Emilie (eigentl. Amalie) Christiane Marie von Jenison-Walworth
Gräfin von Schönburg, Malerin
* 11.1.1806 Cannstadt bei Stuttgart 2.4.1880 Leipzig Dresden, Trinitatisfriedhof(ev.)
VFranz, Graf von Jenison-Walworth (1764-1824), württembergischer Oberst-Kammerherr und Geheimer RatMMary, geb. Beauclerk (1766-1851)GFranz (* † 1788); Mary Caroline (* 1798); Louise Diana (* 1799); Charlotte Rosa (* 1803); Heinrich (* 1807); Carl Friedrich Wilhelm (* 1809)1824 Carl Heinrich Alban (1804-1864), Graf von Schönburg, Mitglied der Ersten Kammer des Sächsischen LandtagsSCarl Heinrich (* † 1826); Carl Heinrich Wolf Wilhelm Franz (1832-1898)TMarie Emilie (1825-1869); Ida (1829-1902); Olga Clara (1831-1868)
GND: 116864524

E. stammte aus einer englischen Adelsfamilie, die seit etwa 1775 ihren Wohnsitz in Heidelberg hatte. Auf einer Kurreise nach Bad Kissingen lernte sie ihren späteren Ehemann, den Grafen Carl Heinrich Alban von Schönburg kennen. Die Vermählung fand am 15.1.1824 in Heidelberg statt. Im August 1824 übersiedelte E. nach Schloss Wechselburg, wo sie in der Abgeschiedenheit der ländlichen Residenz ihre künstlerische Begabung entfaltete. So sind von ihr u.a. Familienporträts und Porzellanmalereien überliefert. Für die Ausbildung ihrer Töchter gelang es E. 1838, den bekannten Dresdner Spätromatiker Johann Hermann Carmieneck als Zeichenlehrer in Wechselburg zu verpflichten. – Einen intensiven Kontakt pflegte E. zu der Reiseschriftstellerin Ida Gräfin von Hahn-Hahn, die ihr zahlreiche Reisebriefe von verschiedenen europäischen Kulturstätten widmete und ihr im 1841 erschienenen Roman „Ulrich“ ein allerdings pseudonymisiertes literarisches Denkmal setzte. Die Freundschaft zerbrach 1850 an der Konversion der Gräfin Hahn-Hahn zum Katholizismus. – Als bekennende Christin widmete sich E. intensiv den sozialen Problemen des beginnenden Industriezeitalters, v.a. der Behebung von Missständen in der Krankenversorgung und der Betreuung von Waisenkindern. Auf Reisen zu bereits bestehenden Krankenpflegeanstalten außerhalb Sachsens sammelte sie Anregungen für eigene soziale Projekte. Nachhaltige Eindrücke hinterließen dabei v.a. das 1833 von Hinrich Wichern in Hamburg gegründete „Rauhe Haus“ und die erste deutsche Diakonissen-Anstalt (1836) von Theodor Fliedner in Kaiserwerth, nach deren Vorbild E. am 13.12.1843 das erste sächsische Diakonissenhaus in Wechselburg eröffnete. Damit verhalf sie Wicherns Gedanken der Inneren Mission als Antwort der Kirche auf eine neue soziale Realität auch in Sachsen zu gesteigerter Beachtung. Das am Wechselburger Markt befindliche Diakonissenhaus bestand jedoch nur sechs Jahre und musste im Zuge der revolutionären Ereignisse 1848/49 aufgegeben werden. E. erlebte dies und die Auflehnung der Untertanen gegen die schönburgische Regierungspraxis als große persönliche Enttäuschung, wenngleich gegen sie selbst in der Bevölkerung kaum Ressentiments bestanden. Dennoch erlahmte nun ihr sozialdiakonischer Eifer. Nicht ohne Verbitterung zog sich E. aus dem öffentlichen Leben zurück und übersiedelte 1849 mit ihrer Familie nach Dresden. Dem dortigen Diakonissenhaus überließ sie das gesamte Inventar und die Gelder ihrer Wechselburger Anstalt.



Q  Sächsisches Staatsarchiv - Staatsarchiv Chemnitz, Herrschaft Wechselburg; I. Gräfin von Hahn-Hahn, Reisebriefe, Berlin 1841.

L  K. G. Eckardt, Genealogie und Familien-Geschichte des Hochfürstlichen und Hochgräflichen Hauses Schönburg, 1853 [MS], S. 416; F. Pecht, Aus meiner Zeit, Bd. 1, München 1894; R. J. Götze, Graf Alban von Schönburg (1804-1864) in Bildnissen seiner Zeit, in: Sächsische Heimatblätter 42/1996, H. 2, S. 110-120 (Bildquelle).

P  Gräfin E. von Schönburg, F. S. Hanfstaengl, um 1850, Lithographie nach einem Gemälde von F. Pecht (1845), Museum und Kunstsammlung Schloss Hinterglauchau.



Michael Wetzel
7.11.2007


Empfohlene Zitierweise:

Michael Wetzel, Emilie (eigentl. Amalie) Christiane Marie von Jenison-Walworth, in:
Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V., bearb. von Martina Schattkowsky,
Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/ (22.12.2014)

Wikipedia Link