Sierck Detlef (Detlev) Hans (Pseudonym in den USA: Douglas Sirk)
Regisseur
* 26.4.1897 Hamburg 14.1.1987 Lugano (Schweiz)
VDetlef Christian Ferdinand (1859-1941), LehrerMMaria Anna Christine (Annemarie), geb. Kühl (1874-1956)GGretchen Mathilde Sophie (* 1899); Werner Ernst Eduard (1910-1948) 1.Lydia, geb. Brincken († 1947)SKlaus Detlef (1925-1944), Schauspieler 2.1929 Hilde, geb. Jary, Schauspielerin
GND: 11883181X


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S. begann seine Theaterlaufbahn 1921 als Hilfsdramaturg am Deutschen Schauspielhaus in Hamburg. Nach einem Intermezzo als Leiter des Kleinen Theaters in Chemnitz war er 1923 bis 1929 als Oberspielleiter des Bremer Schauspielhauses tätig. Dort begründeten u.a. die Inszenierungen von Georg Kaisers „Kolportage” und Bertolt Brechts „Dreigroschenoper” S.s Reputation als linksliberaler, der modernen Dramatik aufgeschlossener Regisseur. Im Herbst 1929 übernahm er die Intendanz des Alten Theaters in Leipzig und blieb mit der Uraufführung von Bertolt Brechts „Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny“ seinen bereits in Bremen hervorgetretenen Überzeugungen treu. Den Höhepunkt seiner Leipziger Tätigkeit bildete zweifellos die Uraufführung von Georg Kaisers „Silbersee” mit der Musik von Kurt Weill im Februar 1933. Die Premiere in der Zeit zwischen „Machtergreifung“ der Nationalsozialisten und Reichstagsbrand wurde durch SA-Trupps gestört; die im „Völkischen Beobachter” erschienene Kritik las sich als offene Drohung an den Regisseur. Nur durch die Fürsprache des damaligen Leipziger Oberbürgermeisters Carl Friedrich Goerdeler konnte sich S. als Intendant behaupten. – Als im September 1935 das „Gesetz zum Schutz des deutschen Blutes und der deutschen Ehre“ in Kraft trat, ließ sich S., der in zweiter Ehe mit der Jüdin Hilde Jary verheiratet war, beurlauben. Er widmete sich daraufhin ganz seiner Filmarbeit. 1934 hatte er trotz seiner offen kritischen Haltung gegenüber dem Nationalsozialismus einen Vertrag mit der Ufa abschließen können. Bereits 1936 machte er mit „Schlussakkord“ zum ersten Mal im Filmbereich auf sich aufmerksam. Im folgenden Jahr schlossen sich mit „Zu neuen Ufern“ und „La Habanera“ zwei Leinwanderfolge an, die Zarah Leander über Nacht zum Star machten. Doch schon kurz darauf verließ S. Deutschland und emigierte nach einem längeren Aufenthalt in den Niederlanden 1940 in die USA. Dort versuchte er, unter dem Namen Douglas Sirk in Hollywood Fuß zu fassen. Indes gelang ihm erst zu Beginn der 1950er-Jahre der Durchbruch mit Filmen wie „Magnificent Obsession” und „All That Heaven Allows”. In der Folgezeit drehte S., der nun als Meister des Hollywood-Melodrams galt, eine Reihe von Filmen, hinter deren klischeehaften Handlungen stets Sozialkritik aufschien. – 1958 löste S. seinen Vertrag mit Universal Pictures und verließ Hollywood. 1963 bis 1967 kehrte er mit Inszenierungen am Residenztheater München und dem Hamburger Thaliatheater als Bühnenregisseur nach Deutschland zurück. Allerdings nahmen seine gesundheitlichen Probleme zu, sodass er sich von der Theaterarbeit zurückziehen musste. – In den 1970er-Jahren wurden S.s Filme, nachdem sie lange als Kitsch verkannt wurden, wiederentdeckt. V.a. Rainer Werner Fassbinder, den eine tiefe Freundschaft mit S. verband, ließ sich von dessen Filmen inspirieren: Sein „Angst essen Seele auf” griff Motive aus „All That Heaven Allows” auf. – S.s Theaterarbeit steht bis heute im Schatten seiner Filme.



W  Filme: Schlussakkord, Deutschland, Ufa 1936; Zu neuen Ufern, Deutschland, Ufa 1937; La Habanera, Deutschland, Ufa 1937; Magnificent Obsession (Die wunderbare Macht), USA, Universal Pictures 1954; All That Heaven Allows (Was der Himmel erlaubt), USA, Universal Pictures 1955; Written on the Wind (In den Wind geschrieben), USA, Universal Pictures 1957; Tarnished Angels (Duell in den Wolken), USA, Universal Pictures 1958; Imitation of Life (Solange es Menschen gibt), USA, Universal Pictures 1959.

L  Der Silbersee. Uraufführung in Leipzig, in: D. Drew (Hg.), Über Kurt Weill, Frankfurt/Main 1975, S. 107-111; P. Rüedi, Imitation of Life. Die langen Abschiede des Douglas Sirk, in: Theater heute 6/1983, S. 1-4 (Bildquelle); „Wer weiter muß, den trägt der Silbersee“. Douglas Sirk im Gespräch mit P. Rüedi, in: ebd. 6/1983, S. 5-7; R. W. Fassbinder, Imitation of Life. Über die Filme von Douglas Sirk, in: ders., Filme befreien den Kopf, Frankfurt/Main 1984, S. 11-24; H.-M. Bock/M. Töteberg (Hg.), Douglas Sirk: Imitation of Life. Ein Gespräch mit John Halliday, Frankfurt/Main 1997. – DBA II, III; DBE 9, S. 343; W. Kosch, Deutsches Theater-Lexikon, Bd. 3, Bern 1996, S. 2199; J. Petley, Detlef S., in: H.-M. Bock (Hg.), Cinegraph, Lexikon zum deutschsprachigen Film, o.O., o.J.



Corinna Kirschstein
16.12.2005


Empfohlene Zitierweise:

Corinna Kirschstein, Sierck, Detlef (Detlev) Hans (Pseudonym in den USA: Douglas Sirk), in:
Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V., bearb. von Martina Schattkowsky,
Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/ (21.10.2017)

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