Veckenstedt Albert Edmund (Pseudonym: Heinrich Veltheim)
Lehrer, Ethnologe
* 7.1.1840 Vehlitz bei Magdeburg 1903 Halle/Saale

GND: 117358142


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V. besuchte 1852 bis 1861 das Kloster- und Domgymnasium in Magdeburg und studierte 1861 bis 1865 an den Universitäten Halle/Saale und Berlin klassische Philologie, Romanistik und Germanistik. 1867 promovierte er an der Philosophischen Fakultät der Universität Halle/Saale, wo er 1869 auch seine Lehrbefähigung für höhere Schulen in den Fächern Griechisch, Latein, Französisch und Deutsch erwarb. Im gleichen Jahr wurde V. als wissenschaftlicher Hilfslehrer am Friedrich-Wilhelm-Gymnasium in Cottbus angestellt, wo er sofort zum Oberlehrer befördert wurde und bis 1879 unterrichtete. In diese Zeit fällt eine längere Studienreise nach Frankreich. 1879 bis 1882 war V. als Professor für alte Sprachen und Literatur am Nicolai-Gymnasium zu Libau/Kurland (lett. Liepāja) tätig. 1883 trat er jedoch aus dem Schuldienst aus und ging nach Leipzig, um sich der volkskundlich-ethnologischen Publikationstätigkeit zu widmen. Von 1884 an war er Chefredakteur des Journals „Sphinx“, die spätere illustrierte Wochenschrift „Von Nah und Fern“. 1889 begründete er in Leipzig die „Zeitschrift für Volkskunde“, die sich durch ein europäisches Profil auszeichnete und einen großen internationalen Mitarbeiterstab hatte. Probleme mit dem nationalistischen Umfeld veranlassten V. jedoch, sie 1892 bereits nach vier Jahrgängen wieder einzustellen. Den letzten Band beschloss er mit einem mutigen Credo für eine unabhängige wissenschaftliche Forschung. – Bereits 1890 war er nach Halle/Saale übergesiedelt. Seinen 1889 an der dortigen Universität gestellten Antrag auf Zulassung zur Habilitation an der Philosophischen Fakultät hatte man abgelehnt, wohl weniger aus wissenschaftlichen als vielmehr aus politischen Gründen. V. hatte eine Universitätsprofessur für Traditionalismus angestrebt und wollte damit völker- und staatsübergreifende komparative Untersuchungen initiieren. Über seinen weiteren Lebensweg ist lediglich bekannt, dass er zwischen 1898 und 1902 in Marburg/Lahn ansässig war und danach wieder nach Halle/Saale ging. – V. war Mitglied des Berliner Vereins für Volkskunde und der Berliner Anthropologischen Gesellschaft (bis 1880). Er veröffentlichte zahlreiche Beiträge in deren Publikationsorganen sowie in anderen altertumswissenschaftlichen, volkskundlichen und philologischen Zeitschriften. In einer „Geschichte der griechischen Farbenlehre“ legte er eine sprach- und völkerübergreifende Untersuchung zu den Farbenbezeichnungen vor, die über den altphilologischen Kontext weit hinausging. Seine umfangreichen Arbeiten im ethnologisch-volkskundlichen Bereich befassten sich vornehmlich mit Sagen, Märchen, Schwänken und anderen Zeugnissen der Folklore, die er schon als Jugendlicher in seiner Magdeburger Heimat und später gezielt in seinen Arbeitsorten/-gebieten zusammengetragen hatte. Speziell befasste er sich mit wendischem (sorbischem) und baltischem Material. Engagiert verteidigte V. die Identität und die nationalkulturellen Rechte der Sorben, Litauer und Letten. In seinen kritisch angelegten Untersuchungen zur Mythologie distanzierte er sich von den einschlägigen Arbeiten Elard Hugo Meyers und Eugen Mogks, die seiner Ansicht nach „an Kritiklosigkeit ihres Gleichen selbst in der Zeit vor Wilhelm Grimm und Karl Lachmann vergeblich suchen“. Bedeutenden Einfluss auf das wissenschaftliche Denken und Wirken V.s hatte Rudolf Virchow, dem er seine „Wendischen Sagen, Märchen und Gebräuche“ widmete.



W  Regia potestas quae fuerit apud Homerum, Diss. Halle 1867; Der Apollo von Belvedere, Cottbus 1870; Die Naturnachahmung in der Kunst, Cottbus 1871; Die wendischen Volkssagen der Niederlausitz, in: Verhandlungen der Berliner Gesellschaft für Anthropologie, Ethnologie und Urgeschichte 1877, S. 93-111; Der Wendenkönig und die Boža-łosć, in: ebd. 1878, S. 162-182; Wendische Sagen, Märchen und abergläubische Gebräuche, Graz 1880; Die Geschichte der Gil-Blas-Frage, Berlin 1880; Ganymedes, Libau 1882; Die Mythen, Sagen und Legenden der Žamaiten (Litauer), 2 Bde., Heidelberg 1883; Fünfundzwanzig Jahre zur See. Tagebuch des Capitän (Waterschout) J. F. Inge zu Libau, Leipzig 1885; Pumphut, ein Kulturdämon der Deutschen, Wenden, Litauer und Žamaiten, Leipzig 1885; Sztukoris, der Till Eulenspiegel der Litauer und Žamaiten, und Schut Fomka, sein russisches Ebenbild, Leipzig 1885; Geschichte der griechischen Farbenlehre, Paderborn 1888 (ND Hildesheim 1973); (Hg.), Zeitschrift für Volkskunde, Bd. 1-4, Leipzig 1888-1892; La musique et la danse dans les traditions des Lithuaniens, des Allemands et des Grecs, Paris 1889; Das Paradies und die Bäume des Paradieses, sowie ihre angeblichen Ebenbilder bei den Chaldäern, Persern, Indern, Griechen, Nordgermanen und Norddeutschen nach Religion, Mythologie, Meteorologie, Naturwissenschaft und Volksanschauung, Halle 1896; Der Met nach Wesen und geschichtlicher Bedeutung, sowie eine größere Anzahl von Metrezepten von Aristoteles bis auf unsere Tage, Leipzig 1897.

L  Schulnachrichten - Chronik des Gymnasium, in: Programm des Friedrich-Wilhelm-Gymnasiums zu Cottbus, Schuljahr 1869/70, Cottbus 1870, S. 28ff.; F. Mětšk, Litauer, Letten und Sorben im volkskundlichen Werk Edmund V.s, in: Zeitschrift für Slawistik 23/1978, S. 722-733; H. Zwahr, Meine Landsleute, Bautzen 1984, S. 268. – E. Eichler (Hg.), Slawistik in Deutschland, Bautzen 1993, S. 418f.; J. Kürschner, Deutscher Litteratur-Kalender 10/1888, S. 418f., 15/1893, Sp. 1215, 20/1898, Sp. 1370f., 24/1902, Sp. 1476; Jüdisches Biographisches Archiv, Bd. 3, München 1998, S. 1031.



Brigitte Emmrich †
1.3.2006


Empfohlene Zitierweise:

Brigitte Emmrich †, Veckenstedt, Albert Edmund (Pseudonym: Heinrich Veltheim), in:
Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V., bearb. von Martina Schattkowsky,
Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/ (27.6.2017)

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