Littmann Max Bernhard
Architekt
* 3.1.1862 Schloßchemnitz 21.9.1931 München München, Nordfriedhof(ev.)
VBernhard (1829-1894), KaufmannMEmilie Hulda, geb. Heinig (1829-1886)GHans (1859-1860); Clara Emilie, verh. Siegert (* 1860); Johanna, verh. Heyde (* 1864)1891 Ida, geb. Heilmann (1871-1944)SS Curt (1893-1901); Walter Georg Max (1899-1900)TGertrud, verh. Proebst (1892-1980)
GND: 118728598





L. gilt als einer der profiliertesten Baumeister der beiden Jahrzehnte vor dem Ersten Weltkrieg. Obwohl in Sachsen geboren, gilt er als typischer Vertreter der damaligen Münchener Baukunst, dessen Betätigungsfeld jedoch weit über die bayerische Hauptstadt hinausreichte. So schuf er u.a. in Dresden mit dem „Circus-Theater 5000“ den ersten festen Zirkusbau Europas. – L.s Geburtshaus stand in der damaligen Inselstraße 1 in Schloßchemnitz (seit 1880 Stadtteil von Chemnitz). Bereits im Jahr nach seiner Geburt zog die Familie in die Johannesgasse 6, wo der Vater 1877 bis 1884 einen Eisen- und Werkzeughandel betrieb. L. besuchte das Realgymnasium in Chemnitz. Am 9.6.1876 wurde er in der dortigen St. Jakobikirche konfirmiert. Bereits frühzeitig zeigte sich sein künstlerisches Talent, womit er der Familientradition folgte: L.s Großvater soll 1812 bis 1846 Muster für Kattundrucke entworfen haben; seine Mutter entstammte einer Architektenfamilie. L.s Großonkel Johann Traugott Heinig hatte 1836 bis 1838 das alte Chemnitzer Stadttheater (Schauspielhaus) erbaut. – Ab Herbst 1878 ging L. in die Bauabteilung der Königlichen Höheren Gewerbeschule Chemnitz, wo er 1882 seinen Abschluss machte. Parallel dazu absolvierte er seit 1878 eine Maurerlehre in der Firma Arndt & Tröge in Chemnitz. Bereits in jenen Jahren fertigte L. eine Reihe von Studienarbeiten zu Wohnbauten an. 1882/83 folgte eine kurze Militärzeit als „Einjähriger“ sowie weitere Studien in Dresden in der Hochbauabteilung des Königlich Sächsischen Polytechnikums, wo er von seinen Lehrern Robert Weisbach und Alfred Moritz Hauschild gefördert wurde. Aus dieser Zeit sind erste kleinere grafische Werke erhalten, etwa der Entwurf zu einer Neujahrskarte vom Dezember 1884 mit der Silhouette Dresdens oder die Entwürfe für eine Beteiligung an der Ausschreibung für den Neubau der Petrikirche und der Umgestaltung des Schillerplatzes in Chemnitz, die er jedoch nicht für sich entscheiden konnte. – Nach seiner Ausbildung bereiste L. Bayern, Italien und Frankreich. Ausgestattet mit einem Empfehlungsschreiben ging der junge Architekt 1885 nach München, wo er die Ausschreibung für ein Privathaus gewann. 1888 ließ sich L. dort dauerhaft als freischaffender Architekt nieder. Zunächst arbeitete er zusammen mit Albin Lincke und Feodor Elste, u.a. an der Festhalle für das VII. Deutsche Turnfest (1889). Allgemeine Anerkennung fand L. v.a. durch den Bau einer Wohnanlage am Isarkai (1890-1892). 1892, ein halbes Jahr nach seiner Hochzeit, meldete er zusammen mit seinem Schwiegervater, dem Unternehmer Jakob Heilmann, die Firma Heilmann & Littmann an. – München blieb L.s privater und beruflicher Lebensmittelpunkt bis zu seinem Tod, auch wenn er weit über die bayerischen Grenzen hinaus tätig wurde. Chemnitz hat L. nach dem Tod der Eltern kaum mehr besucht. Ihr Grabstein auf dem Chemnitzer Friedhof war ein Entwurf L.s. Allerdings scheint L. mit dem Chemnitzer Stadtbaurat Richard Möbius über Jahre in Kontakt gestanden zu haben: 1909 reiste er als Theaterfachmann an, um bei der Behebung von Schwierigkeiten am von Möbius erbauten Theater in Chemnitz zu helfen. Ein Bauwerk aber wurde von L. in seiner Heimatstadt nicht errichtet, was später mehrfach bedauert wurde. – Erste überregionale Bedeutung gewann L. mit dem Bau des Hofbräuhauses (1896/97) und des Prinzregententheaters in München (1900/01). Es folgten zahlreiche in der zeitgenössischen Literatur ausführlich gewürdigte Bauten, darunter