Weinart Benjamin Gottfried
Jurist, Historiker, Bibliograf
* 4.5.1751 Dohna 1.12.1813 Dresden
VBenjamin Gottfried (1715-1795), Pastor in Dohna
GND: 118023837

Nach dem Besuch der Lateinschule in Pirna studierte W. in Leipzig Rechtswissenschaft. 1774 erwarb er den Magistergrad. Seit 1776 war er als Advokat in Dresden tätig, nahm 1779 die Stelle des gräflich Hoymschen Amtmanns in Ruhland/Oberlausitz und später die eines Reußischen Amtmanns in Guteborn, Grünwald und Schwarzbach an. 1797 erfolgte zudem seine Ernennung zum kurfürstlich sächsischen Finanzprokurator in den Ämtern Senftenberg, Finsterwalde und Doberlug. Nach 1798 lebte W. als Rechtskonsulent und Privatgelehrter in Dresden bzw. auf seinem Weinberg in Kötzschenbroda. – Seine Amtspflichten und seine Tätigkeit als Advokat ließen W. genügend Zeit, sich seinem eigentlichen Interesse - der Erforschung der sächsischen Landesgeschichte - zu widmen. Neben der sächsischen Rechtsgeschichte galt sein Augenmerk der Sammlung von Quellen und dem Verzeichnen von Literatur zur allgemeinen sächsischen Geschichte. Hervorzuheben ist seine „Neue Sächsische Historische Handbibliothek“, eine zweibändige Sammlung von Urkunden und Literatur zur sächsischen Geschichte. Seinen Ruf als bedeutender Bibliograf erwarb er sich mit dem „Versuch einer Litteratur der Sächsischen Geschichte und Staatskunde“ (1790/91), einem Verzeichnis von einigen tausend Monografien und Zeitschriftenaufsätzen. Bis zum Erscheinen der „Bibliographie zur Sächsischen Geschichte“ von Rudolf Bemmann und Jakob Jatzwauk in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts war W.s Bibliografie ein unentbehrliches Hilfsmittel. Ergänzt wurde dieses Verzeichnis durch seine 1802 erschienene „Litteratur des Staatsrechts und der Statistik von Sachsen“. W. veröffentlichte neben Monografien zur Rechtsgeschichte zahlreiche Aufsätze in einer Reihe von Zeitschriften, u.a. in den „Dresdner gelehrten Anzeigen“ und dem „Wittenberger Wochenblatt“. Am bekanntesten wurde W. aber wohl mit seiner „Topographischen Geschichte der Stadt Dresden und der um dieselbe liegenden Gegenden“. Darüber hinaus versuchte er sich auch als Redakteur. Doch scheiterten die Fortführung des 1767 von Anton Friedrich Büsching begründeten „Magazins für die neuere Historie und Geographie“ und die 1798 von ihm selbst ins Leben gerufenen „Annalen der Rechtswissenschaft“ aufgrund fehlender Abonnenten. Einige Werkmanuskripte - darunter auch solche ungedruckter Arbeiten - befinden sich im Bestand der Sächsischen Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek Dresden.



W  Neue Sächsische Historische Handbibliothek, 2 Bde., Leipzig 1776-1784; Topographische Geschichte der Stadt Dresden und der um dieselbe liegenden Gegenden, 8 Hefte, Dresden 1777-1781; Lehnrecht des Markgrafthums Oberlausitz, 2 Bde., Dresden/Leipzig 1785-1788; Versuch einer Litteratur der Sächsischen Geschichte und Staatskunde, 2 Bde., Dresden/Leipzig 1790-1791; Rechte und Gewohnheiten der beyden Markgrafthümer Ober- und Niederlausitz, 4 Bde., Leipzig 1793-1798; Über die kursächsische Steuerverfassung, Leipzig 1800; Litteratur des Staatsrechts und der Statistik von Sachsen, 2 Bde., Meißen 1802.

L  ADB 55, S. 15-18; DBA I.



Reinhardt Eigenwill
10.4.2006


Empfohlene Zitierweise:

Reinhardt Eigenwill, Weinart, Benjamin Gottfried, in:
Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V., bearb. von Martina Schattkowsky,
Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/ (29.4.2017)

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