Elisabeth von Lobdeburg-Arnshaugk
Markgräfin von Meißen, Landgräfin von Thüringen
* 1286 22.8.1359 Gotha Eisenach, Dominikanerkloster (Grabplatte heute in der Georgenkirche)
VOtto IV. von Lobdeburg-Arnshaugk († 1289) oder Hartmann XI. von Lobdeburg-Arnshaugk († 1289)MElisabeth, geb. Gräfin von Orlamünde (1260-1333)1300 Friedrich I. (der Freidige) (1257-1323), Markgraf von Meißen, Landgraf von ThüringenSFriedrich II. (der Ernsthafte) (1310-1349), Markgraf von Meißen, Landgraf von ThüringenTElisabeth (II.) (1306-1367), Landgräfin von Hessen
GND: 137313179





E. entstammte der Familie der Herren von Lobdeburg, eines aus Schwaben zugewanderten Geschlechts, das seit Mitte des 12. Jahrhunderts in Thüringen nachweisbar ist. Die Besitzschwerpunkte der Linie Arnshaugk lagen im Raum Neustadt/Orla und in Jena. E. war die letzte Angehörige dieser Linie. Die Identität ihres Vaters ist nicht sicher fassbar; die genealogische Forschung geht teilweise von Hartmann XI. von Lobdeburg-Arnshaugk aus, die jüngere Literatur nennt meist Otto IV., Hartmanns Vater; beide starben 1289. – Über E.s Jugend ist nichts bekannt, die spätere Chronistik beschreibt sie als attraktive junge Frau. Nach dem Tod des Lobdeburgers heiratete E.s Mutter den Landgrafen Albrecht II. (der Entartete) von Thüringen. E. ehelichte 1300 in Gotha den Sohn Albrechts, Markgraf Friedrich I. (der Freidige) von Meißen. Der Chronist Johannes Rothe berichtet, Friedrich habe E. entführt, um bei ihrer Mutter um ihre Hand anzuhalten - vielleicht liegt der Kern dieser Schilderung darin, dass es sich nicht um eine von dritter Seite angebahnte Ehe handelte. Die Verbindung brachte dem Wettiner jedenfalls territoriale Vorteile in Thüringen und gilt als eine Art Wiedergeburt der Dynastie nach der Krise unter Friedrichs Vater. Nach der Heirat kam es mit den Verwandten E.s zum Streit um das Arnshaugk’sche Erbe, der von einem von Friedrich eingesetzten Schiedsrichter entschieden wurde. E. war mehrfach an Rechtsverleihungen für die Jenaer Stadt- und Klosterkirche St. Michael beteiligt; die Stadt selbst fiel in ihrer Zeit insgesamt an die Wettiner. Mittelpunkt der zahlreichen kriegerischen Aktivitäten Friedrichs blieb die Landgrafschaft Thüringen, wo etwa ab 1306 die Wartburg als Wohn- und Rückzugsort diente. 1321 besuchten Friedrich und E. in Eisenach eine Aufführung des Mysterienspiels von den Zehn Jungfrauen; in dessen Folge erlitt Friedrich - vermutlich ausgelöst durch eine Art religiös-seelischer Übererregung - einen Schlaganfall und fiel in dauerhafte Lähmung. Seitdem führte E. die Regierung; schon im Dezember 1321 erscheint sie als Vertragspartnerin des Erzbischofs von Magdeburg. Nach dem Tod ihres Gatten im November 1323 vertrat sie ihren Sohn, den minderjährigen Friedrich II. Als Regentin wurde sie von den Vormündern Heinrich VII. von Schwarzburg-Blankenburg und ab 1324 Heinrich II. Reuß von Plauen unterstützt. Später beschwerte sich Friedrich II. beim Kaiser über die Nachteile, die ihm die Vormundschaft des Reußen zugefügt hatte. Zu den seltenen erkennbaren Aktivitäten E.s in der Mark Meißen gehört die Verleihung des Kirchenpatronats in Mittweida an die Meißner Domkirche im August 1323. Um 1323/24 bemühte sie sich um eine Ehe für Friedrich II., für den zunächst Jutta, die Tochter des böhmischen Königs Johann von Luxemburg, vorgesehen war. Man hat diese jedoch kühl kalkulierend zu ihrem Vater zurückgeschickt, nachdem sich die Chance auf eine Verbindung mit Mechthild, der Tochter König Ludwigs IV. (der Bayer), eröffnet hatte. Die Verbindung war für Ludwig deshalb von Interesse, weil er dabei war, nach der Schlacht von Mühlberg 1322 seine Macht im Reich zu konsolidieren. Die Hochzeit fand vermutlich 1328 statt und brachte dem Wettiner mit dem Pleißenland einschließlich der Reichsstädte Chemnitz und Zwickau sowie Altenburg einen bedeutenden Territorialgewinn, auch wenn dieser noch nicht endgültig gesichert war. – Die Zeit ihrer politisch aktiven Witwenschaft verbrachte E. in Gotha, das zu ihrem Witwengut gehörte bzw. dem dortigen (seit 1316 sog.) Grimmenstein. 