Boso
Bischof von Merseburg
1.11.970 in Bayern (?) Dom zu Merseburg

GND: 102422907


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Das Wirken des ersten Merseburger Bischofs B. (primus ecclesiae pater nostrae) erschließt sich in erster Linie über die Informationen des Merseburger Chronisten und späteren Bischofs Thietmar. B. stammte aus Bayern und begann seine geistliche Laufbahn als Mönch im Kloster St. Emmeram in Regensburg. König Otto I. berief ihn in seine Dienste; vermutlich wirkte er als Kapellan an der Hofkapelle. Für seine Verdienste erhielt er Zeitzer Einkünfte. Nahe bei Zeitz ließ B. eine steinerne Kirche errichten und bezeichnete den Ort mit seinem eigenen Namen. Es könnte sich um den Ort Bosau oder wahrscheinlicher um Buosenrod handeln. Ferner wurde B. bereits vor seiner Erhebung zum Bischof umfangreiches Lehngut übergeben, das zu den Kirchen in Merseburg, Memleben, Dornburg und Kirchberg gehörte. Aufgrund seiner Sprachkenntnisse scheint er besonders erfolgreich bei den Slawen dieses Gebiets missioniert zu haben. Für seine Helfer übersetzte er Anweisungen für den Gottesdienst ins Slawische. Diesbezüglich mag ihm seine Erziehung und Ausbildung in Regensburg geholfen haben. Die Regensburger Kirche unterhielt traditionell intensive Beziehungen zu den slawischen Gebieten im Osten. Vom besonderen Vertrauen des Kaisers gegenüber B. zeugt die Tatsache, dass Otto I. ihm die Wahl für eines der neu zu gründenden Bistümer überließ. Nach Thietmar konnte B. zwischen Merseburg, Zeitz und Meißen wählen. Eine schriftliche Anweisung Ottos I. an die Bischöfe und weltlichen Herrschaftsträger Sachsens - vermutlich in Italien verfasst - spricht nur von Merseburg und Zeitz. B. entschied sich für die Merseburger Kirche, weil sie laut Thietmar die „friedlichste” (pacificus) von allen sei. Das Schreiben Ottos I. legt den Verdacht nahe, dass B. an der Organisation der neu zu errichtenden Magdeburger Kirchenprovinz zumindest zeitweise in Italien mitwirkte. Die Wahl für Merseburg dürfte außerdem auch darauf zurückzuführen sein, dass der Ort bezüglich der baulichen Gegebenheiten die besten Voraussetzungen für die Einrichtung eines Bistums zu bieten hatte. Neben der guten Verkehrsanbindung verfügte Merseburg im 10. Jahrhundert über mehrere Kirchen, das Peterskloster, Pfalzen, einen Königshof, vielleicht mehr als eine Burg und Höfe von Adligen. Steinbauten unterstrichen den civitas-Charakter des Orts, der zur Einrichtung eines Bistums notwendig war. Am 25.12.968 weihte Erzbischof Adalbert von Magdeburg B. zum Bischof. B. verwaltete sein Amt nur knapp zwei Jahre. Er soll seinen Dienst mit Eifer versehen haben. Kaiser Otto I. kümmerte sich intensiv um das Gedeihen seiner Gründung, indem er dem Bistum die zur Stadt Merseburg gehörigen Dörfer und die Burg Magdeborn südlich von Leipzig schenkte. Otto II. überließ B. außerdem die von seinem Vater errichtete Kirche in Helfta, die der hl. Radegunde, einer thüringischen Prinzessin (518-587), geweiht war. B. hat wahrscheinlich auch in der Umgebung der königlichen Burg Altenburg gewirkt, wovon die Ortsgründung Buosendorf zeugt. B. starb auf einer Reise nach Bayern. Sein Leichnam wurde nach Merseburg gebracht und vor dem Hochaltar der Domkirche bestattet.



Q  Monumenta Germaniae Historica, Scriptores, Bd. 10, Chronica episcoporum ecclesiae Merseburgensis, hrsg. von G. H. Pertz, Hannover 1852, S. 157-212; Das alte Merseburger Todtenbuch, hrsg. von E. Dümmler, in: Neue Mittheilungen aus dem Gebiet historisch-antiquarischer Forschungen 11/1867, S. 244; Monumenta Germaniae Historica, Diplomata: Die Urkunden Konrad I., Heinrich I. und Otto I., hrsg. von T. Sickel, Hannover 1879-1884; Monumenta Germaniae Historica, Scriptores rerum Germanicarum, Nova Series, Bd. 9, Die Chronik des Bischofs Thietmar von Merseburg und ihre Korveier Überarbeitung, hrsg. von R. Holtzmann, Berlin 1935 (ND München 1996); Monumenta Germaniae Historica, Libri memoriales et necrologia, Nova Series, II, Die Totenbücher von Merseburg, Magdeburg und Lüneburg, hrsg. von G. Althoff/J. Wollasch, Hannover 1983.

L  A. Hauck, Kirchengeschichte Deutschlands, Bd. 3, Berlin/Leipzig 1952, S. 95-99; W. Schlesinger, Merseburg, in: Deutsche Königspfalzen 1/1963, S. 158-206; J. Fleckenstein, Die Hofkapelle der deutschen Könige, Teil 2, Stuttgart 1966, S. 44f. u.ö.; D. Claude, Geschichte des Erzbistums Magdeburg bis in das 12. Jahrhundert, 2 Bde., Köln/Wien 1972, 1975; W. Schlesinger, Kirchengeschichte Sachsens im Mittelalter, Bd. 1, Köln/Wien 21983, S. 24f. u.ö.; G. Althoff, Adels- und Königsfamilien im Spiegel ihrer Memorialüberlieferung, München 1984, S. 233f. u.ö.; K. Blaschke, Die Christianisierung des Landes östlich der Saale, in: Herbergen der Christenheit 1989/90, Berlin 1990, S. 63-89; E.-D. Hehl, Merseburg - eine Bistumsgründung unter Vorbehalt, in: Frühmittelalterliche Studien 31/1997, S. 96-119; G. Althoff, Magdeburg - Halberstadt - Merseburg, in: ders./E. Schubert (Hg.), Herrschaftspräsentation im ottonischen Sachsen, Sigmaringen 1998, S. 267-293; W. Georgi, Die Bischöfe der Kirchenprovinz Magdeburg zwischen Königtum und Adel im 10. und 11. Jahrhundert, in: F.-R. Erkens (Hg.), Die Früh- und Hochmittelalterliche Bischofserhebung im europäischen Vergleich, Köln/Weimar/Wien 1998, S. 87-101; W. Huschner, Transalpine Kommunikation im Mittelalter, 3 Bde., Hannover 2003. – ADB 3, S. 188f.; NDB 2, S. 482; Dictionnaire d’Histoire et de Géographie ecclésiastiques 9/1937, Sp. 1325-1327; Lexikon für Theologie und Kirche 2/1994, Sp. 611.



Peter Neumeister
24.3.2005


Empfohlene Zitierweise:

Peter Neumeister, Boso, in:
Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V., bearb. von Martina Schattkowsky,
Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/ (27.5.2017)

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