herrschaftliche Villen, Geschäfts-, Waren- und Wohnhäuser, Bierpaläste, Verbindungshäuser, Banken, medizinische Bauten und Theater, auch außerhalb Bayerns. L.s Entwurf für das Schauspielhaus in Dresden (1910) wurde jedoch nicht realisiert, anders als das Gebäude für den Zirkus Stoch-Sarrasani (1911/12), das architektonisch zwischen Theater und Festhalle angesiedelt werden muss. Am 22.12.1912 wurde das „Circus-Theater 5000“ am damaligen Königin-Carola-Platz als erster fester Zirkusbau Europas in Anwesenheit der königlichen Familie mit einer Wohltätigkeitsveranstaltung eingeweiht. Am 13.2.1945 durch die Luftangriffe zerstört, wurde das Gebäude nach dem Krieg nicht wieder aufgebaut. Nur die 1991 so benannte Sarrasani-Straße und das 1996 eingeweihte Sarrasani-Denkmal erinnern heute noch an den einstigen Standort von L.s Bau. – V.a. im Bereich des Theaterbaus und der Bäderarchitektur hat der „geschmackvolle Eklektiker“ (Münchener Post 27.1.1932) Bahn brechendes geleistet. Geschickt verstand L., Stilelemente des Jugendstils mit denen des Barock, der Renaissance oder der Klassik zu verbinden - jeweils passend zur Umgebung. Technisch waren seine Bauten zukunftsweisend. Als einer der ersten verwendete er neue Baustoffe wie Eisenbeton und stand etwa mit seinen beiden Münchener Kaufhäusern (nach Berlin die zweiten ihrer Art in Deutschland), Bankgebäuden oder medizinischen Bauten am Anfang der Entwicklung eines neuen Gebäudetyps, der architektonische Schönheit mit Funktionalität vereinte. 1905 meldete L. das „Variable Proszenium“ für Theater als Patent an. – L. war nicht nur Baukünstler, der das Bauwerk als Gesamtkunstwerk bis ins kleinste Detail der Innenausstattung plante, sondern verkörperte bereits den modernen Architektentypus und war Generalmanager im heutigen Sinn mit einem großen Baubüro. Als Teilhaber der Firma Heilmann & Littmann, die den Bau gewissermaßen als Gesamtpaket anbot, konnten die Werke stets in kurzer Zeit und für den Bauherrn äußerst komfortabel fertiggestellt werden. Ein Teil der Gebäude L.s ist verloren; andere wurden nach dem Zweiten Weltkrieg in vereinfachter Form wieder aufgebaut bzw. modernisiert. Zudem verfasste L., der verschiedenen beruflichen und geselligen Vereinigungen angehörte, zahlreiche theoretische Abhandlungen und Beschreibungen seiner Bauten. – Seine Bautätigkeit wurde gewürdigt durch die Verleihung des Professorentitels (1902) und die Ernennung zum Württembergischen Geheimen Hofrat für die Errichtung des Stuttgarter Theaters (1912). Auf der Weltausstellung in St. Louis (USA, 1904) und auf der XI. Internationalen Kunstausstellung München (1913) erhielt er jeweils eine Goldmedaille; dazu kamen zahlreiche Ordensverleihungen in Bayern, Preußen, Braunschweig, Mecklenburg sowie in Sachsen-Weimar-Eisenach, wo er seit 1908 Träger des Komturkreuzes des Hausordens der Wachsamkeit oder der Weißen Falken war. – 1932 wurde ein eigener Littmann-Saal im Deutschen Theatermuseum München eröffnet, der jedoch im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde. Im Isartal erinnert die Littmann-Bank mit Gedenkstein (1934) an L., im Regentenbau in Bad Kissingen eine Bronzetafel mit seinem Porträt (1941). Am 29.4.1987 wurde eine Plastik von Erika Matthes aus Zwickau in der Technischen Universität Chemnitz enthüllt. In München und Bad Kissingen erinnern Straßenamen an L. – Die von L. mitbegründete Firma hatte mehr als ein Jahrhundert Bestand. Heilmann & Littmann, ab 1980 Heilit+Woerner Bau AG, war in den letzten Jahren des 20. Jahrhunderts mit mehr als 9.500 Mitarbeitern eine der größten Baufirmen Deutschlands und als solche u.a. beteiligt am Wiederaufbau des Dresdner Schlosses, des Dresdner Flughafens oder federführend der Dresdner Frauenkirche. 2001 wurde Heilit+Woerner von der Augsburger Walterbau AG übernommen, die ihrerseits 2005 Insolvenz anmelden musste.