1327 wehrte sie zusammen mit Friedrich von Wangenheim und den Gothaer Bürgern einen Kriegszug der Herren von Treffurt in das Gothaer Land ab. Der Hintergrund dieses fehdeartigen Überfalls ist unklar, ein Teil der Anführer wurde hingerichtet; eine Mutter, die in Gotha um Gnade für ihre drei beteiligten Söhne bat, soll von E. abgewiesen worden sein. – Mit der Volljährigkeit Friedrichs II. kam es zum Konflikt zwischen Mutter und Sohn um E.s Witwenausstattung, bei dem es Friedrich offenbar um seine territoriale Position ging. Die Beilegung des Streits wurde von dem 1333 persönlich in Thüringen anwesenden Kaiser Ludwig bekräftigt, im Ergebnis behielt E. Gotha, Jena und Tenneberg, während Weißenfels Friedrich zugesprochen wurde. Bereits 1332 hatte E. der Stadt Jena ein Privileg erteilt, mit dem sie dieser das in Gotha geltende Recht übertrug. Als Gegenleistung war künftig eine Jahresrente von 100 Mark Silber an die „ehemalige Landgräfin“ zu zahlen. Das Zerwürfnis zwischen Mutter und Sohn hatte keine ferneren Nachwirkungen, denn für 1336 betonen die Quellen mehrfach E.s Vermittlung zwischen ihrem Sohn, der Erfurter Bürgerschaft und dem Erzbischof von Trier. – 1344 verlegte E. das Kanonikerstift Ohrdruf nach Gotha, was seitens der Stadt auf Bedenken stieß, weil der Rat diverse Nachteile für kommunale Belange fürchtete. Man bestand auf einer Reihe von Bedingungen für die Ansiedelung der Chorherren, die sich etwa auf die Grundsteuern oder auf bauliche Gesichtspunkte der Stadtverteidigung bezogen. – Am hessischen Hof in Kassel kam es seit etwa 1334 zum Ehestreit um E.s Tochter, die mit dem dortigen Landgrafen Heinrich II. (der Eiserne) verheiratet war. Die dort erhobenen Anschuldigungen veranlassten E. und ihren Sohn Friedrich II., die Flucht der Elisabeth nach Gotha zu organisieren. Dort lebte sie vermutlich bis zum Tod ihrer Mutter an deren Witwenhof, die Ehegemeinschaft mit dem Hessen wurde trotz Intervention des Kaisers nicht wiederhergestellt. Über E.s Haltung zu den Judenpogromen in den thüringischen Städten der Jahre 1349/50 ist nichts Näheres bekannt; jedoch soll Friedrich II. den Übergriffen Vorschub geleistet haben. Nach dessen Tod im November 1349 fungierte E. als Beraterin ihrer Enkel, nachdem die Nachfolgeregelung ihr ausdrücklich die Rolle einer Eidesempfängerin zugewiesen hatte. In der brisanten Frage der Herrschaftsaufteilung zwischen Friedrich III. (der Strenge), Balthasar und Wilhelm I. (der Einäugige) wirkte E. - möglicherweise entscheidend - an dem wechselseitigen Verzicht auf eine Teilung des Landes mit. Auch an der Übertragung der Landesverwaltung an den Marschall Thimo VII. von Colditz 1350 war sie beteiligt. Ihre Stadt Jena musste E. indes an Friedrich III. abtreten, wobei die Kommune zur Weiterzahlung der Abgaben an die Landgräfin verpflichtet blieb. – Nach dem Tod ihres Manns war E. keine neue Ehe mehr eingegangen, sodass sie 35 Jahre als Witwe verlebte. Sie gehörte zu den wenigen Fürstinnen, denen mehrmals die Rolle einer Regentin zufiel und füllte so in der Herrschaft von drei Generationen wettinischer Land- und Markgrafen eine maßgebliche Rolle aus. Erkennbar verfügte sie über einen ausgeprägten politischen Verstand und über Härte in der Verfolgung ihrer und ihrer Familie Interessen. Aus den Quellen spricht aber auch die Fähigkeit zur Vermittlung und Schlichtung in den über weite Strecken erbarmungslos ausgetragenen Kämpfen ihrer Zeit. Zu E.s religiösem Selbstverständnis gehörte eine - offenbar eher zurückhaltende - Förderung kirchlicher Institutionen. E. starb in Gotha, wurde aber bei den Dominikanern in Eisenach beigesetzt, wo ihre Tochter das Totengedächtnis pflegte. Ihr Grabstein, der sich nach mehreren Ortswechseln über die Jahrhunderte seit 1952 in der dortigen Georgenkirche befindet, dürfte kurz nach ihrem Tod entstanden sein.



