Blumberg Christian Gotthilf (Gotthelf, Gotthülf)
Theologe, Superintendent, Kirchenlieddichter
* 24.2.1664 Obhausen 8.1.1735 Zwickau Zwickau, Marienkirche(ev.)
VFriedrich (1629-1699), PfarrerMChristine Elisabeth, geb. Kirchbach (1637-1709)GFriedrich Gottlieb († 1697), Jurist; Gottfried Wilhelm († 1706), Arzt; Philipp Gotthard, Kunstmaler; Christina Elisabeth; Rosina Maria 1.1692 Dorothea Maria, geb. Crusius († 1714), Tochter des Chemnitzer Bürgermeisters Christian Crusius 2.1714 Theodora Sophia, geb. Klaubert
GND: 116207701

Der bedeutende Zwickauer Superintendent und Kirchenlieddichter B. entstammte einer angesehenen Pfarrersfamilie, deren Wurzeln sich bis ins alteingesessene Regensburger Patriziat zurückverfolgen lassen. – B. erwarb eine umfassende Bildung u.a. in der Stadtschule Schneeberg und an der Fürstenschule St. Afra zu Meißen. Das darauffolgende Theologiestudium an der Universität Leipzig schloss er am 31.1.1684 mit dem Magistergrad ab. Nach dreijähriger Tätigkeit als Feldprediger wurde er in das Erzgebirgsdorf Bernsbach berufen, das durch Auspfarrung aus Beierfeld gerade kirchlich selbstständig geworden war und mit B. am 12.4.1691 seinen ersten Pfarrer erhielt. 1694 wechselte er als Diakon an die St. Jacobikirche nach Chemnitz und 1698 - mittlerweile in Wittenberg zum Dr. theol. promoviert - als Pfarrer nach Radeberg. Im Juni 1700 trat B. die Nachfolge des verstorbenen Zwickauer Superintendenten Johann Christian Schlegel an. Der räumlich weit ausgedehnten, mehr als 60 Pfarrorte umfassenden Zwickauer Ephorie stand B. fast 35 Jahre vor. – 1703 führte B. unter dem Titel „Deliciae Cygneae“ (Geistliche Schwanenlust) ein von ihm zusammengestelltes und knapp 700 Lieder enthaltendes neues Kirchengesangbuch in Zwickau ein. Das Gesangbuch ergänzte das bisher gebräuchliche Liedgut nicht nur um B.s eigene Lieder, sondern machte v.a. die noch jungen Dichtungen Paul Gerhardts und Paul Flemings populär. Es wurde 1713 und 1720 jeweils neu aufgelegt und blieb bis 1736 in Gebrauch. – B.s Wirken bekam rasch auch eine politische Dimension. Vor dem Hintergrund des Konfessionswechsels Kurfürst Friedrich Augusts I. (August II., der Starke) verfasste er mehrere Streitschriften gegen die katholische Kirche mit dem Ziel, deren Ausbreitung in Sachsen zu verhindern. – Mit Unterstützung Kursachsens bekämpfte B. leidenschaftlich die kirchliche Selbstständigkeit der Schönburgischen Herrschaften. Die Kompetenzen der dortigen geistlichen Behörden untergrub er systematisch durch eigene Weisungen an die schönburgischen Pfarrer. Seine unnachgiebige Haltung im sog. Vielauer Bußtagsstreit 1717/18, bei der B. die Abhaltung schönburgischer Feiertage verbot, führten an den Rand der militärischen Eskalation. – Jenseits des geistlichen Amts machte sich B. als Orientalist, Numismatiker und Altertumsforscher einen Namen. Als sein bedeutendstes Werk gilt die 1721 unter dem Titel „Kurtze Abbildung des Kalandes“ erschienene Schrift, die wertvolle historische Nachrichten über die Zwickauer und andere Kalandbruderschaften enthielt. Die übrigen zahlreichen Schriften B.s, wie auch eine posthum erschienene Predigtsammlung (1736) sind heute in Vergessenheit geraten. – B. war Besitzer des Ritterguts Treben (Thüringen).



W  Deliciae Cygneae: Das ist, Geistliche Schwanen-Lust, Oder Zwickauisches Gesang-Buch, Zwickau 1703 (ND 1720); Kurtze Abbildung des Kalandes, Chemnitz 1721; Christian Gotthülf B.s, Uf Peschwitz, weyland Pastoris und Superint. zu Zwickau, Erbauliche Gedanken über die Evangelia derer Sonn- und Feiertage…, hrsg. v. F. L. Götz, Zwickau 1748.

L  C. Meltzer, Historia Schneebergensis renovata, Schneeberg 1716 (ND Stuttgart 1995), S. 492f.; C. G. Dietmann/K. G. Dietmann, Die gesamte der ungeänderten Augsp. Confeßion zugethane Priesterschaft in dem Churfürstenthum Sachsen und denen einverleibten Landen, Bd. 1, S. 120, 146, 254, Bd. 3, S. 1317f., Dresden/Leipzig 1753; T. W. Hildebrand, Die Hauptkirche St. Mariä zu Zwickau, Zwickau 1842, S. 106f.; E. Herzog, Chronik der Kreisstadt Zwickau, 2 Bde., Zwickau 1839-1845 (ND 1998); A. H. Kreyßig, Album der evangelisch-lutherischen Geistlichen im Königreich Sachsen von der Reformation bis zur Gegenwart, Crimmitschau 1898, S. 38; D. G. Buchwald (Hg.), Neue Sächsische Kirchengalerie, Ephorie Zwickau, Leipzig 1902, Sp. 60, 65f. – DBA I, III.



Michael Wetzel
12.11.2013


Empfohlene Zitierweise:

Michael Wetzel, Blumberg, Christian Gotthilf (Gotthelf, Gotthülf), in:
Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V., bearb. von Martina Schattkowsky,
Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/ (27.7.2017)

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