Zinzendorf und Pottendorf Friedrich August Graf von
General, Diplomat
* 3.8.1733 Hof bei Oschatz 16.3.1804 Dresden(ev.)
VFriedrich Christian (1697-1756), Gutsherr, Geheimer Rat, KämmererMChristiane Sophie, geb. Gräfin von Callenberg (1703-1775)1767 Louise Johanne Sophie, geb. Gräfin von Byland-Polstercamp (1734-1804)
GND: 117005657


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Z. stammte aus einer ursprünglich österreichischen Adelsfamilie; erst sein Großvater trat in kursächsische Dienste. Nikolaus Ludwig von Zinzendorf und Pottendorf, der Begründer der evangelischen Brüdergemeine der Herrnhuter, war der Onkel von Z. – Nach dem Studium in Leipzig wurde Z. kursächsischer Kammerherr und trat in den sächsischen Militärdienst. Zu Beginn des Siebenjährigen Krieges geriet er bei Pirna in preußische Gefangenschaft und nahm erst 1759 wieder an den Feldzügen teil, nunmehr in der französischen Armee. – Seine Diplomatentätigkeit begann 1764 am Hof Kaiser Josephs II. in Wien. 1768 wurde er bevollmächtigter Minister am schwedischen Hof in Stockholm und erhielt hier 1776 die Ernennung zum Kommandeur des Nordsternordens. Als Oberst und Generaladjutant 1773 und 1777 als kursächsischer Gesandter in Berlin wirkte er für die Annäherung Sachsens an Preußen. Er war führend an den Verhandlungen über den Teschener Frieden, über den Beitritt zum deutschen Fürstenbund und um die Neutralität Sachsens nach dem Frieden von Basel beteiligt. 1799 wurde er als General der Infanterie sächsischer Kabinettsminister und Staatssekretär des Militärdepartements für Kommandoangelegenheiten. In diesem Ressort gab es großen Handlungsbedarf. Um 1800 litt die sächsische Armee noch unter den typischen Problemen des Ancien Régime. Zwar nahm Sachsen für sich in Anspruch, Kleidung und Verpflegung seiner Soldaten seien besser als in Preußen und Bayern, dennoch war trotz relativ hoher Staatsausgaben pro Soldat das Militärwesen in nahezu jeglicher Hinsicht von Unzulänglichkeit geprägt. Indes waren die Gestaltungsmöglichkeiten des Kabinettsministers sehr beschränkt. Die meisten Truppenteile und militärischen Einrichtungen unterstanden direkt dem Kurfürsten, der als Oberbefehlshaber in der Regel selbst die Entscheidungen traf. Die Versorgungs- und Ausrüstungsangelegenheiten unterstanden dem Geheimen Kriegsratskollegium mit einem General als Präsidenten an der Spitze. Für Angelegenheiten der Disziplin und Justiz war das Generalkriegsgerichtskollegium zuständig. Im Militärdepartement des Geheimen Kabinetts hatte Z. überdies nur eine beratende Funktion. So lagen die Leistungen von Z. denn auch weniger in den zentralen militärischen Bereichen, sondern eher in seinem Engagement etwa für das adlige Kadettenkorps und das Soldatenknabeninstitut zu Annaberg.



W  C. Garve (Hg.), M. Payley’s Grundsätze der Moral und Politik, Leipzig 1787 (französische Übersetzung: Berlin 1789).

L  E. G. v. Pettenegg, Ludwig und Karl Grafen und Herren von Zinzendorf ... nebst einer kurzen Geschichte des Hauses Zinzendorf, Wien 1879; Stammregister und Chronik der Kur- und Königlich Sächsischen Armee von 1670 bis zum Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts, bearb. von H. A. Verlohren, hrsg. von M. Barthold/F. Verlohren, Leipzig 1910; R. Müller/W. Rother, Die Kurfürstlich-Sächsische Armee um 1791, Berlin 1990, S. 15-20. – ADB 45, S. 339f.; DBA I, III; DBE 10, S. 677.

P  Kupferstiche von J. Darnstedt nach A. Graff, Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Kupferstichkabinett, Sächsische Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek Dresden, Abteilung Deutsche Fotothek (Bildquelle).



Heinrich Kaak
1.10.2004


Empfohlene Zitierweise:

Heinrich Kaak, Zinzendorf und Pottendorf, Friedrich August Graf von, in:
Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V., bearb. von Martina Schattkowsky,
Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/ (18.12.2017)

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