Q  J. Rothe, Düringische Chronik, hrsg. von R. v. Liliencron, Jena 1859 (ND Bad Langensalza 2007); Urkundenbuch der Vögte von Weida, Gera und Plauen, sowie ihrer Hausklöster Mildenfurth, Cronschwitz, Weida und z. h. Kreuz bei Saalburg, hrsg. von B. Schmidt, Bd.1, Jena 1884; Urkundenbuch der Stadt Jena und ihrer geistlichen Anstalten, Bd. 1, hrsg. von J. E. A. Martin, Jena 1888, Bd. 3, bearb. von E. Devrient, Jena 1936; Urkundenbuch der Stadt Erfurt, bearb. von C. Beyer, 2 Teile, Halle 1889-1897; Monumenta Erphesfurtensia saec. XII. XIII. XIV., hrsg. von O. Holder-Egger (MGH SS rer. Germ. 42), Hannover 1899; Regesten der Urkunden des Sächsischen Hauptstaatsarchivs Dresden 1351-1365, bearb. von E. Leisering, Halle/Saale 2003; J. Rothe, Thüringische Landeschronik und Eisenacher Chronik, hrsg. von S. Weigelt, Berlin 2007.

L  O. Posse, Die Wettiner, Leipzig/Berlin 1897 (ND Leipzig 1994); K. Wenck, Elisabeth von Thüringen (1306-1367), in: Zeitschrift für Hessische Geschichte und Landeskunde 35, NF 25/1901, S. 163-191; H. Großkopf, Die Herren von Lobdeburg bei Jena, Neustadt/Orla 1929; A. Berg, Beiträge zur Genealogie der Herren von Lobdeburg, in: Der Deutsche Herold 63/1932, S. 23f., 33-35, 43-45, 56f.; R. Kötzschke/H. Kretzschmar, Sächsische Geschichte, Dresden 1935 (ND Frankfurt/Main 1965, Augsburg 1995); H. Helbig, Der wettinische Ständestaat, Münster 1955, Köln/Wien ²1980; B. Streich, Zwischen Reiseherrschaft und Residenzbildung, Köln/Wien 1989; H. Schwarz, Die Wettiner des Mittelalters, Leipzig 1994; B. Streich, Lebensbedingungen thüringischer Fürstinnen im späten Mittelalter, in: Zeitschrift des Vereins für Thüringische Geschichte 54/2000, S. 45-73; M. Magirius, Figürliche Grabmäler in Sachsen und Thüringen von 1080 bis um 1400, Esens 2002, S. 259-262; J. Rogge, Herrschaftsweitergabe, Konfliktregelung und Familienorganisation im fürstlichen Hochadel, Stuttgart 2002; E. Leisering, Die Wettiner und ihre Herrschaftsgebiete 1349-1382, Halle/Saale 2006.

P  Siegel, ursprünglich an einer später verschollenen Urkunde von 1331, Sächsisches Staatsarchiv - Hauptstaatsarchiv Dresden, 12880 Siegel, Nr. 6522 (Bildquelle).



Wolfgang Spies
7.2.2012


Empfohlene Zitierweise:

Wolfgang Spies, Elisabeth von Lobdeburg-Arnshaugk, in:
Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V., bearb. von Martina Schattkowsky,
Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/ (24.10.2017)

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