Velten (Velthen, Velthemin, Veltheim) Catharina Elisabeth
geb. Paulsen
Schauspielerin, Prinzipalin
nach 1712 Wien
VCarl Andreas Paulsen (1620-1679), Schauspieler, Prinzipal1671 Johannes Velten (1640-1692), Schauspieler, PrinzipalTCatharina Lydia (* 1675)
GND: 120289016

Als Prinzipalin der „königl. poln. und kurf. sächs. hochdeutschen Hofcomödianten“ führte V. Ende des 17. und Anfang des 18. Jahrhunderts ein Bühnenunternehmen an, das sich insofern von den konkurrierenden Schauspieltruppen der Zeit abhob, als es die organisatorische Kraft und darstellerische Kompetenz besaß, auf Dauer ein großräumig ausgelegtes Aufführungswesen zu leisten. – Über die ersten Lebensjahre der Schauspieler- und Komödiantentochter ist wenig überliefert. Es ist anzunehmen, dass sie mit der Schauspieltruppe des Vaters und Prinzipals Carl Andreas Paulsen umherreiste und früh selbst auf der Bühne stand. Worauf sich ihre auffallend gute Bildung gründete, ist ebenfalls unbekannt. 1671 heiratete sie ihren Kollegen Johannes Velten, der mit großer Wahrscheinlichkeit Mitte der 1660er-Jahre zur Paulsen’schen Truppe stieß. 1678 übernahm ihr Ehemann die Führung dieser Truppe und nach dem Tod des Schwiegervaters und Prinzipals 1679 wurde ihm das kursächsische Patent übertragen. Nunmehr als Velten’sche Truppe machte sich das Ehepaar Velten weit über die Landesgrenzen Kursachsens hinaus einen Namen. Nach dem Tod ihres Ehemanns 1692 übernahm V. die Prinzipalschaft und erbte das kursächsische Patent, das bereits die schauspielerischen Aktivitäten ihres Vaters sicherte. Nach der Wahl von Kurfürst Friedrich August I. (August II., der Starke) zum König von Polen 1697 erhielt sie zudem das königlich polnische Privileg. V.a. Anfang der 1690er-Jahre musste sie sich jedoch gegen eine harte Konkurrenz durchsetzen. Komödianten und einstige Gefährten wie David Mühlstreich, Ferdinand Egidius Paulsen, Balthasar Brombacher, Johann August Ulich und Gabriel Möller spekulierten nach dem Tod ihres Gatten Johann auf Konzessionen und Spielpatente für den kursächsischen Raum. Doch die Witwe V. nahm ihre erworbenen Rechte rege wahr. Im strengen Rhythmus der Messen pendelte sie mit ihrer Truppe zwischen Dresden und Leipzig, verband ihre Messebesuche in aller Regel mit Gastspielen im Dresdner Gewandhaus und kam Auftrittsverpflichtungen am Hof nach. Da sie ihre Prinzipalschaft jedoch ohne den sicheren Rückhalt landesfürstlicher Finanzmittel bestreiten musste, suchte sie diesen Mangel durch ein enormes Reisepensum auszugleichen. Während des Zeitraums 1700 bis 1705 legte sie weite Entfernungen im gesamtdeutschen Raum zurück und organisierte Auftritte zwischen Stockholm und Wien, Riga (lett. Rīga) und Frankfurt/Main. Ihr Selbstbewusstsein und ihre Bildung stellte die frei gesinnte Frau nicht nur auf der Bühne unter Beweis. 1701 widerlegte sie mit ihrer Schrift „Zeugnis der Wahrheit vor die Schauspiele, oder Komödien …“ die theaterfeindliche Veröffentlichung „Des heilig. Vaters Chrysostomi Zeugnis der Wahrheit wider die Schauspiele …“ von Joseph Winckler, Diakon zu Magdeburg. In dieser 26 Seiten umfassenden Entgegnung demonstrierte sie ihr breites Wissen. Sie zitierte aus wissenschaftlichen Werken und der Bibel und streute gekonnt griechische und lateinische Redewendungen ein, wobei sie den akademischen Duktus Wincklers akkurat einhielt. In Begleitung der Schauspielerin Elisabeth Spiegelberg (geb. Denner)] sicherte sich die alte Prinzipalin ihren Lebensunterhalt in ihren letzten Lebensjahren mit wechselnden Kompagnons vorwiegend in Süddeutschland. Um 1711/12 löste sie ihre Gesellschaft in Wien auf.



W  Zeugnis der Warheit / Vor die Schau=Spiele oder Comödien …, 1701 (ND: C. Niessen (Hg.), Frau Magister V. verteidigt die Schaubühne. Schriften aus der Kampfzeit des deutschen Nationaltheaters, Emsdetten 1940).

L  C. Niessen (Hg.), Frau Magister V. verteidigt die Schaubühne, Emsdetten 1940; W. Rieck, Schaubühne contra Kanzel. Die Verteidigung des Theaters durch die Veltheimin, in: Forschungen und Fortschritte 31/1965, S. 50-53; W. Höntsch/U. Püschel, 300 Jahre Staatstheater Dresden, Berlin 1967; B. Rudin, Der Prinzipal Heinrich Wilhelm Benecke und seine „Wienerische“ und „Hochfürstlich Bayreuthische“ Schauspielergesellschaft, in: Mitteilungen des Vereins für Geschichte der Stadt Nürnberg 62/1975, S. 179-223; dies., Eine Leipziger Studentenbühne des 17. Jhdts., in: Kleine Schriften der Gesellschaft für Theatergeschichte 28/1976, S. 3-17; G. Hansen, Formen der CdA in Deutschland, Emsdetten 1984; H. Heckmann-French, Ein Frauenzimmer macht Theater. Die Streitschrift der Prinzipalin Velthen, in: Colloquia Germanica 17/1984, S. 235-250; B. Rudin, Zwischen den Messen in die Residenz, in: Kleine Schriften der Gesellschaft für Theatergeschichte 34/35/1988, S. 74-104; R. B. Emde, Catharina Elisabeth V. und Caroline Neuber, in: I. Bubenik-Bauer/U. Schalz-Laurenze, Frauen in der Aufklärung, Frankfurt/Main 1995, S. 337-361; R. B. Emde, Schauspielerinnen im Europa des 18. Jahrhunderts, Amsterdam 1997; C. Puschmann, Fahrende Frauenzimmer, Herbolzheim 1999. – DBA I.



Katy Schlegel
16.8.2011


Empfohlene Zitierweise:

Katy Schlegel, Velten (Velthen, Velthemin, Veltheim), Catharina Elisabeth, in:
Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V., bearb. von Martina Schattkowsky,
Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/ (24.3.2017)

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