Ehrlich Carl Gottlob
Landschaftsmaler, -kupferstecher, -radierer, Porzellanmaler
* 1744 Torgau 1799 Meißen

GND: 142593591






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E. kam 1763 als Lehrling an die Zeichenschule der Porzellanmanufaktur Meißen. Er blieb unverheiratet und verbrachte sein weiteres Leben als Angehöriger der Manufaktur. Daneben beteiligte er sich aber auch mehrfach an den Dresdner Akademieausstellungen. Seit 1775, als die Porzellanmaler in Klassen aufgeteilt wurden, gehörte er der Ersten Klasse der Landschafts-, Architektur-, Bataillen- und Jagdmalerei an. 1782 bis 1796 war er als Leiter der Zeichenschule tätig. – Da die Meißner Porzellanmaler ihre Werke auf den Objekten äußerst selten signierten, sind sie nur in ihrer darüber hinausgehenden künstlerischen Tätigkeit zu fassen. Bei E. sind dies Ansichten von Meißen und Umgebung sowie der Sächsischen Schweiz als Radierungen, Pinselzeichnungen, Deckfarbenblätter und Ölgemälde. Bis Ende der 1770er-Jahre überwogen Blätter, die in ihrer zeichnerischen Erfassung Adrian Zinggs Vorbild folgten. Einige wurden in Kupferstichen reproduziert, z.B. von Anton Balzer und Johann Friedrich Wizani. Ein wichtiges Motiv war die Darstellung des Brands der Albrechtsburg im Januar 1773, das E. als Pinselzeichnung sowie als Deckfarbengemälde und als Radierung ausführte. Die Albrechtsburg als dominierendes Gebäude über der Stadt und als Stätte „seiner“ Manufaktur wurde noch mehrfach von E. widergegeben. Hierbei erwies sich E. als reifer Künstler, der die bildeigenen Kompositionsprinzipien beherrschte und für seine Absichten nutzte. So erfasste er die Natur mittels Farbflächen und -flecken und entwickelte bei der Charakterisierung der Bildgegenstände durch Lokalfarben eine malerische, durch die Atmosphäre und die Lichtverhältnisse bedingte Anwendung der Farben. – E. war ein vielseitiger Künstler, dessen Stadt- und Landschaftsveduten in ihrer sachlichen, sorgfältigen Ausführung dem Zingg’schen Vorbild folgten, ohne es streng nachzuahmen. Häufig verwendete er Deckfarben nach dem Vorbild Johann Georg Wagners. Kompositorisch wirkten seine Landschaften - v.a. die erfundenen - unsicherer als die von Christian Wilhelm Ernst Dietrich und Wagner. Den Stadtansichten verlieh diese zuweilen naiv anmutende Unbeholfenheit eine reizvolle Frische, besonders, da E.s Kolorit bei aller Differenzierung stets kräftig war. In seinen besten Werken aus der Mitte der 1780er-Jahre verband er die Qualitäten von Vedute und Landschaftsgemälde.



W  Ruinen in einer Waldlandschaft, um 1770, Radierung, Kunstsammlungen der Veste Coburg, Kupferstichkabinett; Das Meißner Schloss im Winter, 1770/75, Albertina Wien, Grafische Sammlung; Brand von Albrechtsburg und Dom in Meißen, 1773, Feder in Schwarz, Deckfarben, ebd.; Brand von Albrechtsburg und Dom in Meißen, 1773, Feder in Schwarz, grau laviert, ebd.; Brand von Albrechtsburg und Dom in Meißen, 1773, Radierung, ebd.; Landschaft mit Kruzifix, Pinsel in Graubraun, Staatliches Museum Schwerin, Kupferstichkabinett; Eisgang auf der Elbe, 1799, Stadtmuseum Meißen; Zehren bei Meißen, Gouache, ebd.; Zehren und Zadel, Gouache, ebd.

L  W. Loose, Alt-Meissen in Bildern, Meißen 1889, S. 3, 6, 10-12; ders., Lebensläufe Meißner Künstler, in: Mitteilungen des Vereins für Geschichte der Stadt Meißen 2/1891, S. 200-295; H.-J. Stendal, Die Stadtansichten Meißens von 1558 bis um 1815, Marburg 1996, Nr. 18 A, 42 B, 97 D, 115 F; M. Grönig/M. L. Sternath (Bearb.), Die deutschen und Schweizer Zeichnungen des späten 18. Jahrhunderts, Wien 1997, S. 44f.; A. Fröhlich, Landschaftsmalerei in Sachsen in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts, Weimar 2002, S. 234-238. – AKL, Bd. 32, München/Leipzig 2002, S. 468f.; DBA I, II; Thieme/Becker, Bd. 10, Leipzig 1999, S. 400.



Anke Fröhlich
14.11.2011


Empfohlene Zitierweise:

Anke Fröhlich, Ehrlich, Carl Gottlob, in:
Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V., bearb. von Martina Schattkowsky,
Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/ (21.8.2017)

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