Dathe von Burgk (bis 1822 Krebs) Carl Friedrich August Freiherr
MdL, Industriepionier, Besitzer eines Steinkohlen- und Eisenhüttenwerks, Kammerrat, Rittergutsbesitzer
* 29.4.1791 Dresden 26.7.1872 Dresden Döhlen bei Dresden(ev.)
VChristian Gottfried Krebs (1746-1830), königlich sächsischer OberkriegskommissarMFrederika Christiana, geb. Dathe (1765-1797)GChristiana Frederika Charlotte, verh. Knauth (1790-1868); Sophia Frederika Henriette, verh. Schultz (1792-1824); Halbgeschwister aus den weiteren drei Ehen des Vaters: Friederike Christiane Erdmuthe (1774-1785); Christian Friedrich (* 1786), königlich sächsischer Kommissariats-Chirurg; Christian Friedrich Moritz (1807-1881), königlich sächsischer Regiments-Stabsarzt1822 Marianna Clementina, geb. von Klösterlein (1805-1870)SCarl Christian Arthur (1823-1897), Besitzer der Freiherrlich von Burgkschen Steinkohlenwerke, königlich sächsischer Kammerherr, RittergutsbesitzerTMarie Caroline Therese, verh. von Winterfeld (1825-1901); Anna Adele Helene (1828-1844)
GND: 136191304


Verknüpfte Personen im Text:

