Das Wirken des ersten Merseburger Bischofs B. (primus ecclesiae pater nostrae) erschließt sich in erster Linie über die Informationen des Merseburger Chronisten und späteren Bischofs Thietmar. B. stammte aus Bayern und begann seine geistliche Laufbahn als Mönch im Kloster St. Emmeram in Regensburg. König Otto I. berief ihn in seine Dienste; vermutlich wirkte er als Kapellan an der Hofkapelle. Für seine Verdienste erhielt er Zeitzer Einkünfte. Nahe bei Zeitz ließ B. eine steinerne Kirche errichten und bezeichnete den Ort mit seinem eigenen Namen. Es könnte sich um den Ort Bosau oder wahrscheinlicher um Buosenrod handeln. Ferner wurde B. bereits vor seiner Erhebung zum Bischof umfangreiches Lehngut übergeben, das zu den Kirchen in Merseburg, Memleben, Dornburg und Kirchberg gehörte. Aufgrund seiner Sprachkenntnisse scheint er besonders erfolgreich bei den Slawen dieses Gebiets missioniert zu haben. Für seine Helfer übersetzte er Anweisungen für den Gottesdienst ins Slawische. Diesbezüglich mag ihm seine Erziehung und Ausbildung in Regensburg geholfen haben. Die Regensburger Kirche unterhielt traditionell intensive Beziehungen zu den slawischen Gebieten im Osten. Vom besonderen Vertrauen des Kaisers gegenüber B. zeugt die Tatsache, dass Otto I. ihm die Wahl für eines der neu zu gründenden Bistümer überließ. Nach Thietmar konnte B. zwischen Merseburg, Zeitz und Meißen wählen. Eine schriftliche Anweisung Ottos I. an die Bischöfe und weltlichen Herrschaftsträger Sachsens - vermutlich in Italien verfasst - spricht nur von Merseburg und Zeitz. B. entschied sich für die Merseburger Kirche, weil sie laut Thietmar die „friedlichste” (pacificus) von allen sei. Das Schreiben Ottos I. legt den Verdacht nahe, dass B. an der Organisation der neu zu errichtenden Magdeburger Kirchenprovinz zumindest zeitweise in Italien mitwirkte. Die Wahl für Merseburg dürfte außerdem auch darauf zurückzuführen sein, dass der Ort bezüglich der baulichen Gegebenheiten die besten Voraussetzungen für die Einrichtung eines Bistums zu bieten hatte. Neben der guten Verkehrsanbindung verfügte Merseburg im 10. Jahrhundert über mehrere Kirchen, das Peterskloster, Pfalzen, einen Königshof, vielleicht mehr als eine Burg und Höfe von Adligen. Steinbauten unterstrichen den civitas-Charakter des Orts, der zur Einrichtung eines Bistums notwendig war. Am 25.12.968 weihte Erzbischof Adalbert von Magdeburg B. zum Bischof. B. verwaltete sein Amt nur knapp zwei Jahre. Er soll seinen Dienst mit Eifer versehen haben. Kaiser Otto I. kümmerte sich intensiv um das Gedeihen seiner Gründung, indem er dem Bistum die zur Stadt Merseburg gehörigen Dörfer und die Burg Magdeborn südlich von Leipzig schenkte. Otto II. überließ B. außerdem die von seinem Vater errichtete Kirche in Helfta, die der hl. Radegunde, einer thüringischen Prinzessin (518-587), geweiht war. B. hat wahrscheinlich auch in der Umgebung der königlichen Burg Altenburg gewirkt, wovon die Ortsgründung Buosendorf zeugt. B. starb auf einer Reise nach Bayern. Sein Leichnam wurde nach Merseburg gebracht und vor dem Hochaltar der Domkirche bestattet.