Benseler Gustav Eduard
MdL, Politiker, Philologe, Historiker, Pädagoge
* 28.2.1806 Freiberg 1.2.1868 Leipzig Leipzig(ev.)
VJohann Lorenz, Schriftsetzer († 1808)GAmalie, verh. Bernhardt (1804-1889)1845 Auguste Amalie, geb. Oppel
GND: 100838545

B. wirkte als Politiker in der Revolutionszeit 1848/49 und v.a. als Schriftsteller und Philologe nach der Entlassung aus einem Arbeitshaus 1855. – Nach dem Besuch des Freiberger Gymnasiums studierte B. in Leipzig 1825 bis 1830 Geschichte und Philologie und wurde von der dortigen Universität am 17.2.1831 zum Dr. phil. promoviert. Nach einer Tätigkeit als Hilfslehrer wurde er 1835 Quartus (vierter Lehrer) am Freiberger Gymnasium. Am 13.12.1848 wurde B., der nach Robert Blums Tod eine Gedenkrede in der Freiberger Petrikirche gehalten hatte, in die Zweite Kammer des Sächsischen Landtags gewählt. Dort vertrat er v.a. die Interessen der Bergarbeiter, deren soziale Situation er verbessern wollte. Zu dieser Zeit war der hervorragende Redner B. Vorsitzender des Freiberger Vaterlandsvereins und übte neben Otto Heubner maßgeblichen Einfluss auf die politische Meinungsbildung der Bevölkerung Freibergs aus. Der Auflösung des Sächsischen Landtags am 30.4.1849 folgte der Dresdner Maiaufstand. Heubner und B. trafen am 4.5.1849 in der sächsischen Hauptstadt ein. Während Heubner sich an der Errichtung von Barrikaden beteiligte, lehnte B. jegliche Gewalt ab und kehrte nach Freiberg zurück. Dort ging er seiner Tätigkeit als Lehrer nach. Nach der Niederwerfung des Aufstands wurde er vor seiner geplanten Flucht nach Amerika verhaftet und zwei Jahre später zu 15 Jahren Zuchthaus verurteilt. Auf ein wiederholtes Bittgesuch seiner Frau wurde die Strafe in sechs Jahre Arbeitshaus in Zwickau umgewandelt. – Bereits 1855 aufgrund eines erneuten Gesuchs seiner Frau entlassen, zog B. nach Leipzig. Dort widmete er sich intensiv der schriftstellerischen und lexikografischen Tätigkeit. Er verfasste v.a. Jugendschriften, philologische Studien und Wörterbücher, darunter auch mehrere erfolgreiche griechisch-deutsche und lateinisch-deutsche Schulwörterbücher. Zuvor hatte er in Freiberg vorrangig lokalhistorische Schriften geschrieben. Bleibenden Wert hat das zweiteilige Werk „Geschichte Freibergs und seines Bergbaues“ (1846/53), das als Fortsetzung der „Freibergischen Chronik“ von Andreas Möller gedacht war und bei Engelhardt in Freiberg erschien. Bereits 1853 hatte B. einen Führer zu den Sehenswürdigkeiten der alten sächsischen Bergstadt geschrieben.



Q  Sächsisches Staatsarchiv - Hauptstaatsarchiv Dresden, Kartei der politisch Verfolgten 1830-1867.

W  Versuch einer Geschichte der Petrikirche in Freiberg, Freiberg 1834; Geschichte Freibergs und seines Bergbaues, 2 Bde., Freiberg 1846/53; Kleines Rundgemälde von Freiberg, Freiberg 1853 (ND 1862); Griechisch-deutsches Schulwörterbuch, Leipzig 1859; (Bearb.), W. Pape’s Wörterbuch der griechischen Eigennamen, 2 Bde., Braunschweig 31863/70.

L  H. Gerlach, Frau Amalie Bernhardt geb. Benseler, in: Mitteilungen des Freiberger Altertumsvereins 26/1889, S. 98-100; W. Lauterbach, Otto Leonhard Heubner, in: ebd. NF 82/1999, S. 5-52; ders., Gustav Eduard B., in: ebd. NF 90/2002, S. 47-49. – ADB 2, S. 341; DBA I, III; DBE 1, S. 428.



Konstantin Hermann
23.4.2013


Empfohlene Zitierweise:

Konstantin Hermann, Benseler, Gustav Eduard, in:
Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V., bearb. von Martina Schattkowsky,
Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/ (30.3.2017)

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