

W  Predigt über das Gebet des Herrn und andere Texte, Leipzig 1817; Das Brautgeschenk oder Briefe einer Mutter an die Tochter über die Bestimmung des Weibes als Hausfrau, Gattin und Mutter, Leipzig 1819, Leipzig 41843; Das Evangelium der Jesuiten aus Theorie und Praxis, Leipzig 1822; Andachtsstunden für betrübte und frohe Herzen, 3 Bde., Dresden 1823-1828; Die drei Scheidewege des Jugendlebens, 2 Bde., Dresden 1826; Ein Wort zur Ehrenrettung der Presbyterien gegen die Anklagen und Angriffe des Hrn. Pastor u. Prof. Dr. Krehl, Leipzig 1832; Kurze Geschichte der evangelisch-reformierten Gemeinde zu Dresden in den ersten anderthalbhundert Jahren ihres Bestehens, Dresden 1839; Predigt bei der Gedächtnißfeier des anderthalbhundertjährigen Bestehens der reformierten Gemeinde am 28. Juli 1839, Dresden 1839; Predigten, hrsg. von E. V. Kohlschütter, Dresden 1843.

L  E. G. Krüger, Die Familie Girardet im 18. Jahrhundert, Essen 1932 [MS]; G. Rosenhagen, Geschichte der evangelisch-reformierten Gemeinde in Dresden, 2 Bde., Dresden 1934-1939; H. W. Wolter, Wilhelm Girardet 1838-1932, Essen 1980 (P). – DBA I.

P  Ölgemälde, Evangelisch-reformierte Gemeinde, Dresden; Friedrich G., M. Steinla, Stich in Neusilber nach einer Zeichnung, Stadtarchiv Wuppertal; M. Steinla, Kupferstich, Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Kupferstichkabinett, Sächsische Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek Dresden, Abteilung Deutsche Fotothek (Bildquelle).



Hans-Jürgen Sievers
15.2.2005


Empfohlene Zitierweise:

Hans-Jürgen Sievers, Girardet, Friedrich Christlieb (Frédéric Chrétienne, Pseudonym: Franz Gerhardt), in:
Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V., bearb. von Martina Schattkowsky,
Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/ (22.10.2017)

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