Q  Archiv des Architekturmuseums der Technische Universität München, Bestand L., Nachlass; Deutsches Theatermuseum München, Teilnachlass L.; Staatsarchiv Würzburg, Innere Verwaltung Landbauamt Bad Kissingen.

W  Wohnanlage am Isarkai München, 1890-1892, zerstört; Taubstummenanstalt München, 1894/95, zerstört; Pschorr-Bierhallen München, 1895/96, zerstört; Hofbräuhaus München, 1896/97; Mathäser-Saalbau München, 1898/99, zerstört; Kurhaus Bad Reichenhall, 1898-1900; Orlandohaus München, 1899; mit A. Linke/F. Elste, Festhalle VII. Deutsches Turnfest München, 1899, nicht erhalten; Villa Diesel München, 1899-1901; Schauspielhaus München, 1899-1901; Prinzregententheater München, 1900/01; Villa Lindenhof München, 1900-1903; Psychiatrische Klinik München, 1902-1904; Textilhaus Roman Mayr München, 1903, zerstört; Tapeten-Fischer München, 1903/04; Warenhäuser Oberpollinger und Tietz München, 1904/05; Kurtheater Bad Kissingen, 1904/05; Schillertheater, Berlin-Charlottenburg 1904-1907, zerstört; Hoftheater Stuttgart, Großes Haus und Kleines Haus, 1904-1912, Kleines Haus zerstört; Verlagshaus Münchner Neueste Nachrichten München, 1905/06, 1926-1929; Anatomie München, 1905-1908; Hoftheater Weimar, 1905-1908; Stadttheater Posen, 1905-1910; Dresdner Bank München, 1906/07; Preußische Gesandtschaft/Schack-Galerie München, 1906-1909; Künstlertheater München, 1908, zerstört; Stadttheater Hildesheim, 1908/09, zerstört; Maxbrunnen Bad Kissingen, 1908-1912; Stadttheater Bozen, 1908-1918, zerstört; Wandelhalle Bad Kissingen, 1910/11; Regentenbau Bad Kissingen, 1910-1913; Cirkus Theater 5000 Dresden, 1911/12, zerstört; Residenzschloss Weimar, Südflügel, 1912-1914; Badeanstalt/Kurhotel Bad Schachen, 1924-1929; Landestheater Neustrelitz, 1924-1928; Kurhausbad Bad Kissingen, 1925-1927; Kurmittelhaus Bad Reichenhall, 1927/28. – Schriften: Das königliche Hofbräuhaus am Platzl in München, München 1897; Das königliche Kurhaus in Bad Reichenhall, München 1900; Das Münchner Schauspielhaus, München 1901; Das Prinzregenten-Theater in München, München 1901; Zwei Münchener Warenhausbauten, München ca. 1905; Das königliche Theater in Bad Kissingen, München 1905; Amphitheater, in: Die Volksunterhaltung. Zeitschrift für die gesamten Bestrebungen auf dem Gebiete der Volksunterhaltung 7/1905, H. 3, S. 33-35; Das Charlottenburger Schiller-Theater, München; Das variable Proszenium für Oper, Tondrama und Schauspiel, München; Künstlerische Fragen der Schaubühne, München 1907; Das Großherzogliche Hoftheater in Weimar, München 1908; Das Münchner Künstlertheater, München 1908; Das Stadttheater in Hildesheim, München 1909; Die Königlichen Hoftheater in Stuttgart, Darmstadt 1912; Theater- und Saalbauten, in: München und seine Bauten, hrsg. vom Bayerischen Architekten- und Ingenieur-Verein, München 1912, S. 232-246; Sparsames Mauern, in: Süddeutsche Bauzeitung 31/1921, S. 22f.; Das Landestheater in Neustrelitz in Mecklenburg, München 1928.

L  G. J. Wolf, Max L., München 1931; B.-P. Schaul, Das Prinzregententheater in München und die Reform des Theaterbaus um 1900, München 1987; C. Oelwein, Max L., Petersberg 2013. – DBA I, II, III; NDB 14, S. 711f.; DBE 6, S. 428; Thieme-Becker Bd. 23, Leipzig 1999, S. 291; Vollmer, Bd. 3, Leipzig 1999, S. 246; AKL, Bd. 85, Berlin 2015, S. 64; www.stadtlexikon-stuttgart.de

P  Max L., T. Hilsdorf, 1926, Fotografie, München, Privatbesitz C. Oelwein.



Cornelia Oelwein
13.5.2019


Empfohlene Zitierweise:

Cornelia Oelwein, Littmann, Max Bernhard, in:
Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V.
Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/ (26.6.2019)

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