Eckhardt Ezechiel
Baumeister, Steinmetz
* 24.2.1595 Freiberg (getauft) nach 1673(ev.)
VHieronymus d.J. († 1624), SteinmetzGUriel (1582-1612), Bildhauer; Gabriel (belegt 1616 in Freiberg), Bildhauer; Georg (um 1590-1637), Bildhauer
GND: 139646116





E. wurde in der Werkstatt seines Vaters in Freiberg zum Steinmetz ausgebildet. Zu Beginn der 1620er-Jahre zog er nach Dresden, wo er das Bürgerrecht erhielt und unter Kurfürst Johann Georg I. als Landbaumeister bestallt wurde. In diesem Amt bestand seine erste nachweisbare Tätigkeit im Neubau eines Lusthauses auf der Festung Königstein 1621/22. 1623 wurde er zum stellvertretenden Architekten des kurfürstlichen Bauamts und 1628 zum obersten Architekten des Kurfürstentums ernannt. Bereits 1627 war er als leitender Baumeister an der Instandsetzung und dem Umbau von Schloss Hartenfels in Torgau sowie im folgenden Jahr mit der Wiederherstellung von Schloss Klippenstein in Radeberg beschäftigt. Der Zeit entsprechend lag E.s Aufgabenfeld aber v.a. in Rekonstruktions- und Neubauarbeiten an landesherrlichen Gebäuden, die während des Dreißigjährigen Kriegs beschädigt bzw. zerstört worden waren. Bis 1646 wurde nach seinen Plänen die Friedenskirche in Kötzschenbroda neu errichtet, die an den 1645 geschlossenen sächsisch-schwedischen Sonderfrieden erinnert, mit dem der Dreißigjährige Krieg in Sachsen beendet wurde. Ab 1651 projektierte und beaufsichtigte er den Wiederaufbau der im Krieg beschädigten Bautzener Ortenburg. Für dieses Bauvorhaben, das aus politischen Gründen hohe Priorität besaß, war doch die Oberlausitz wenige Jahre zuvor erst an Sachsen abgetreten worden, hatte E. nicht nur Planzeichnungen, sondern auch genaue Baukalkulationen und -abrechnungen zu erstellen. 1648 bis 1651 entstand nach seinen Plänen das kurfürstliche Lustschloss Hoflößnitz in Radebeul, ein zweigeschossiges Fachwerkgebäude mit Walmdach und vorgesetztem Treppenturm, dessen Innenräume von Centurio Wiebel, Christian Schiebling und Albert Eyckhout mit Wandvertäfelungen und Gemälden ausgestattet wurden. Des Weiteren wurden unter seiner Aufsicht in den 1650er- und 1660er-Jahren Umbauten an verschiedenen sächsischen Schlössern durchgeführt, u.a. in Dresden, Grillenburg (Schösserei), Hermsdorf und Moritzburg, wo er ab 1661 eine neue Schlosskapelle nach Plänen von Wolf Caspar von Klengel errichten ließ. Zwischen 1651 und 1664 wurde nach seinen Plänen die Meißner Elbbrücke, die aus strategischen Gründen von E. während des Kriegs teilweise abgetragen werden musste, wiederhergestellt. Noch in hohem Alter war er in Meißen mit Planungen für die Instandsetzung der Stadtbefestigung beschäftigt, die jedoch nicht ausgeführt wurden. – Die verschiedenen Tätigkeiten E.s im kurfürstlichen Bauamt charakterisieren die zunehmende Institutionalisierung des landesherrlichen Bauwesens in Sachsen im 17. Jahrhundert. Sein Aufgabenbereich umfasste die Unterhaltung bestehender Bauten sowie die Planung und Überwachung von Um- und Neubauvorhaben einschließlich der Kostenermittlung und Rechnungsprüfung, was mit ständigen Reisen im Kurfürstentum verbunden war. Dabei kann sein individueller Anteil an den während seiner Amtszeit entstandenen Bauten jedoch nur grob abgegrenzt werden. Vielmehr sind die im Auftrag des kurfürstlichen Bauamts ausgeführten Gebäude als Kollektivleistungen der in Aufgabenteilung für diese Behörde tätigen Bauhandwerker anzusehen, was für die spätere Barockarchitektur in Sachsen zum grundlegenden Prinzip werden sollte.



W  Lustschloss auf Königstein, 1621/1622 (1811/1812 verändert); Friedenskirche Kötzschenbroda, 1646 (1884/1885 umgebaut); Schloss Hoflößnitz Radebeul, 1648-1651; Wiederaufbau Ortenburg Bautzen, ab 1651; Wiederaufbau Elbbrücke Meißen, 1651-1664.

L  H. Beschorner, Die Hoflößnitz bei Dresden, in: Dresdner Geschichtsblätter 13/1904, H. 1, S. 209-226, H. 2, S. 239-247; C. Gurlitt, Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler in Sachsen, H. 24: Dresden-Altstadt (Land), Dresden 1904, S. 43; ebd., H. 26: Dresden-Neustadt (Land), Dresden 1904, S. 12, 45, 99, 189; ebd., H. 33: Bautzen (Stadt), Dresden 1909, S. 170, 178; H. Beschorner, Ezechiel E., der Erbauer der Hoflößnitz, in: Dresdner Geschichtsblätter 18/1909, H. 2, S. 30-35; C. Gurlitt, Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler in Sachsen, H. 39: Meißen (Stadt, Vorstädte, Afrafreiheit und Wasserburg), Dresden 1917, S. 208, 320, 322; J. Hebeda, Weinbergschlösschen Hoflößnitz, Leipzig 1980; F. Löffler, Das alte Dresden, Leipzig 91989, S. 71, 79, 179, 181; B. Bechter/W. Fastenrath (Bearb.), Dehio Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler Sachsen I, München/Berlin 1996, S. 39, 411, 500, 728, 732-735; H. Heckmann, Baumeister des Barock und Rokoko in Sachsen, Berlin 1996, S. 11; H. Magirius, Hoflößnitz, in: ders./A. Dülberg (Red.), Denkmalpflege in Sachsen 1894-1994, Bd. 1, Weimar 1997, S. 575f. – AKL, Bd. 32, München/Leipzig 2002, S. 95.



Kai Wenzel
3.9.2008


Empfohlene Zitierweise:

Kai Wenzel, Eckhardt, Ezechiel, in:
Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V., bearb. von Martina Schattkowsky,
Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/ (20.9.2017)

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