Als Industriepionier bestimmte D. mit wirtschaftlicher Weitsicht maßgeblich die technische Entwicklung des Montanwesens im Plauenschen Grund bei Dresden. Er verwirklichte als einer der ersten Bergbauunternehmer Sachsens unter Inkaufnahme unternehmerischer Risiken und beseelt von vaterländischem Stolz den westeuropäischen Gedanken eines Montanunternehmens mit Kohlengrube, Kokerei, Kokshochofen, Eisenwalzwerk und Maschinenbaufabrik. – Nach dem Tod der Mutter lebte D. als Knabe auf dem Burgker Rittergut mit den angeschlossenen Steinkohlengruben seines Großvaters Carl Gottfried Dathe, der als Sekretär der Sächsischen Landes-Ökonomie-, Manufaktur- und Kommerzien-Deputation sowie als erfolgreicher Bergbauunternehmer tätig war. Nach dem Tod des Großvaters verwalteten der Onkel, später die Tante von D., bei der er weiter aufwuchs, den Familienbesitz. 1819 erbte D. den großväterlichen Besitz unter seinem bürgerlichen Vatersnamen Carl Friedrich August Krebs. Dem testamentarischen Willen des Großvaters folgend, kaufte D. ein Adelsdiplom und führte seit 1822 den erblichen Adelstitel Freiherr Dathe von Burgk. Schon lange vor dem Erbantritt bemühte sich der studierte Jurist und beim Militär tätige D. autodidaktisch um bergbaufachliches Wissen und personelle Unterstützung außerhalb Sachsens für die zukünftige Modernisierung seines Unternehmens. Ab 1820 führten Berater und Bergarbeiter fremder Steinkohlenreviere mit ihrem Fachwissen unter D. technische Neuerungen bei dem - seit 1822 Freiherrlich von Burgker Steinkohlenwerke genannten - Grubenbetrieb ein, für die es in Sachsen kaum Vorbilder gab. Mit einer werkseigen konstruierten Dampfmaschine aus ausschließlich deutschen Einzelteilen, die als zweite im sächsischen Bergbau gilt, begann 1821 das Maschinenzeitalter. Mit der beim benachbarten Königlichen Steinkohlenwerk Zauckerode erfundenen nassen Kohlenaufbereitung stellte man ab 1823 Waschkohle und aus dieser Steinkohlenkoks her, wobei man ab 1828 in einer selbst entworfenen Gasanstalt die entstehenden heißen Koksofengase zur Gaserzeugung für Beleuchtungszwecke nutzte. Gleichartiges fand sich seinerzeit in Deutschland nur in Hannover, Berlin und Dresden sowie im Amalgamierwerk Halsbrücke. Burgk galt somit als erstes Gas beleuchtetes Dorf der Welt. Seit 1827, nach erfolgreicher Koksproduktion, befanden sich die Freiherrlich von Burgker Eisenhüttenwerke mit Hüttenwerk, Hochofen und Maschinenbaufabrik im Plauenschen Grund sowie mit Puddlingswalzwerk in Obercarsdorf an der Roten Weißeritz im Aufbau. Ab 1830 nahm das Puddlingwalzwerk den Betrieb auf, im Hüttenwerk schmolz man ab 1842 in Sachsens erstem Steinkohlenkoks-Hochofen Roheisen, woraufhin 1846 anlässlich eines Königsbesuchs der Titel „König-Friedrich-August-Hütte“ verliehen wurde. Die Verwendung einheimischen Steinkohlenkokses und die Produktion gebrauchsfähiger gegossener oder gewalzter Eisenprodukte war ein bahnbrechender Schritt für die Unabhängigkeit der sächsischen Industrie. D. erhielt für seine unternehmerischen Initiativen hochdotierte Auszeichnungen, erlangte mit seinen Freiherrlich von Burgker Steinkohlen- und Eisenhüttenwerken große gesellschaftliche Reputation sowie Einfluss in höchste Regierungs- und Unternehmerkreise. Ein unternehmerischer Erfolg blieb D.s Eisenhüttenwerken jedoch versagt, da sich kostspielige Rohstoffimporte, dezentrale Produktionsstandorte sowie schlechte Transportwege betriebswirtschaftlich derart negativ auswirkten, dass weder der Hochofen noch das Walzwerk mittelfristig in Betrieb bleiben konnten. – Auch auf sozialem Gebiet war D. tätig. Für seine Bergarbeiter und Beamten führte er den Knappschaftszwang ein, um mit dem von seinen Vorfahren begründeten Unterstützungsfonds ein Mindestmaß an sozialer Absicherung im Invaliditäts- oder Todesfall zu bieten und andererseits die Betriebsbindung zu fördern. Die Uniformierung mit bis dahin im sächsischen Steinkohlenbergbau unüblichem Paradehabit hob das soziale Prestige der als Kohlenarbeiter minder Geachteten. Eine Knappschaftskapelle förderte das Gemeinschaftsgefühl und entwickelte sich zur kulturellen Institution. Zur Ausbildung bergmännischen Nachwuchses gründete D. eine Bergschule, förderte das Schulwesen seines Rittergutsbezirkes und nahm sein Kirchenpatronat sehr ernst. Beachtlich war die von D. in Zentraladministration geführte gemeinschaftliche Verwaltung aller seiner Unternehmungen, zu denen neben Gruben- und Eisenhüttenbetrieb auch Land- und Forstwirtschaft, für kurze Zeit auch ein Glas- bzw. Mühlenunternehmen gehörten. In Anlehnung an das sächsische Herrscherhaus erhob der aus Krankheitsgründen einen Teil an Verantwortung abgebende D. 1849 seinen Sohn Arthur zum gleichberechtigten „Mitregenten“ der Freiherrlich von Burgker Steinkohlen- und Eisenhüttenwerke. D.s montantechnische Visionen, die er mit Informationsreisen durch Westeuropa, Anwerbung ausländischer Fachkräfte, gezielter Vergrößerung der Grubenfelder und tatkräftiger Förderung infrastruktureller Entwicklungen langfristig, unbeirrt und kostspielig v.a. im Eisenhüttenbereich umsetzte, beförderten entscheidend die sächsische Industrialisierung. Die D. nachfolgenden Generationen führten als eines der wohlhabendsten sächsischen Adelsgeschlechter die Freiherrlich von Burgker Steinkohlenwerke, die 1930 die Kohlenförderung einstellten, bis 1945 fort.



Q  Sächsisches Staatsarchiv - Hauptstaatsarchiv Dresden, 10168 Grundherrschaft Burgk.

L  J. Voigtmann (Hg.), Museumsführer Städtische Sammlungen Freital, 2003, S. 41-52; J. Puls, Lebensbahnen. Historische Streifzüge durch die frühen Jahrhunderte der Freitaler Region, in: Sonderausstellung Lebensbahnen - 800 Jahre Ersterwähnung von Potschappel, Döhlen und Wurgwitz, hrsg. von den Städtischen Sammlungen Freital, Freital 2006, S. 49-52 (P). – DBA II, III; DBE 2, S. 447; NDB 3, S. 521.

P  Carl Friedrich August Freiherr Dathe von Burgk als Bauherr der Freiherrlich von Burgkschen Steinkohlen- und Eisenhüttenwerke, Lithografie nach einem verschollenen Gemälde von F. Rayski, 1835, Städtische Sammlungen Freital (Bildquelle).



Juliane Puls
24.3.2015


Empfohlene Zitierweise:

Juliane Puls, Dathe von Burgk (bis 1822 Krebs), Carl Friedrich August Freiherr, in:
Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V., bearb. von Martina Schattkowsky,
Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/ (26.3.2017)

Wikipedia Link