Hensler Johannes Joseph Erwin
Kunsthistoriker, Museums- und Bibliotheksdirektor
* 18.5.1882 Langenschwalbach (heute Bad Schwalbach) 15.8.1935 Dresden(kath.)
VJoseph († 1908), LandesbauinspektorMAloyse, geb. HilfGJosef (1885-1954), Kunsthistoriker; Arnold (1891-1935), Bildhauer1923 Maria Josepha Sylvia Elisabeth, geb. Reichsfreiin von und zu Bodman (* 1895)SHans Ruprecht (* 1925); Franz Josef (* 1927); Arnold, nach Adoption durch seine Tante: Freiherr von Bodman-Hensler (* 1930)TClaralies (* 1924)
GND: 116721863





1892 bis 1895 besuchte H. das Realgymnasium in Wiesbaden und danach das dortige Humanistische Gymnasium, an dem er Ostern 1901 das Abitur ablegte. H. studierte zunächst ein Semester in Freiburg/Breisgau Geschichte, Germanistik, Kunstgeschichte und Klassische Philologie, anschließend zwei Semester in München und 1902/03 ein Semester in Berlin. Ab Ostern 1903 setzte er sein Studium in Straßburg (frz. Strasbourg) fort. Dort hörte er v.a. bei Martin Spahn Vorlesungen im Fach Geschichte und wurde 1906 zum Dr. phil. promoviert. Anschließend war H. zunächst Volontär am Landesmuseum in Darmstadt, danach am Römisch-Germanischen Nationalmuseum in Mainz und in Schwerin (1908-1910). Ab Juli 1910 arbeitete er in Bonn als Assistent des Konservators der Rheinprovinz Edmund Renard und war später auch im Ausschuss der jährlichen „Tage für Denkmalpflege und Heimatschutz“ aktiv. Das später auch in seinen Publikationen ablesbare Interesse an der Denkmalpflege wurde durch Renard maßgeblich beeinflusst. – 1914 berief ihn der sächsische König Friedrich August III. zum Direktor seiner Kupferstichsammlung. Am 1.6.1914 trat H. zudem sein Amt als Direktor der Prinzlichen Sekundogeniturbibliothek Dresden an. Unterbrochen wurde seine Tätigkeit durch den Ersten Weltkrieg, während dessen er bei dem Kaiserlichen Deutschen General-Gouvernement Belgien in Brüssel tätig war. H. musste in seiner Dresdner Amtszeit einen Umzug organisieren und den Fortbestand der Bibliothek sichern. Diese hatte um 1900 das gleichnamige Gebäude („Sekundogenitur“) auf der Brühlschen Terrasse bezogen. Nach dem Ende der Monarchie und dem Weggang des Prinzen Georg von Sachsen übernahm der Familienverband des Hauses Wettin die Verwaltung der Bibliothek. 1922 wurde eine vertragliche Regelung der Nutzung des Gebäudes zwischen den Wettinern und dem Freistaat Sachsen vereinbart, allerdings wollte der Freistaat nach einigen Jahren das Gebäude selbst nutzen. Deshalb wurde die Bibliothek 1928 in das Schloß Moritzburg verlegt, wobei H. aus Platzgründen Teilbestände der ca. 60.000 Bände zählenden Bibliothek verkaufen musste. 1924 wurde H. auch zum Direktor der Kunstsammlungen des Hauses Wettin ernannt. − H. trat v.a. mit kunsthistorischen Publikationen hervor, in denen er auch denkmalpflegerische Aspekte berücksichtigte. Er blieb auch nach seinem Umzug nach Dresden seiner Heimatregion, dem Rheingau, verbunden. Dies zeigt sich u.a. in seinen Publikationen. Karl Hoeber widmete H., dem „Cicerone deutscher Kunst“, ein Jahr nach dessen Tod einen umfangreichen Gedenkband.



Q  Sächsisches Staatsarchiv - Hauptstaatsarchiv Dresden, 13312 Fürstennachlass Johann Georg, Prinz von Sachsen.

W  Verfassung und Verwaltung von Kurmainz um das Jahr 1600, Straßburg 1909; (Hg.), Kurzmainzer Kunst, Wiesbaden 1913; Adrian Zingg und sein Stammbuch, Leipzig 1923; Eine neuentdeckte Madonna von Colijn de Coter, in: Jahrbuch der Preussischen Kunstsammlungen 45/1924, S. 117-120; Kunstfahrt durch Schlesien, in: Tag für Denkmalpflege und Heimatschutz Breslau 1926, Berlin 1927, S. 190-233; Kunstfahrt in den Rheingau, in: ebd., S. 101-117; Jagdschloß Moritzburg, Dresden [1928]; Kunstfahrt in Franken, in: Tag für Denkmalpflege und Heimatschutz Würzburg und Nürnberg 1928, Berlin 1929, S. 301-330; Prinz Johann Georg, Herzog zu Sachsen, als Schriftsteller 1909-1929, Leipzig 1929; Kunstfahrt zum Niederrhein, in: Tag für Denkmalpflege und Heimatschutz Köln 1930, Berlin 1931, S. 185-220.

L  Dr. Erwin H. †, in: Deutsche Kunst und Denkmalpflege 9/1935, S. 162; K. Hoeber, Erwin H., Berlin 1936; M. F. Feldkamp (Hg.), 150 Jahre Katholischer Studentenverein Askania-Burgundia im Kartellverband Katholischer Deutscher Studentenvereine (KV) zu Berlin 1853-2003, Berlin 2006, S. 109. – DBA III; A. Habermann/R. Klemmt/F. Siefkes, Lexikon deutscher wissenschaftlicher Bibliothekare 1925-1980, Frankfurt/Main 1985, S. 121.



Konstantin Hermann
29.8.2011


Empfohlene Zitierweise:

Konstantin Hermann, Hensler, Johannes Joseph Erwin, in:
Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V., bearb. von Martina Schattkowsky,
Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/ (22.10.2017)

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