Ziegler (Zigler, von Ziegler, von Ziegler und Klipphausen, Laterensis) Bernhard (Bernard, Bernardus)
Hebraist, Theologe, Superintendent, Visitator, markgräflich brandenburg-ansbachischer Rat
* 10.11.1496 Gauernitz 2.1.1552 Leipzig Leipzig, Universitätskirche St. Pauli(kath., später ev.)
VCaspar (zu Gauernitz, später zu Polenz und Taubenheim) († 1518), herzoglich sächsischer Hauptmann und Ratsherr in Friesland, Amtmann von Schellenberg, GesandterMKatharina, geb. von Miltitz (zu Scharfenberg)GCaspar (auch: Christoph) (zu Frauendorf) († 1569/1571); Anna, verh. von Schönberg (zu Reichenau) († nach 1537); Katharine (belegt 1518)Anna, geb. von Krosigk († nach 1552)Ku.a. Christoph (zu Berbisdorf)
GND: 130524794





Z. zählte zu den engen Freunden und Unterstützern Martin Luthers und Philipp Melanchthons. Seine Zeitgenossen rühmten ihn als seiner Zeit bedeutendsten Hebraisten im Umfeld der Wittenberger Reformatoren. In dieser Eigenschaft sowie auch als Theologe entfaltete er seine umfangreiche Lehrtätigkeit an den hohen Schulen und Universitäten in Liegnitz (poln. Legnica), Ansbach und Leipzig. Darüber hinaus trug er maßgeblich zur Reformation in der Markgrafschaft Brandenburg-Ansbach bei und gehörte zudem zu den von Luther konsultierten Sprachexperten bei der Revision der ersten deutschen Bibelübersetzung. – Z. entstammte einem ehemaligen Bürgergeschlecht der Stadt Dresden, dem es in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts begünstigt durch den erzgebirgischen Silberbergbau gelungen war, in den niederen Adel aufzusteigen. Später wurde die Familie unter dem Namen „von Ziegler und Klipphausen“ in der Oberlausitz, in Preußen und in Schlesien ansässig. Über die Kindheit Z.s, die er wohl auf dem väterlichen Rittergut und Familienstammsitz Gauernitz verbrachte, ist nichts bekannt. Er wird erstmals schriftlich erwähnt, als er sich 1512 gemeinsam mit seinem Bruder an der Universität in Leipzig einschrieb. Sein Theologiestudium beschloss er 1521 mit dem Grad eines Magisters. Aus diesem Anlass wird Z. in der Leipziger Matrikel als Bruder des Klosters Altzelle (frater Cellenses) unter den Mitgliedern des Leipziger Bernhardskollegs, einer Studieneinrichtung und Unterkunft der sächsischen Zisterzienser in Leipzig, genannt. Wann er aber in das Kloster Altzelle eintrat, bleibt unbekannt. Einzig seine Leichenpredigt, die Joachim Camerarius d.Ä. verfasste und hielt, gibt an, dass ihn bereits seine Eltern in das Kloster gaben. – Wohl in Leipzig wurde Z. Zeuge der ersten Ereignisse um die reformatorischen Bestrebungen Luthers. Er scheint bald um 1521 dessen Anhänger geworden zu sein, wenngleich er auch zunächst Mitglied und ab 1525 sogar Provisor des Bernhardskollegs blieb. Während dieser Zeit wurde er Schüler des Konvertiten Antonius Margaritha, der sich schon einmal vor seinem wesentlich besser dokumentierten Sachsen-Aufenthalt in den 1530er-Jahren neben Leipzig auch in Altzelle als Lehrer der hebräischen Sprache betätigt haben muss. Diese Begegnung initiierte Z.s spätere Tätigkeit als Hebraist. Ob und in wieweit auch Margarithas antijüdischen Äußerungen Einfluss auf die Lehre Z.s hatten, ist bisher unerforscht. – 1526 empfahl Melanchthon dem schlesischen Herzog Friedrich II. von Liegnitz Z. für die Professur der Theologie an der neu gegründeten, aber wenige Jahre später wieder aufgelösten Universität in Liegnitz. Dort lehrte Z. fortan neben Valentin Trozendorf, Valentin Krautwald, Conrad Cordatus, Johann Rurer und Theodor Bibliander. Bereits 1529 liefen jedoch die von Luther unterstützten Verhandlungen um einen Ruf Z.s an die neu zu gründende höhere Schule in Ansbach in der gleichnamigen brandenburgischen Markgrafschaft. Dorthin siedelte Z. noch im gleichen Jahr mit seiner Familie über. Hier baute er zusammen mit dem Gräzisten Vincentius Obsopoeus und dem Latinisten Christoph Pistor die neue Schule auf, lehrte Theologie und die hebräische Sprache und wurde mit dem Probstamt am St. Gumbertusstift in Ansbach, der wichtigsten geistlichen Einrichtung der Markgrafschaft, ausgestattet. Gegen den Widerstand der ansässigen Priesterschaft setzte er in