Bose Carl (Karl) Gottfried Graf von
Geheimer Rat, Kreishauptmann, Gesandter
* 10.9.1654 Netzschkau 3.1.1731 Dresden Gamig(ev.)
VKarl (1596-1657), kurfürstlicher Obrist, Amtshauptmann von StolbergMSophie Stiebarin, geb. von Buttenheim, verw. von FeilitzschGFriedrich Karl, Sachsen-Altenburgischer Kammerjunker; Karl, kurfürstlicher und Sachsen-Zeitzer Kreiskommissar und Rat; Karl Haubold; Karl Christian; Louise Juliane; Maria Bibiana; Maria Sophia; Magdalene Sophie; Clara Sophie; Christiane Sophie 1.1682 Anna Elisabeth, geb. von Miltitz auf ScharfenbergSJohann Friedrich Karl, kurfürstlicher Kammerherr, Legations-, Hof- und Justizrat, Domherr in Meißen; Karl Alexander; Karl MaximilianTSophie Louise; Caroline Auguste 2.1696 Eva Katharina, geb. Görne, verw. von StraußTCharlotte Katharina
GND: 120362643






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Aus der vogtländischen Linie eines weit verzweigten, angesehenen Adelsgeschlechts stammend, wurde B. 1683 kurfürstlich sächsischer Unterhofmarschall, 1691 Kammerherr sowie Hauptmann des Meißner Kreises und erhielt 1697 den Titel eines Geheimen Rats. Zwischen 1694 und 1697/98 betraute man ihn mit diplomatischen Missionen nach Berlin, Kopenhagen und Stockholm. – Am 13.2.1712 legitimierte sich B. als Nachfolger Georg von Wertherns als neuer kursächsischer Reichstagsgesandter beim Mainzer Reichtagsdirektorium in Regensburg. 1712 vertrat er dort zudem den preußischen Gesandten Graf Ernst von Metternich im Kurfürstenrat und führte 1713/14 die Kurstimme Hannovers. Mit dem Regensburger Gesandtschaftsposten hatte B. zugleich das durch die Konversion Kurfürst Friedrich Augusts I. problematisch gewordene, reichspolitisch wichtige kursächsische Direktorium des Corpus Evangelicorum übernommen. Die Verschärfung der konfessionellen Gegensätze nach dem Ende des Spanischen Erbfolgekriegs und die aggressiv antikaiserliche Politik Hannovers und Preußens demontierten zunehmend die kursächsische Direktorialstellung. Trotz seiner dringenden Warnungen sah sich B. in dieser Situation von der Zentrale in Dresden bzw. Warschau weitgehend allein gelassen. Mit dem Bekanntwerden der Konversion des Kurprinzen Friedrich August Ende 1717 näherte sich die Krise ihrem Höhepunkt. In der Zusammenarbeit mit dem nach Regensburg beorderten Sondergesandten Christoph Friedrich Freiherr von Gersdorff, einem weniger skrupulösen Vertrauten des Premierministers Jacob Heinrich Graf von Flemming, offenbarten sich schon bald gravierende Abstimmungsprobleme. Zudem wurden die Loyalität und Zuverlässigkeit von B. angezweifelt. Auch sah man ihn als Ausgangspunkt von Gerüchten, die etwa die Administration des evangelischen Stifts Meißen durch den konvertierten Kurfürsten in Frage stellten. Anfang 1718 wurde B. abberufen und sollte in Dresden verhört werden. In einer ungewöhnlichen Initiative setzten sich sowohl die evangelischen Reichstagsgesandten als auch seine Kollegen im Kurfürstenrat in Dresden vergeblich für das Bleiben des entschieden evangelischen und persönlich integren B. ein. – Nachdem B. bereits 1715 durch Kaiser Karl VI. in den Reichsgrafenstand erhoben worden war, erhielt er bei seinem ehrenvollen Abschied 1718 noch die Bestallung zum kurfürstlichen Wirklichen Geheimen Rat und widmete sich fortan seinem Besitz, den er durch Zukauf von drei Rittergütern erheblich erweitern konnte. – B. war außerdem Ritter des Johanniterordens und designierter Komtur zu Wittersheim sowie Domherr in Merseburg. – Sein 1730 aufgesetztes Testament sollte wegen der Fortdauer des darin angeordneten Fideikommisses und einem ausführlichen Gutachten des berühmten Göttinger Juristen Johann Stephan Pütter um 1800 noch für erheblichen Konfliktstoff sorgen. Während seiner Regensburger Zeit hatte B. eine umfangreiche Sammlung von Flugschriften, Zeitungen, Kriegsberichten und diplomatischen Korrespondenzen angelegt, die 1833 als Geschenk an die Königliche Bibliothek in Dresden gelangte.



Q  M. Zaunig, Die nach Leid auffgegangene Freude bey ... Einsegnung des ... Carl Gottfried B. auff Netzschkau ... mit Ewen Catharinen Bosin, geb. von Gerne ..., welche in Dreßden ... 1696 geschehen, Zwickau 1696; E. C. W. v. Schauroth, Vollständige Sammlung aller Conclusorum, Schreiben und anderer übrigen Verhandlungen des hochpreißlichen Corpis Evangelicorum, T. 1 und 2, Regensburg 1751-1752; J. S. Pütter, Rechtliches Bedenken, auch zwey Nachträge über die ... Fideicommissarische Disposition, o.O. 1800; Sächsisches Staatsarchiv - Hauptstaatsarchiv Dresden, Geheimes Kabinett.

L  C. E. von Bose, Stammtafeln der Familie von Bose, Dresden 1902; ders., Die Familie von Bose, Dresden 1904; J. Vötsch, Kursachsen, das Reich und der mitteldeutsche Raum zu Beginn des 18. Jahrhunderts, Frankfurt/Main/Berlin/Bern/Wien 2003. – J. H. Zedler, Großes Vollständiges Universal-Lexikon aller Wissenschaften und Künste, Bd. 4, Halle/Leipzig 1733, Sp. 800-802, Online-Ausgabe: www.zedler-lexikon.de; V. König, Genealogische Adels=Historie ..., T. 3, Leipzig 1736; L. Bittner/L. Groß/F. Hausmann (Hg.), Repertorium der diplomatischen Vertreter aller Länder seit dem Westfälischen Frieden (1648), Bd. 1, Graz/Köln 1936, Bd. 2, Zürich 1950 (ND Nendeln/Liechtenstein 1976).



Jochen Vötsch
27.6.2005


Empfohlene Zitierweise:

Jochen Vötsch, Bose, Carl (Karl) Gottfried Graf von, in:
Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V., bearb. von Martina Schattkowsky,
Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/ (18.8.2017)

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