Auf dem Höhepunkt seiner Machtstellung um 1723 umfasste das im preußischen Halberstadt ansässige Familienunternehmen von L. Filialen in Dresden, Hannover, Wien, Hamburg und Amsterdam. Der Hoffaktor L. hatte den Erwerb der polnischen Krone sowie die Entfaltung des kulturellen Glanzes des Augusteischen Zeitalters mit Vorschüssen in Millionenhöhe finanziert und die jüdische Gemeinde in Dresden begründet. – Nach anfänglicher Zusammenarbeit mit dem einflussreichen Hoffinanzier Leffmann Behrens in Hannover, den er als seinen Vetter bezeichnete, machte sich L. selbstständig; ohne wesentliches eigenes Vermögen gelang ihm dank der engen Beziehungen zu Kurfürst Friedrich August I. ein steiler Aufstieg. 1696 als kursächsischer Hofjude privilegiert, erhielt L. bereits 1697 mit der Ernennung zum polnischen Residenten im niedersächsischen Reichskreis den geschäftlich außerordentlich wichtigen und relativ selten verliehenen Diplomatenstatus. Als Mitglied der großen Halberstädter Gemeinde war L. zugleich hoch geschätzter preußischer Schutzjude und wirkte als Hofbankier für die Welfen in Hannover und Wolfenbüttel, für den Polenkönig Stanisław Leszczyński sowie für andere Fürsten und adlige Herren. Den geschäftlichen Höhepunkt bildete jedoch die Geldbeschaffung im Zuge der polnischen Königswahl Friedrich Augusts I. von 1697. Mit Leffmann Behrens in Hannover an der Abtretung der Lauenburger Erbansprüche durch den sächsischen Kurfürsten beteiligt, verkaufte L. im Alleinauftrag in Berlin die kursächsischen Rechte am Reichsstift Quedlinburg und der Reichsstadt Nordhausen sowie das Amt Petersberg bei Halle an Preußen. Auch an sämtlichen späteren finanziellen Transaktionen wie etwa der Verpfändung des Amts Borna an Sachsen-Gotha oder des kursächsischen Anteils der Grafschaft Mansfeld an Kurhannover war L. maßgeblich beteiligt. Im Nordischen Krieg fungierte er mit seinen Verwandten Jonas Meyer und Lazarus Hirschel als unverzichtbarer Geld- und Heereslieferant. Neben Geldleihe und Juwelenhandel mit der Hofgesellschaft beschaffte L. insbesondere bedeutende Kredite für die glanzvolle sächsisch-polnische Hofhaltung und finanzierte - teilweise über seine Unteragenten - den Kauf von Luxusgütern wie etwa die Kunstwerke Johann Melchior Dinglingers. Als Sicherheit wurden L. in der Regel Staatseinkünfte in Sachsen und Polen im Voraus verpfändet; 1699 erhielt er pfandweise die sächsischen Ämter Gommern und Elbenau. Der zeitweilige Erwerb der fürstlichen Herrschaft Lissa in Posen 1715, aus rechtlichen Gründen unter dem Protektorat des kursächsischen dirigierenden Ministers Jacob Heinrich Graf von Flemming, bildete den Höhepunkt der Machtstellung des Hauses Lehmann. Vom Konkurs der Brüder Behrens in Hannover 1721 in Mitleidenschaft gezogen, geriet L. zunehmend unter Druck. Nach seinem Tod löste sich sein Firmenimperium in verschiedene Einzelunternehmen auf. – Gegen die Widerstände in Regierung und Stadt erhielt L. 1708 für sich, seine Familie und die zahlreichen Bediensteten das Niederlassungsrecht in Dresden. Sein Schwager und Bevollmächtigter Jonas Meyer sowie später sein ältester Sohn Lehmann Behrend begründeten die dortige jüdische Gemeinde und durften seit 1711 dank einer Ausnahmeregelung jüdischen Privatgottesdienst in ihrem Haus abhalten. – Immer wieder nutzte L. erfolgreich seine Beziehungen und zahlreichen Reisen, um wichtige Vergünstigungen für seine Glaubensgenossen zu erreichen. Die Halberstädter Gemeinde verdankt ihm ein Wohn- und Studierhaus für jüdische Gelehrte mit Bibliothek und Synagoge. In Frankfurt/Oder finanzierte L. den ersten Talmuddruck in Deutschland mit einer Auflage von 5.000 Exemplaren, die er größtenteils an junge Schriftgelehrte verschenkte.