Steinbach David (Mirus)
Pfarrer, Superintendent, Hofprediger
* 1563 Wurzen 1605 Büdingen (ev.)

GND: 115639950

S. studierte an der Universität Leipzig Philosophie und Theologie und begann 1580 seine berufliche Laufbahn als Diakon in Eckartsberga. Bis 1588 bekleidete der aus dem Leipziger Philippismus kommende S. eine Reihe von Kirchenämtern in der näheren Umgebung um Eckartsberga. Nach dem Amtsantritt des Kurfürsten Christian I. wurde er 1589 durch den calvinistischen Kanzler Nikolaus Krell als Hofprediger nach Dresden berufen. Krell leugnete dies später 1592 während seines Gerichtsverfahrens und behauptete, dass S. auf ausdrücklichem Wunsch Christians I. nach Dresden gekommen wäre, wobei S. und andere Calvinisten ihn „schändlich verführet und betrogen hätten“. Während seiner Dresdner Zeit arbeitete S. zusammen mit den Calvinisten Johann Salmuth, Caspar M. Rüdel (Riedel) und Urban Pierius an einer auf Luthers Übersetzung beruhenden kommentierten Bibelneufassung. Die Arbeit an dieser sog. Krell-Bibel ist nach dem Tod Christans I. 1591 eingestellt worden. Bis auf wenige Exemplare wurden alle bereits gedruckten Teilstücke des Werkes vernichtet. Darüber hinaus bekämpfte S. Rituale der lutherischen und katholischen Kirche wie beispielsweise die Zeremonie des Exorzismus, die in dieser Zeit heftige Kontroversen auslöste. – Am 8.5.1592 wurden S. und Salmuth verhaftet, nach Stolpen gebracht und auf der dortigen Burg festgesetzt. Bei einem Fluchtversuch am 7. oder 8.7.1592 wurde S. schwer verletzt. Am darauffolgenden Sonntag wurde ein von ihm verfasster Revers in der Schlosskirche in Dresden verlesen. Darin nahm S. eine distanzierte Haltung zum Calvinismus ein und gelobte „solche Irrige in der Augspurgischen Confeßion Verworfene und verdampte Lehre mit Hertzen vnnd Munde“ zu meiden. S. wurde wie viele andere Calvinisten 1592 aus der Haft entlassen. Anschließend finden sich nur wenige Belege für seine weitere Laufbahn. Ab 1601 übte er in Büdingen wieder ein Pfarramt aus.



Q  C. Gundermann, Wideruff zweyer Caluinischer Sächsischer Prediger, nemlich D. Christophori Gundermans und Dauid S., Christlingen 1592; N. Blum, Leichpredigt vber den Custodierten D. Nicolavm Krell, Lamberg 1602, S. 148-151; C. Schöttgen, Historie der Chur-Sächsischen Stiffts-Stadt Wurtzen, Leipzig 1717, S. 389-395.

W  Revokation, in: C. Schöttgen, Historie der Chur-Sächsischen Stiffts-Stadt Wurtzen, Leipzig 1717, S. 393-395.

L  T. Klein, Der Kampf um die zweite Reformation in Kursachsen 1586-1591, Köln 1962, S. 117f., 168f.; E. Koch, Ausbau, Gefährdung und Festigung der lutherischen Landeskirche von 1553-1601, in: H. Junghans, Das Jahrhundert der Reformation in Sachsen, Berlin 1989, S. 195-223; S. Hoyer, Die sächsischen Stände unter Christian I., in: Dresdner Hefte 29/1992, S. 22-32; T. Klein, Politische oder kirchlich-religiöse Reform? Die Regierung Christians I. 1586-1591, in: ebd., S. 5-14; S. Hoyer, Stände und calvinistische Landespolitik unter Christian I. (1587-1591), in: M. Schaab (Hg.), Territorialstaat und Calvinismus, Stuttgart 1993, S. 137-148; W. Sommer, Die lutherischen Hofprediger in Dresden, Stuttgart 2006, S. 102. – ADB 35, S. 686f.; DBA I.



Andreas Born
10.2.2012


Empfohlene Zitierweise:

Andreas Born, Steinbach, David (Mirus), in:
Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V., bearb. von Martina Schattkowsky,
Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/ (24.3.2017)

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