Abendroth Erna von
Lehrerin, Krankenschwester, Oberin
* 4.2.1887 Ostritz/Oberlausitz 28.9.1959 München Niederaudorf(ev.)
VAlexander Bernhard Ernst, RittmeisterMMargarethe, geb. von Hagen
GND: 126914516






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A. besuchte zunächst die Volksschule in Ostritz und danach fünf Jahre lang ein Lehrerinnenseminar in Dresden. 1906 legte sie die Reifeprüfung ab und war anschließend als Hauslehrerin tätig. – 1910 absolvierte A. bei den Albertinerinnen vom Roten Kreuz am Carola-Krankenhaus in Dresden einen Lehrgang zur Krankenpflege. In der Zeit des Ersten Weltkriegs war sie als freiwillige Krankenpflegerin tätig und legte 1916 die Prüfung als examinierte Krankenschwester ab. Seit 1918 übernahm sie die Pflege ihrer Eltern. In dieser Zeit hörte sie Vorlesungen an der Technischen Hochschule Dresden sowie an der Universität Leipzig. 1921 promovierte sie mit der Dissertation „Der Beruf der Krankenpflegerin mit besonderer Berücksichtigung der sächsischen Verhältnisse“ zum Dr. phil., arbeitete jedoch weiterhin als Krankenschwester. Sie engagierte sich 1922/23 für die Gründung der „Städtischen Schwesternschaft Dresden“, zu deren Oberin sie gewählt wurde, und setzte sich für die Schaffung einer „Sächsischen Oberinnen-Konferenz“ zur Beratung der Gesundheitsverwaltung in Sachen Krankenpflege ein. 1927 und 1929 wird sie als Vorsitzende der Schwesternschaft am Johannstädter Krankenhaus in Dresden genannt, wo sie maßgeblich an der Einrichtung einer Krankenpflegeschule beteiligt war. Dort bildete A. viele Schwesterngenerationen aus, bei denen sie sehr beliebt war. – Im Zuge der Weltwirtschaftskrise wurden 1932 das Krankenhaus und die Schule geschlossen. 1934 erfolgte die Wiedereröffnung als Rudolf-Hess-Krankenhaus, das zum Stammsitz der dem nationalsozialistischen Gedankengut verpflichteten „Braunen Schwestern“ wurde. A. selbst distanzierte sich vom Nationalsozialismus und verließ bereits 1933 ihre Wirkungsstätte und damit Dresden. In den darauf folgenden Jahren ging sie auf Vortrags- und Studienreisen, z.B. nach Schweden und in die USA. 1941 trat sie dem Deutschen Roten Kreuz (DRK) bzw. dessen „Schwesternschaft für Übersee“ in Berlin bei und übernahm z.B. in Berlin, Essen, Wiesbaden, Metz und Straßburg die Vertretung von Rotkreuz-Oberinnen. In Straßburg geriet sie 1945 mit anderen DRK-Schwestern in amerikanische Kriegsgefangenschaft. Nach ihrer Entlassung war sie in der DRK-Schwesternschaft in Radebeul tätig, wo sie nach den Bombenangriffen untergekommen war. Im Mai 1946 übernahm A. den Wiederaufbau und die Leitung der in Berlin zerstörten Werner-Schule, einer Fachhochschule für DRK-Schwestern in Göttingen, und wirkte hier bis zu ihrem Ruhestand 1951. – Die von A. in Dresden begründete Schule diente ab 1947 zunächst im Rahmen der in der SBZ gegründeten Schwesternschaft des FDGB als Fortbildungsstätte für leitende Schwestern und ab 1951 als Medizinische Schwestern-Fachschule.



Q  Berichte mündlicher Art von ehemaligen Schülerinnen; Leben und Lernen im Internat der Schwesternschule Dresden Johannstadt unter Anleitung von Dr. Erna v. A., 1929/30, Video von einem 16 mm Film, Privatbesitz R. Venske, Freiberg.

W  Der Beruf der Krankenpflegerin mit besonderer Berücksichtigung der sächsischen Verhältnisse, Diss. Dresden 1921.

L  H.-P. Wolff (Hg.), Biographisches Lexikon zur Pflegegeschichte, Bd. 1, Berlin/Wiesbaden 1997, S. 1f., Bd. 2, München/Jena 2001, S. 1f.; ders., Studien zur deutschsprachigen Geschichte der Pflege, Frankfurt/M. 2002.

P  Erna v. A., Fotografie, Privatbesitz Ruth Venske (Bildquelle).



Ruth Venske
19.8.2009


Empfohlene Zitierweise:

Ruth Venske, Abendroth, Erna von, in:
Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V., bearb. von Martina Schattkowsky,
Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/ (23.8.2017)

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