Vitzthum von Eckstädt Christoph Johann Friedrich Graf
Minister des Innern und für auswärtige Angelegenheiten
* 14.10.1863 Dresden 30.12.1944 Tiefhartmannsdorf/Schlesien (poln. Podgórki) Friedhof Tiefhartmannsdorf/Schlesien, Familiengrabstätte
VOtto II. Heinrich (1829-1917)MAmalie Therese Antonie, geb. von Miltitz (1824-1876)1891 Victoria Auguste Therese Anna Elisabeth, geb. Gräfin von Harrach (1870-1961), Tochter des Professors und Malers Ferdinand Graf von HarrachSHans-Karl (* † 1896); Burghard Otto Alfred (1900-1980), stellvertretender Generaldirektor; Wolfgang Wilhelm Ferdinand (1902-1941, gefallen), Landwirt, Güterdirektor, OberleutnantTEva Anna Isabella Amélie Helene (1895-1975); Christa Elisabeth Margarethe Therese (1897-1988); Leonore (Lorena) Renata (1905-1999); Elisabeth (1907-1972), Psychotherapeutin; Helene Josephine Maria Gisela Viktoria (1912-2006)
GND: 139331026

V. wirkte nach einer Laufbahn in der königlich sächsischen Verwaltung neun Jahre als Innen- und Außenminister. – Nach Absolvierung des Vitzthum’schen Gymnasiums in Dresden trat V. am 1.10.1882 als Einjährig-Freiwilliger ins Gardereiterregiment ein und avancierte später zum Leutnant (24.7.1887), Oberleutnant (24.8.1894) und schließlich zum Rittmeister der Reserve (22.5.1901). Nach dem Militärdienst studierte er Rechts- und Staatswissenschaften an den Universitäten in Leipzig, Lausanne (Schweiz) und Berlin. In Leipzig war V. Mitglied der Studentenverbindung der „Canitzer“. 1887 legte er sein Referendarexamen ab und arbeitete in Dresden am Amtsgericht, bei einem Rechtsanwalt und am Landgericht. Zum 1.10.1890 berief man ihn als Legationssekretär ins Königlich Sächsische Ministerium für auswärtige Angelegenheiten. Ein Jahr später wirkte er in der sächsischen Gesandtschaft in Berlin, doch bereits 1894 war er wieder im Ministerium für auswärtige Angelegenheiten in Dresden tätig. Im selben Jahr reichte er auch seine Abschlussarbeit „Kritische Darlegung der Verhältnisse des Königreiches Sachsen zum Deutschen Bunde und zum Deutschen Kaiserreich unter gleichzeitiger Bezeichnung derjenigen Gesetzgebungsgebiete, welche der Zuständigkeit des gen. Königreiches verblieben sind“ zum Zweiten Staatsexamen ein. 1896 ernannte man V. zum Bezirksassessor bei der Amtshauptmannschaft Dresden-Altstadt, ein Jahr darauf bereits zum Regierungsassessor. Weitere Wirkungsfelder erschlossen sich 1900 als Regierungsrat bei der Kreishauptmannschaft Chemnitz und 1901 als Amtshauptmann von Annaberg. Als Nachfolger des Grafen Wilhelm von Hohenthal und Bergen wurde V. 1906 zum außerordentlichen Gesandten und bevollmächtigten Minister in Berlin und am 1.7.1909 zum Minister des Innern und für auswärtige Angelegenheiten ernannt. Des Weiteren hatte er in den Folgejahren zeitweise den Vorsitz im Gesamtministerium inne. Bei der Übernahme seiner Ministerämter in Sachsen war V. mit 46 Jahren relativ jung und galt als noch unbeschriebenes Blatt. Er war als königstreu und standesbewusst bekannt und stand politisch eher den konservativen Ideen nahe. Auf seine konservative Haltung verweist u.a. ein lobender Vortrag über die sächsische Mittelstandsbewegung, den V. am 13.10.1910 auf dem vierten Treffen der Mittelstandsvereinigung im Königreich Sachsen - eine von Theodor Fritsch gegründete konservative Interessenvertretung von Handwerkern und mittelständischen Unternehmern - im Dresdner Restaurant „Drei Raben“ hielt. Ebenso sprach er sich in einer am 20.11.1912 in der Zweiten Kammer des Sächsischen Landtags gehaltenen Rede gegen den Klassenkampf aus. Damit geriet er in scharfen Gegensatz zur politischen Linken, die u.a. monierte, dass V. das Streikrecht mit der Friedenspflicht aller Staatsbürger als unvereinbar bezeichnete. – V. konnte in seiner neunjährigen Amtszeit als Minister kaum große Akzente setzen, er versuchte aber, die auswärtigen Hoheitsrechte des Königreichs Sachsen zu bewahren. 1913 legte er den Grundstein zur Deutschen Bücherei in Leipzig, der heutigen Deutschen Nationalbibliothek. Während des Ersten Weltkriegs arbeitete V. einen Entwurf für das allgemeine Wahlrecht in Sachsen aus, konnte diesen aber nicht mehr umsetzen, sondern trat am 26.10.1918 infolge einer Verwaltungsreform von seinem Amt als Minister zurück. Nachdem König Friedrich August III. wenige Wochen später abgedankt hatte, zog sich die Familie nach Tiefhartmannsdorf/Schlesien (poln. Podgórki) zurück, wo sein Schwiegervater Ferdinand Graf von Harrach 1874 das Schloss erworben hatte. In dem 1915 in V.s Besitz übergegangenen Schloss verbrachte der ehemalige Minister seine weiteren Lebensjahre und erlag 81-jährig einem Nierenleiden. – Im Lauf seines Lebens konnte V. die Titel Wirklicher Geheimer Rat und Exzellenz erwerben. Außerdem war er Ehrenmitglied der Dresdner Liedertafel, Vorsitzender im Ehrenausschuss des Dresdner Männergesangsvereins, Ehrenpräsident eines Fechtklubs und zahlreicher anderer Vereine und Organisationen.



