Keil Ernst Viktor
Publizist, Verleger, Begründer der „Gartenlaube“
* 6.12.1816 Langensalza 23.3.1878 Leipzig
VChristian Ernst Friedrich (1776-1837), GerichtsdirektorMJohanna Friederike Henriette, geb. Barth (1791-1867)1844 Dorothea Karoline (Lina), geb. Aston (1821-1894)SErnst Bruno († 1871)TKaroline Margaretha; Anna Melanie
GND: 11750727X

Nach dem Besuch des Gymnasiums in Mühlhausen begann K. eine Buchhändlerlehre, da ein Studium aus finanziellen Gründen nicht möglich war. Er wurde Lehrling in der Hofbuchhandlung Hoffmann in Weimar unter Kommissionsrat Johann Wilhelm Hoffmann, der engste Beziehungen zum Großherzog Carl August und dem „Musenhof“ unterhielt. Dadurch lernte K. auch Johann Wolfgang von Goethe kennen. In dieser Zeit kam er mit den Ideen der „Jungdeutschen Literatur“ in Berührung. Nach der Lehre leistete K. in Erfurt freiwillig seine Militärpflicht ab. Die Mußestunden nutzte er zu intensiven literarischen Studien. Mit 21 Jahren trat er 1837 in die Weygandische Verlagsbuchhandlung in Leipzig als Gehilfe ein. Bei ersten eigenen literarischen Versuchen stellte sich seine publizistische Begabung heraus. Das brachte ihm bereits 1838 die Leitung des literarisch-politischen Feuilletons in der Wochenzeitschrift „Unser Planet“ (später „Wandelstern“) ein. Unter ihm entwickelte sich die Zeitschrift des Grimmaer Buchhändlers Karl Ferdinand Philippi zu einer der meistgelesenen Publikationen. 1845 erschien bei der Verlagsbuchhandlung Schüssel in Bautzen sein Novellenband „Melancholie“. Nachdem er zuletzt bei der Buchhandlung Naumburg & Comp. Leipzig als Geschäftsführer angestellt war, gründete K. am 3.8.1845 sein eigenes Verlagsunternehmen in Leipzig. Seine erste im Börsenblatt angezeigte Veröffentlichung war die Broschüre „Kartoffelseuche“ 1845. 1846 begann K. mit der Herausgabe der Monatsschrift „Leuchtthurm“, die dem Liberalismus verschrieben war und von ihm selbst redigiert wurde. In Sachsen war hierfür keine Konzession zu erlangen, deshalb wählte K. zunächst Zeitz als Erscheinungsort. Die darin verbreiteten Ideen K.s und seiner Mitarbeiter, so u.a. Robert Blum, Gustav Adolph Wislicenus, Johann Jacoby, Ernst Dronke, Leberecht Uhlich und Otto Ruppius, trugen ihm sogleich ein Publikationsverbot ein, sodass er den Erscheinungsort häufig wechseln musste. Als sich im Februar 1848 auf Druck der Vorgänge in Paris die Zensur lockerte, konnte der „Leuchtthurm“ 1848/49 mit seinem Beiblatt „Laterne“ (später „Reichsbremse“, „Spitzkugeln“, „Schildwacht“) auch in Leipzig erscheinen. Mit Erstarken der Reaktion 1850 in Sachsen war K. schweren Verfolgungen ausgesetzt. 1851 erfolgte das direkte Verbot der Zeitschrift. Ersatz fand K. in der Mitarbeit an der Zeitschrift „Illustrierter Dorfbarbier“, den sein Freund Ferdinand Stolle in Dresden herausgab. Durch K.s Mitwirkung stieg die Leserzahl des „Dorfbarbiers“ auf über 22.000. Noch einmal musste er sich wegen des „Leuchtthurms“ vor Gericht verantworten und wurde zu einer neunmonatigen Haftstrafe in Hubertusburg verurteilt mit dem Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte. Im Gefängnis entwickelte K. die Idee der Gründung einer Familienzeitschrift, der „Gartenlaube“ (nach einer Ecke in seinem Leipziger Garten benannt), die dem Bürgertum zur „geistigen Ertüchtigung und Aufklärung wie zur Unterhaltung“ dienen sollte. Jede Nummer, so plante K., sollte enthalten: l. Gedichte, 2. Novellen bzw. Erzählungen bekannter Schriftsteller, 3. Aufsätze über Sitten und Gebräuche fremder Völker und Deutschlands, 4. Briefe aus der Natur, 5. Abhandlungen über den menschlichen Körper, 6. Feuilleton. Dazu zog K. im Laufe der Zeit u.a. bekannte Naturwissenschaftler und Techniker wie Karl Ernst Bock, Carl Vogt, Emil Adolph Roßmäßler und Max Maria von Weber zur Mitarbeit heran. Auf literarischem Gebiet arbeiteten Hermann Schmidt, Ruppius, Levin von Schücking, Theodor Storm, Gottfried Keller, Wilhelm Raabe u.a. mit. Am 1.1.1853 startete die Zeitschrift, vorerst unter Ferdinand Stolles Namen, denn K. stand auch nach seiner Haft unter Polizeiaufsicht. Die Redaktion lag jedoch von Anfang an in seinen Händen. Bald fand die Zeitschrift weit über Sachsen hinaus in Deutschland und später in Übersee Verbreitung. Bereits 1855 zählte sie über 3.500 Abonnenten und 1860 bereits 8.600, um nach einem vorübergehenden Einbruch durch ein Verbot in Preußen 1865 auf 215.000 und 1876 auf 400.000 zu steigen. Man schätzte zu dieser Zeit, dass die „Gartenlaube“ von etwa fünf Millionen gelesen wurde. Nicht zuletzt war es der literarische Teil, der eine große Leserschaft fand, besonders als ab 1865 die damals beliebten Romane der Eugenie Marlitt (E. John) erschienen. Ein solcher Erfolg war im deutschen Buchhandel einmalig. – 1871 starb der einzige Sohn Ernst Bruno auf einer Reise in Kairo an Diphtherie. Trotz dieses Schicksalsschlags stand K. unerschütterlich an der Spitze seines Verlags. Am 1.1.1878 feierte er mit den Mitarbeitern das 25-jährige Jubiläum seiner weltweit bekannten Zeitschrift. K. engagierte sich daneben stark auf sozialem Gebiet. Bedürftigen ließ er finanzielle Unterstützungen zukommen. Darüber hinaus förderte er die Ausbildung in Handwerk, Gewerbe und Wissenschaft. Dieses Engagement wurde z.T. erst nach seinem Tod bekannt. Einige Wochen nach dem Jubiläum starb K. nach kurzer schwerer Krankheit. Seine „Gartenlaube“ aber bestand bis 1944 weiter fort.