Ansbach, unterstützt vom markgräflichen Kanzler Georg Vogler, die evangelische Glaubenslehre durch. Man betraute ihn darüber hinaus als Superintendent und markgräflicher Rat u.a. mit der Visitation von Klöstern und Pfarrkirchen sowie mit der Leitung einer Gutachterkommission für eine neue Kirchenordnung. Somit ist Z. ein maßgeblicher Anteil an der Reformation in der Markgrafschaft Brandenburg-Ansbach zuzurechnen. – Als 1539 mit dem Regierungsantritt Herzog Heinrichs (der Fromme) und des offiziell eingeführten Augsburger Bekenntnisses in Sachsen auch die Leipziger Universität reformiert werden sollte, wurde Z. wiederum von Melanchthon für die dortige Professur des Hebräischen empfohlen. Hermann Jordan vermutete dahinter die Absicht Luthers, den wohl inzwischen zum wichtigsten Hebraisten des mitteldeutschen Raumes avancierten Z. leichter zur Konsultation bei der Revision der ersten deutschen Bibelübersetzung heranziehen zu können, was dann 1540/41 auch nachweislich geschah. 1540 begann Z. als Dozent in Leipzig mit Lesungen in Theologie und Hebraistik. Er erhielt das Bernhardskolleg, indem er noch selbst als Student gelebt hatte, als privates Wohnhaus. Wohl nur so ist es zu erklären, dass er 1542 wieder als Provisor des Kollegs bezeichnet wird. Als er 1541 das Bakkalaureat beziehungsweise Lizentiat absolvierte und sich 1543 zum Doktor der Theologie promovierte, übernahm er schließlich 1544 auch eine theologische Professur an der Leipziger Universität und bekleidete darüber hinaus mehrfach das Amt des Dekans der Theologischen Fakultät. Nicht zuletzt wurde er von Herzog Moritz von Sachsen neben anderen Gelehrten mit der Beförderung der ins Stocken gekommenen Reformation der Leipziger Universität betraut. – Während seiner Zeit in Leipzig disputierte Z. regelmäßig zu theologischen Problemstellungen und thematisierte die in dieser Zeit im Reich ausgefochtenen Streitigkeiten um die Rechtfertigungslehre. Besonders in den Auseinandersetzungen um das Augsburger Interim, das Kaiser Karl V. 1548 als Reichsgesetz erlassen hatte und das auch zu Differenzen innerhalb der evangelischen Gelehrtenwelt führte, schlug sich Z. auf die Seite der Philippisten. Der namengebende Melanchthon hatte im Auftrag Kurfürst Moritzʼ von Sachsen als Alternative zum Interim die „Leipziger Artikel“ entworfen, die neben evangelischen Glaubensgrundsätzen auch Zugeständnisse an verschiedene katholische Positionen vorsah. Dazu gehörte beispielsweise die Beibehaltung der lateinischen Messe. Letztere verteidigte auch Z. in Reden und Druckschriften, die ganz seinem Wesen entsprachen, für eine vorsichtige Umsetzung der Reformation zu streiten. Durch seine Ausführungen fühlte sich jedoch v.a. der Gnesiolutheraner Nikolaus von Amsdorf angegriffen, der daraufhin mindestens eine Streitschrift gegen Z. verfasste. Noch schärfer wurde jedoch die Auslegung von Bibelstellen im „Osiandrischen Streit“ ausgefochten. Eine Disputation, die Z. am 6.6.1549 in Leipzig gehalten und die auch das Thema der göttlichen Schöpfung berührt hatte, interpretierte Andreas Osiander, der zuvor noch mit Z. befreundet gewesen war, als Verteidigung der Thesen Matthias Lauterwalds und damit als Angriff auf seine eigene Person und Lehre. Derartige Absichten Z.s lassen sich jedoch nicht nachweisen und auch den Königsberger Theologieprofessor erwähnt er in seiner Abhandlung nicht. Osiander verfasste seine offen gegen Z. gerichtete Streitschrift „Epistola“, in der er versuchte, die Aussagen Z.s anhand von konträren Bibelstellen ad absurdum zu führen. In daraufhin abgefassten Beschwerdebriefen an Herzog Albrecht von Preußen verurteilte Z. die Streitschrift gegen sich als Versuch Osianders, die Einheit der Kirche zu gefährden. – Z. starb nach kurzer Krankheit in Leipzig und wurde am 2.1.1552 in der dortigen Universitätskirche St. Pauli beigesetzt. Seine theologische und hebraistische Bibliothek vermachte er der Leipziger Universität. Die Versorgung seiner Witwe und hinterlassenen Kinder erbat Melanchthon bei Markgraf Albrecht II. Alkibiades von Brandenburg-Kulmbach, dem Neffen von Z.s einstigem Ansbacher Gönner Georg (der Fromme).



