Neefe Christian Gottlob
Komponist, Musikdirektor
* 5.2.1748 Chemnitz 26.1.1798 Dessau(ev.)
VJohann Gottlieb (* 1723), SchneidermeisterMJohanna Rosina, geb. Weyrauch (* 1724)GChristian Gottlieb (1746-1748); Christina Rosina (* 1750); Christian Gotthelf (* † 1752); Carl Gottlieb (1754-1761); Johanna Rosina (1756-1760); Christian Gottfried (1758-1760); Johann Gottfried (1760-1762); Rosina Dorothea (* † 1763); Christian Traugott (1765-1767); Johanna Rosina (* † 1768)Susanne Maria, geb. Zink (1752-1821), Sängerin, SchauspielerinS3 u.a. Hermann Joseph (1790-1854)TLouise (1779-1846); Felice (* 1782); Margarete (1787-1808), verh. Devrient
GND: 118586777

N. gehörte zu den bedeutendsten Vertretern des volkstümlichen deutschen Lieds und des Singspiels. Er wuchs in den ärmlichen Verhältnissen einer kinderreichen Handwerkerfamilie auf; verwandtschaftliche Beziehungen zur Chemnitzer Patrizierfamilie Neefe bestanden nicht. N. besuchte in Chemnitz die Lateinschule und gehörte wegen seiner guten Stimme auch zum Schülerchor. Maßgebende musikalische Unterweisungen erhielt er durch Kantor Christian Gotthilf Tag in Hohenstein. Städtische Stipendien ermöglichten ihm 1769 die Aufnahme eines Jurastudiums an der Universität Leipzig, das er 1772 mit dem ersten Staatsexamen beendete. Allerdings widmete er sich hauptsächlich der Musik, erteilte Privatstunden und ließ sich durch Johann Adam Hiller musikalisch weiter ausbilden. Durch ihn fand N. nicht nur den Weg zur Komposition volkstümlicher Lieder und Singspiele, er übernahm zudem 1776 Hillers Stelle als Musikdirektor der renommierten Seyler’schen Schauspielertruppe. Mit ihr und später mit der Großmann’schen Gesellschaft gelangte er 1777 in mehrere große Städte und Residenzen des Rhein-Main-Gebiets, wobei er sich bald auch als Komponist einen guten Ruf erwarb. Laut N. traf er überall auf „treue Freunde“, womit er aufgeklärt denkende Persönlichkeiten meinte, darunter viele Freimaurer und Illuminaten. Nach der Eröffnung des Nationaltheaters in Bonn durch die Großmann’sche Gesellschaft wurde er dort sesshaft, reiste allerdings noch bis 1784 mit dieser Truppe. In der Bonner Residenz des Erzbischofs von Köln war er bereits im Juni 1782 zum Hoforganisten avanciert, fungierte aber ab 1789 weiterhin im Nationaltheater als Cembalist, Korrepetitor und Bühnendirektor. Auch dadurch konnte N. ab 1779/80 Ludwig van Beethoven im Cembalo-, Orgel- und Generalbassspiel sowie in Komposition unterrichten (u.a. mit Johann Sebastian Bachs „Wohltemperiertem Clavier“) und ihn außerdem in Bonn während seiner Theaterreisen als Stellvertreter an Orgel und Cembalo einsetzen. – Zeitlebens war N. darauf bedacht, allen Menschen über soziale Schranken hinweg v.a. über die Musik zu „Glückseligkeit“ zu verhelfen. Das erklärt sein Engagement im Geheimbund der aufgeklärten Illuminaten, deren Bonner Loge er lange Zeit vorstand. Als Bonn 1794 von der französischen Revolutionsarmee besetzt wurde, durfte N. die Stadt nicht verlassen und musste nun Verwaltungsaufgaben übernehmen. In dieser Zeit gehörten seine drei Töchter in Dessau einer Theatergesellschaft als Sängerinnen an, in die dann N. im Dezember 1796 als Konzertmeister und Korrepetitor eintrat. – N. war ein gebildeter, aufgeschlossener und musikalisch produktiver Komponist, der sich durch Übersetzungen von Opernlibretti (u.a. „Don Giovanni“ von Wolfgang Amadeus Mozart) und eigene Texte (z.B. durch „Dilettanterien“) auszeichnete. Zwischen Barock und Klassik stehend verhalf er dem bürgerlichen Humanismus in der Musik mit zum Durchbruch, insbesondere durch einfache und natürlich gesetzte Lieder, dem Beispiel Carl Philipp Emanuel Bachs folgend, und mit Singspielen.



W  Vokalmusik: Freimaurerlieder, Leipzig 1774; Lieder mit Klaviermelodien, Glogau 1776; Oden von Klopstock mit Melodien, Flensburg 1776; Serenaten beym Klavier zu singen, Leipzig 1777; Bühnenmusik: Die Apotheke, Leipzig 1772; Amors Guckkasten, Leipzig 1772; Adelheit von Veltheim, Leipzig 1781; Sophonisbe, Leipzig 1782; Instrumentalmusik: 6 Klaviersonaten mit willkürlicher Begleitung einer Violine, Glogau 1776; zwölf Klaviersonaten. Philipp Emanuel Bach gewidmet, Leipzig 1773; elf Klavierauszüge u.a. zu fünf Mozart-Opern sowie Übersetzungen französischer und italienischer Opernlibretti; Schriften: (Hg.), Karoline Großmann. Eine biographische Skizze, Göttingen 1784; Dilettanterien, o.O. 1785.

L  I. Leux, Christian Gottlob N., Leipzig 1925; W. Engelhardt, Christian Gottlob N.s Lebenslauf, von ihm selbst beschrieben, in: Beiträge zur Rheinischen Musikgeschichte, 21/1957; Christian Gottlob N. Katalog zur Ausstellung, Chemnitz 1998; W. Kaden, Christian Gottlob N. 1748-1798, Chemnitz 1998. – ADB 23, S. 359-362; DBA I, II, III; DBE 7, S. 356; NDB 19, S. 23f.; MGG2P; RiemannL, S. 301; NGroveD (1980) 13, S. 91ff.

P  Christian Gottlob N., G. A. Liebe, undatiert, Stich nach einer Zeichnung von G. Rosenberg, Bonn, Beethoven-Haus.



Werner Kaden
8.6.2009


Empfohlene Zitierweise:

Werner Kaden, Neefe, Christian Gottlob, in:
Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V., bearb. von Martina Schattkowsky,
Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/ (24.5.2017)

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