Q  E. Freiherr von Dellinghausen, Ernst Viktor K., Ahnen und Vorfahren, sein Leben, Sächsisches Staatsarchiv - Staatsarchiv Leipzig, Abt. Genealogie [MS] (P).

W  Melancholie, Bautzen 1845; Kartoffelseuche, Leipzig 1845; Der Leuchtthurm. Wochenschrift für Politik, Literatur und gesellschaftliches Leben, 1846-1850; Die Gartenlaube. Illustriertes Familienblatt, Leipzig 1853-1944.

L  A. Fränkel, Ernst K. Ein Lebens- und Charakterbild, in: Die Gartenlaube, Nr. 35/1878, S. 569-581; R. Forberger, Die Industrielle Revolution in Sachsen 1800-1861, Bd. 2/1, Leipzig 1999, S.233f.; C. Hobohm, Ernst K. - Die Gartenlaube und die Marlitt. Eine Erfolgsstory, in: Jahrbuch der Interessengemeinschaft Marlitt 2/2000, S. 22-26; F. Hamouda, Ernst K. und die Gartenlaube, in: Jahrbuch der Interessengemeinschaft Marlitt 4/2003, S. 29-31. – ADB 15, S. 530ff.; DBA I, II, III; DBE 5, S. 485; NDB 11, S. 402f.; Sächsische Lebensbilder, Bd. 1, Dresden 1930, S. 169-179 (Bildquelle).



Ursula Forberger †
29.8.2005


Empfohlene Zitierweise:

Ursula Forberger †, Keil, Ernst Viktor, in:
Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V., bearb. von Martina Schattkowsky,
Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/ (24.3.2017)

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