Janentzky Christian Johann Heinrich
Literaturwissenschaftler, Direktor der Bibliothek der Technischen Hochschule Dresden
* 29.1.1886 Rostock 27.8.1968 Dresden Dresden, Friedhof Pieschen(ev.)
VHermann, Schiffsreeder
GND: 117078190

Nach dem Abitur am Humanistischen Gymnasium seiner Heimatstadt studierte J. 1904 bis 1909 Germanistik, Philosophie, Geschichte und Religionswissenschaften in München. Dort wurde er nach Promotion und Habilitation 1916 Privatdozent und ab 1920 außerordentlicher Professor für Neuere deutsche Literaturgeschichte. 1922 übernahm er als ordentlicher Professor an der Technischen Hochschule in Dresden den Lehrstuhl für Deutsche Sprache und Literatur sowie die Leitung des Deutschen Seminars. Gleichzeitig war er Lehrbeauftragter an der Tierärztlichen Hochschule und an der Akademie der Bildenden Künste. Er engagierte sich 1926 bis 1928 als Vorsitzender in der Ortsgruppe Dresden der Goethe-Gesellschaft Weimar. 1934 wurde er wegen seines Eintretens für die von den Nationalsozialisten verfolgten Professoren Paul Luchtenberg und Rainer Fetscher gemaßregelt. Die bereits angeordnete Emeritierung wurde wegen der Wichtigkeit des Fachs Deutsch jedoch wieder zurückgenommen. Nach dem Zusammenbruch des Dritten Reichs erhielt er 1946 bis 1952 erneut den Lehrstuhl für Deutsche Sprache und Literatur und war zeitweise Dekan der Abteilung für Kulturwissenschaften und kommissarischer Leiter des Historischen Seminars. Sein Arbeitsschwerpunkt lag auf der Literatur des 18. und beginnenden 19. Jahrhunderts, speziell auf der Mystik. J. hatte als politisch nicht vorbelasteter Hochschullehrer zusätzlich im November 1945 kommissarisch die Leitung der Hochschulbibliothek übernommen, eine schwierige und für ihn ungewohnte Aufgabe. Die beim Luftangriff auf Dresden vollständig zerstörte Bibliothek befand sich im Neuaufbau. In den der Bibliothek zugewiesenen Räumen musste Platz für die Rückkehr der ausgelagerten Bestände geschaffen, die notwendigen Regale beschafft und Kontakte zum Buchhandel und anderen Bibliotheken hergestellt werden. Für die bibliothekarischen Arbeiten musste Fachpersonal eingestellt werden. J. erreichte, dass ihm zunächst sein Vorgänger Hans Hofmann und danach Helene Benndorf, seine spätere Nachfolgerin, zur Seite gestellt wurden. J. schied am 30.11.1948 als Bibliotheksdirektor aus dem Amt, während er als Hochschullehrer noch bis 1952 tätig war.



Q  Technische Universität Dresden, Universitätsarchiv, Professorenkatalog, Professorendokumentation, Personalakte J.

W  Gottfried August Bürgers Ästhetik, Diss. Berlin 1909 (ND 1978); Johann Caspar Lavaters Sturm und Drang im Zusammenhang seines religiösen Bewußtseins, Habil. Halle/Saale 1916; Mystik und Rationalismus, München/Leipzig 1922.

L  H.-D. Wüstling, Professor Christian J., in: Zentralblatt für Bibliothekswesen 100/1986, S. 235f.; A. Erb, Christian J., in: J. Rohbeck (Hg.), Auf dem Weg zur Universität, Dresden 2001, S. 290-303. – DBA II; D. Petschel (Bearb.), Die Professoren der TU Dresden 1828-2003, Köln 2003, S. 411; H.-D. Wüstling, Die Direktoren der Universitätsbibliothek Dresden von 1828 bis 1996, Dresden 2005, S. 65-68 (P); T. Bürger/K. Hermann (Hg.), Das ABC der SLUB, Dresden 2006, S. 119.

P  Christian J., um 1965, Fotografie, Sächsische Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek Dresden, Abteilung Deutsche Fotothek (Bildquelle).



Hans-Dieter Wüstling
9.11.2009


Empfohlene Zitierweise:

Hans-Dieter Wüstling, Janentzky, Christian Johann Heinrich, in:
Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V., bearb. von Martina Schattkowsky,
Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/ (24.3.2017)

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