Wellner Carl August
Tischlermeister, Metallwarenfabrikant
* 2.5.1824 Auerhammer bei Aue 25.5.1909 Aue Aue, Städtischer Friedhof(ev.)
VChristian Gottlieb sen. (1795-1857), Metallwarenfabrikant, Begründer der Firma GOWEMJohanne Sophie Christiane, geb. Unger (1794-1866?)G6 u.a. Johanna Erdmuthe (* um 1828); Christian Gottlieb jun. (1831-1914), Metallwarenfabrikant, Inhaber der Firma GOWE1851 Christiane Caroline, geb. Schott (1830-1872)SErnst Emil (1853-1911), Möbelfabrikant; Ernst Albin (1858-1925), Vorstandsmitglied und Direktor der Metallwarenfabrik August Wellner Söhne AG; Gustav Emil (1860-1929), Betriebsleiter; Herman (1862-1890); Richard Paul (1866-1925), Vorstandsmitglied und Direktor der Metallwarenfabrik August Wellner Söhne AGTIda Marie, verh. Gaedt (1864-1943), anfangs Teilhaberin der Metallwarenfabrik August Wellner Söhne AG
GND: 127899480





W. war ein Pionier der maschinellen Herstellung neusilberner Tafelbestecke. Mit seiner Firma „Carl August Wellner“ in Aue schuf er die Grundlage für die Anfang des 20. Jahrhunderts zu weltweiter Bekanntheit gelangte „Sächsische Metallwarenfabrik August Wellner Söhne“, die neben Arthur Krupp (Berndorf bei Wien), WMF in Geißlingen, Christophle in Paris und den Sheffielder Besteckfabriken zu den führenden Unternehmen in der Herstellung von Bestecken und Tafelwaren gehörte. – Die Grundlage der Wellnerschen Unternehmen legte W.s Vater Christian Gottlieb sen., der zunächst einige Jahre als Arbeiter in verschiedenen Chemiefabriken um Aue, u.a. bei Ernst August Geitner, beschäftigt war, bevor er seit ca. 1840 selbst mit der Herstellung von Neusilber begann. Daraus entwickelte sich die von ihm in der Zainhütte in Auerhammer eingerichtete und von W.s Bruder, Christian Gottlieb jun., weitergeführte Firma GOWE. W. selbst erlernte zunächst das Tischlerhandwerk. Anschließend ging er sieben Jahre auf Wanderschaft und erwarb 1854 seinen Meisterbrief, bevor er sich für das Metallgewerbe entschied. Dem Tischlerhandwerk blieb er insofern treu, als er mit dem Stuhlbauer Christian Becher eine Stuhl- und Möbelfabrik gründete, die er 1872 seinem Sohn Ernst übergab. – Aus der Firma GOWE seines Vaters übernahm W. als ältester Sohn die Schmelzhütte mit der Fertigwarenproduktion, die am 18.6.1854 unter dem Namen „Carl August Wellner“ als eigenes Unternehmen gegründet wurde. Der aus Thüringen zugewanderte Carl Friedrich Hutschenreuter hatte W.s Schwester Erdmuthe geheiratet und 1852 gleichfalls einen Betrieb zur Fertigung von Neusilberwaren gründet. Zusammen mit der Firma von W.s Bruder befanden sich alle drei Unternehmen im Auer Tal in unmittelbarer Nachbarschaft. W.s Firma begann wie alle Wellnerschen Unternehmen als Handwerksbetrieb, in dem alle Familienmitglieder mitarbeiteten. W.s Frau kam 1872 bei einem tragischen Betriebsunfall ums Leben. Zunächst stellte W. aus den von der benachbarten Argentanfabrik GOWE gelieferten Neusilberblechen u.a. Pfeifen- und Stockbeschläge her. Nach und nach entstand so eine große Metallwarenfabrik. Aus dem anfänglich kleinen Löffelproduzenten entwickelte sich ein großer Besteckhersteller, der neben diesem Hauptzweig auch ein umfangreiches Sortiment an Hotel- und Tafelgeräten (Schüsseln, Terrinen, Weinkühler, Essig- und Ölgestelle etc.) anbot und seine Erzeugnisse in alle Welt verkaufte. Ende der 1920er-Jahre war W. mit fast 60 Niederlassungen und Musterausstellungen im In- und Ausland vertreten, u.a. in Amsterdam, Athen, Budapest, London, Paris, Riga, Rom, Stockholm, aber auch im Nahen Osten (Beirut, Jaffa und Kairo), in Kapstadt sowie in Mittel- und Südamerika (Bogota, Buenos Aires, Havanna, Rio de Janeiro, San Salvador etc.). Wellner-Produkte waren außer in vielen Privathaushalten v.a. in internationalen Grandhotels, aber auch in Sanatorien, Kaffeehäusern, Restaurants, Kasinos oder auf Luxusdampfern der internationalen Schifffahrtsgesellschaften in Gebrauch. Darüber hinaus trat W. seit Anfang des 20. Jahrhunderts mit der Herstellung von Halbfabrikaten im Bereich der Walzwerkerzeugnisse hervor, die zunächst für den Eigenbedarf, später dann auch zum Verkauf an die weiterverarbeitende Industrie produziert wurden. – 1884 hatte W. ein Grundstück in der Nähe der alten Schmelzhütte gekauft, das im Lauf der Jahre zu einem weitläufigen Fabrikgelände anwuchs. Der gelernte Handwerker W. war ein Pragmatiker, dem es v.a. um die hohe Qualität seiner Produkte ging. Die kaufmännische Seite des Geschäfts erfuhr erst nach dem Eintritt seines Schwiegersohns Peter Paul Gaedt die gebührende Beachtung. 1892 übergab W. 67-jährig die Geschäfte an seine Kinder Albin, Paul und Marie. Der Firmenname wurde in „Sächsische Metallwarenfabrik August Wellner Söhne“ geändert. Sein Schwiegersohn wurde Prokurist und 1895 Teilhaber der Firma.



Q  Kreisarchiv Aue, Wellner/Auer Besteck- und Silberwarenwerke (ABS); Sächsisches Wirtschaftsarchiv Leipzig, U 71, 1928-1990; Sächsische Landesstelle für Volkskultur Schneeberg, Wellner/ABS, Original Wellner. Hauptmusterbuch Nr. 270 [s.a.].

L  D. v. Nathusius, Deutsche Besteck-Industrie, hrsg. von der Sächsischen Metallwarenfabrik August Wellner Söhne AG Aue, Aue 1924 (P); S. Sieber, Die Neusilberindustrie von Aue, in: Glückauf 45/1925, H. 3, S. 42-56 (P); A. Fritz, Die Sächsische Metallwarenfabrik August Wellner Söhne in Aue, Diplomarbeit HTWK Leipzig 2004 [MS].

P  Carl August W., Fotografie, Firmenarchiv Wellner (Bildquelle).



Shirley Brückner
11.7.2013


Empfohlene Zitierweise:

Shirley Brückner, Wellner, Carl August, in:
Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V., bearb. von Martina Schattkowsky,
Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/ (11.12.2017)

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