Venus Ernst Walther
Amtshauptmann, Landrat
* 22.7.1880 Gießen/Lahn 15.7.1971 Bad Krozingen Radebeul-West, Hauptfriedhof(ev.)
Vhöherer PostbeamterMTochter eines Dresdner Rechtsanwalts und Stadtverordnetenvorstehers1919 Charlotte, geb. Lüpke († 1930 oder 1931), 2. 1935 Tochter eines Arztes aus RadebeulSChristian (* 1936), Günther (* 1937)TIngrid (* 1943)
GND: 124999913


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Die Familie V.s siedelte wenige Jahre nach seiner Geburt ins sächsische Radebeul über. Familie und Schule prägten V. durch die Vermittlung religiöser Wertvorstellungen, die bei seiner Mutter stark an Religion und Nächstenliebe, bei seinem Vater teilweise am Pantheismus orientiert waren. Nach der Elementarschule in Radebeul besuchte V. 1889/90 die Bürgerschule in Dresden, von 1890 bis 1899 das Königliche Gymnasium in Dresden-Neustadt und von 1899 bis 1902 die Leipziger Universität, wo er Rechts- und Staatswissenschaften studierte. Im Winter 1902/03 bestand er die Referendar- und Doktorprüfung. Stationen seines Referendardienstes waren Wolkenstein, Meerane, Chemnitz und Radebeul. Von November bis März 1905 arbeitete V. als Landtagsberichterstatter für die sächsische Staatszeitung. Als Assessor war er in den nächsten Jahren in der Verwaltung der Amtshauptmannschaft Döbeln (1906), beim Stadtrat Döbeln (1906/07) sowie nach Bestehen der zweiten Staatsprüfung (1907/08) in der Verwaltung der Amtshauptmannschaft Auerbach im Vogtland (1908/11) tätig. Dort unterstand er dem Amtshauptmann Alfred von Nostitz-Wallwitz, in dessen Haus er Künstler wie Rainer Maria Rilke und Hugo von Hofmannsthal kennen lernte. Nachdem er seine Assessorzeit beendet hatte, arbeitete V. 1912 am Institut für Gemeinwohl in Frankfurt/Main, wo ihm v.a. der Kleinwohnungsbau, die Milch- und Fleischversorgung sowie die Sozialpädagogik oblagen. Zu Beginn des Jahres 1913 wechselte er wieder nach Sachsen. Im Innenministerium hatte er als Hilfsarbeiter des Personalreferenten vornehmlich die Fragen der wirtschaftlichen und sozialpolitischen Ausbildung der Regierungsassessoren zu bearbeiten. Ab 1915 war V. mit kriegswirtschaftlichen Aufgaben betraut und deshalb nicht zum Kriegsdienst eingezogen worden. 1918 wurde V. als Sachbearbeiter ins Außenministerium versetzt. Mehr jedoch reizten ihn die vielfältigen wirtschaftlichen, kulturellen und sozialen Aufgaben als Amtshauptmann, zu dem er im Sommer 1919 nach Stollberg ins Erzgebirge berufen wurde. 1926 wechselte er als Amtshauptmann nach Annaberg, im Februar 1928 wurde er nach Dresden versetzt, wo er bis zum Sommer 1944 Landrat war. – V. interessierte sich sehr für Kunst, Musik, Theater, aber auch Sport. In den 1920er-Jahren setzte er sich z.B. für die Sächsische Landesbühne, ein Wandertheater, ein. Außerdem war er Mitglied des Landesbeirats für Leibesübungen. – Während seiner Tätigkeit als Amtshauptmann bzw. Landrat war V. in vielen gemeindeähnlichen Verbänden tätig, v.a. als Vorsitzender des Verbandes der Sächsischen Bezirksverbände bzw. im Sächsischen Landkreistag, der 1933 im Sächsischen Gemeindetag aufging, als Vorstandsmitglied im Deutschen Landkreistag und als Aufsichtsratsmitglied der Kreditanstalt Sächsischer Gemeinden. – Parteipolitisch war V. nicht gebunden, trat jedoch über viele Jahre hinweg der Sozialdemokratie offen entgegen. Als er sich ab 1933 weigerte, Mitglied in der NSDAP zu werden, wurden ihm Nebenämter, die er als Landrat innehatte, mit den dazugehörigen Bezügen entzogen. Persönlich und beruflich blieb er jedoch nach 1933 verhältnismäßig unbehelligt. 1944 wurde er aus dem Staatsdienst entlassen. Über seine Tätigkeit nach 1945 und seinen Tod ist nichts bekannt. – V. gehörte zu den engagiertesten Verwaltungsbeamten, die sich in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts für die Anpassung der sächsischen Landkreise an die Moderne einsetzten. Die Hebung der Volksbildung, die Förderung der Kultur sowie der Ausbau medizinischer Einrichtungen lagen ihm dabei besonders am Herzen.



Q  Auskunft C. Venus.

W  Voraussetzungen des Annahmeverzugs des Handelskäufers und Überblick über die Wirkungen dieses Verzugs, Diss. Leipzig 1904; Amtshauptmann in Sachsen, Bonn 1970 (P).

L  DBA II (P); Reichshandbuch der deutschen Gesellschaft, Bd. 2, Berlin 1931, S. 1944.

P  Gemälde, vor 1940, Privatbesitz (Bildquelle).



Barbara Hillen
9.6.2004


Empfohlene Zitierweise:

Barbara Hillen, Venus, Ernst Walther, in:
Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V., bearb. von Martina Schattkowsky,
Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/ (23.6.2017)

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