Q  J. Camerarius d.Ä., Oratio Uber der leich deß Ehrwirdigen und Edlen Herrn Bernhardten Ziglers …, Leichenpredigt, Leipzig 1566.

W  De hac sententia, fide iustificari homines coram deo absque merito operum, Leipzig 1544; Themata ordinariae disputationis de discrimine veteris et novi testamenti ex XXXI., Leipzig 1544; Themata ordinariae disputationis proposita …, Leipzig 1545; De bonis operibus disputatio, Leipzig 1545; De sacramento Altaris seu Coena dominica et Missa, Leipzig 1548; Themata de sacerdotio et sacrificiis in ecclesia Christi, Leipzig 1549; De Regno Dei Spirituali Et Aeterno, Leipzig 1549; Disputatio de dicto quod extat in cap. XIV Joh. „si quis diligit me, sermonem meum servabit“, Leipzig 1549; mit P. Melanchthon, Disputatione duae, prima de iusticia fidei, secunda de bonis operibus, Leipzig 1549; mit J. Menzel, De perpetua Doctrina regni Christi, hoc est, ecclesiae, Disputatio, Leipzig 1549; De sacerdotio et sacrificiis in ecclesia Christi, Leipzig 1549; Oratio de coniunctione et unitate Christianorum, Leipzig 1549; (Hg.), Zwo Predigten des Ehrwirdigen herren Doctoris Martini Lutheri, Leipzig 1551; Disputatio de lege, propositis capitibus de natura, usu, distinctione illius, Leipzig 1551.

L  H. Jordan, Reformation und gelehrte Bildung in der Markgrafschaft Ansbach-Bayreuth, Teil 1, Leipzig 1917; M. Stupperich, Osiander in Preussen 1549-1552, Berlin/New York 1973, S. 53-61; G. Zimmermann, Schmähgedichte zur Auseinandersetzung mit Bernhard Z., in: Andreas Osiander d.Ä., Gesamtausgabe, Bd. 9: Schriften und Briefe 1549 bis August 1551, hrsg. von G. Müller/G. Seebaß, Gütersloh 1994, S. 209-215; ders., Andreae Osiandri epistola, in qua confutantur nova quaedam et fanatica deliramenta, in: ebd., S. 221-241; E. Bünz, Kloster Altzelle und das Bernhardskolleg in Leipzig, in: T. Graber/M. Schattkowsky (Hg.), Die Zisterzienser und ihre Bibliotheken, Leipzig 2008, S. 247-288; J. Bergmann, Laterensis - Ein Kurzporträt des Hebraisten, Theologen und fast vergessenen Reformators Bernhard Z. (1496-1552), in: Archiv für Familiengeschichtsforschung 15/2011, H. 2, S. 61-66. – DBA I; C. G. Jöcher (Hg.), Allgemeines Gelehrten-Lexicon, Bd. 4, Leipzig 1751, Sp. 2198; J. H. Zedler (Hg.), Grosses vollständiges Universal-Lexicon aller Wissenschafften und Künste, Bd. 62, Halle/Saale u.a. 1749, Sp. 555f.

P  Bernhard von Z., frühes 17. Jahrhundert, Kupferstich, Österreichische Nationalbibliothek Wien, Bildarchiv und Grafiksammlung, Inventar-Nr. PORT_00112045_01, Digitaler Portraitindex der druckgraphischen Bildnisse der Frühen Neuzeit (Bildquelle).



Jan Bergmann
1.6.2017


Empfohlene Zitierweise:

Jan Bergmann, Ziegler (Zigler, von Ziegler, von Ziegler und Klipphausen, Laterensis), Bernhard (Bernard, Bernardus), in:
Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V., bearb. von Martina Schattkowsky,
Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/ (21.10.2017)

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