Grumbt Karl Ernst
MdR, MdL, Steinbruch- und Sägewerkbesitzer, Holzgroßhändler, Schifffahrtsunternehmer
* 2.9.1840 Schmilka bei Schandau 19.9.1917 Loschwitz bei Dresden Dresden, Waldfriedhof Weißer Hirsch(ev.)
VCarl Gottlob, Maurermeister in SchmilkaAnna, geb. Püschel aus SchandauSErnst Alfred (* 1872), Kaufmann, Handelsrichter in Dresden, Rittmeister der Reserve
GND: 133214141

G. besuchte die Bürgerschule in Schandau und betrieb seit 1864, nachdem er das Bürgerrecht erhalten hatte, unter dem Namen „Firma Ernst Grumbt“ eine Holz- und Sandsteinhandlung in Dresden. 1868 pachtete er ein bestehendes Sägewerk in Dresden, welches er im Jahr darauf kaufte und zum Dampfsäge- und Hobelwerk ausbaute. 1876 erwarb G. die Herrschaft Schluckenau (tschech. Šluknov) in Böhmen mit einem ca. 1.800 ha großen Waldgebiet, wo er seit 1880 ebenfalls ein Dampfsägewerk betrieb. Fünf Jahre später kam ein weiteres Dampfsägewerk in Sohland/Spree hinzu, welches zu den größten in Sachsen zählte. 1899 eröffnete die Firma eine Filiale in Hamburg. G. besaß ferner mehrere Steinbrüche in Sachsen. Er profitierte v.a. von der Lage seiner Unternehmen an der Elbe, die er frühzeitig als Schifffahrtsunternehmer für den Transport von Rohstoffen (Holz aus Böhmen, Russland und Schweden) und verarbeiteten Produkten (Bretter, Bauholz, Rundholz) nutzte. Aufgrund der Größe und Vielseitigkeit seiner Unternehmen mit zeitweise 450 Arbeitern zählte G. zu den reichsten Männern in Sachsen (1912: Vermögen von sechs Millionen Mark und Einkommen von 400.000 Mark). 1892 trat sein Sohn Alfred als Teilhaber in die Firma ein und führte sie nach dem Tod des Vaters weiter. – G. besaß in der Leipziger Vorstadt in Dresden zahlreiche Häuser und große Wiesenflächen am dortigen Elbufer. 1888 ließ er in der Leipziger Straße 33 eine noch heute erhaltene Villa im Stil der Neorenaissance bauen. 1907 zog die Familie in die Radeberger Vorstadt, wo G. durch den Dresdner Architekten Martin Pietsch eine weitere Villa errichten ließ. – Politisch engagierte sich G. für die Konservative Partei, für die er 1897 bis 1909 im Sächsischen Landtag ein Mandat erlangte. Bereits 1887 bis 1893 war er Abgeordneter im Deutschen Reichstag für die Deutsche Reichspartei. G. zählte zu den einflussreichsten Industriellen innerhalb der sächsischen Konservativen Partei, die keineswegs nur als eine agrarische Interessenvertretung zu betrachten ist, und gründete 1905 die Parlamentariergruppe „Ausschuss der im Konservativen Landesverein vereinigten Industriellen“ mit. 1909 gehörte er dem Vorstand des Konservativen Landesvereins für Sachsen an, seit 1912 war er Mitglied des Verwaltungsausschusses für die Mobiliarversicherung bei der sächsischen Brandversicherungskammer. – Auch innerhalb seiner Branche bekleidete er verschiedene Ämter. Seit 1883 saß G. im Vorstand der Sächsischen Holzberufsgenossenschaft, deren Vorsitz er seit 1888 ausübte. Mit der offiziellen Gründung des Vereins Sächsischer Holzindustrieller 1905 übernahm G. auch dessen Vorsitz, den er bis zu seinem Tod innehatte. Der Verein hatte sich als freie Vereinigung schon in den 1870er-Jahren konstituiert, seit den 1880er-Jahren spielte G. darin eine führende Rolle. Seit 1865 war G. Mitglied im Sächsischen Schiffer-Verein und 1907/08 kurzzeitig im Vorstand der neu gegründeten Ortsgruppe Dresden des Vereins Sächsischer Industrieller. Zudem gehörte er 1907 dem Direktorium des Mitteleuropäischen Wirtschaftsvereins sowie 1909 dem Ausschuss zur Gründung einer Ortsgruppe Dresden des Hansa-Bunds an, war Mitglied im Stadtverein für innere Mission Dresden, im Gewerbeverein Dresden und im Alldeutschen Verband. G. saß im Aufsichtsrat der Bank für Grundbesitz in Dresden und war einer der Kapitalgeber, dessen Beitrag 1889 zur Gründung der Aktiengesellschaft „Deutsche Strassenbahngesellschaft in Dresden“ führte. G. gehörte auch dem Aufsichtsrat der Gesellschaft an. Seit 1871 war er als Freimaurer in der Dresdner Johannisloge „Zum goldenen Apfel im Orient“ organisiert. G. trug den Titel eines Geheimen Kommerzienrats und erhielt 1903 den Albrechtsorden erster Klasse.



Q  Staatshandbuch für das Königreich Sachsen auf das Jahr 1912, hrsg. vom Königlichen Gesamtministerium, Dresden 1912, S. 21, 335; Stadtarchiv Dresden, Michaeliskartei, 2.3.9., Grumbt 1864, 1892.

L  Festschrift zum 50jährigen Bestehen der Firma Ernst Grumbt, Dampfsäge- und Hobelwerke Dresden, Schluckenau in Böhmen, Sohland an der Spree 1864-1914, Dresden 1914; Amtliches Reichstags-Handbuch 1890/95, hrsg. vom Reichstags-Bureau, Berlin 1890, S. 176f.; O. Richter, Geschichte der Stadt Dresden in den Jahren 1871 bis 1902, Dresden 1903, S. 147f.; R. Martin, Jahrbuch des Vermögens und des Einkommens der Millionäre im Königreich Sachsen, Berlin 1912, S. 7, 166, 275; H. A. L. Degener (Hg.), Wer ist’s?, Leipzig 1914, S. 576. – DBA II; M. Schwarz, M.d.R. Biographisches Handbuch des Reichstages, Hannover 1965, S. 331; E. Döscher/W. Schröder, Sächsische Parlamentarier 1869-1918, Düsseldorf 2001, S. 95, 103, 200, 249 (Bildquelle), 383.

P  Fotografie in: 25 Jahre Arbeit im Dienste der sächsischen Industrie und der sächsischen Wirtschaft durch den Verband sächsischer Industrieller, Leipzig o.J., S. 69.



Swen Steinberg
8.8.2007


Empfohlene Zitierweise:

Swen Steinberg, Grumbt, Karl Ernst, in:
Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V., bearb. von Martina Schattkowsky,
Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/ (24.3.2017)

Wikipedia Link