Q  Sächsisches Staatsarchiv - Hauptstaatsarchiv Dresden, NS-Gauverlag Sachsen GmbH, Zeitungstextarchiv.

W  Kritische Darlegung der Verhältnisse des Königreiches Sachsen zum Deutschen Bunde und zum Deutschen Kaiserreich unter gleichzeitiger Bezeichnung derjenigen Gesetzgebungsgebiete, welche der Zuständigkeit des gen. Königreiches verblieben sind, 1894 [MS].

L  König und Mittelstand, hrsg. von der Mittelstands-Vereinigung im Königreich Sachsen, Leipzig 1910; Vierter Sächsischer Mittelstandstag, hrsg. von der Mittelstands-Vereinigung im Königreich Sachsen, Leipzig 1910; O. E. Schmidt, Die Schlösser Schönwölkau und Lichtenwalde und die Grafen Vitzthum von Eckstädt, Dresden 1933; Vitzthumsche Familienblätter 9/1979, S. 37-41, 168 (Bildquelle), 13/2003, S. 132-139, 14/2006, S. 11-35; K. Schwabe (Hg.), Die Regierungen der deutschen Mittel- und Kleinstaaten 1815-1933, Boppard 1983, S. 293; S. Schöffler, Ein Hauch Vergangenheit, Freiberg 2004; A. Peschel, Christoph Johann Friedrich Graf V. (1863-1944), in: Vitzthumsche Familienblätter 16/2011, S. 95-97 (P). – DBA II; H. A. L. Degener (Hg.), Wer ist’s?, Leipzig 101935, S. 1648; Genealogisches Handbuch des Adels, Bd. 77, Gräfliche Häuser X, Limburg/Lahn 1981, S. 468-471.



Andreas Peschel
8.11.2011


Empfohlene Zitierweise:

Andreas Peschel, Vitzthum von Eckstädt, Christoph Johann Friedrich Graf, in:
Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V., bearb. von Martina Schattkowsky,
Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/ (25.3.2017)

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