Kaden Wilhelm August
MdR, MdL, SPD-Politiker, Zigarrenfabrikant, Verleger
* 26.9.1850 Naundorf bei Großenhain 21.6.1913 Dresden(ev.)
VKarl Traugott (1812-1883), Arbeiter, Tagelöhner, Schafmeister auf dem Rittergut NaundorfM(1812-1882), WirtschafterinG8 1.1. aus Rastatt († 1882)SFelix (1872-1964), Gewerkschaftssekretär in Bautzen 2.1892 Hedwig, geb. Krause (1872-1941), Wirtschaftsgehilfin aus DresdenSFritz; Werner; Hans (1903-1928); RolandTDora (1897-1912); Wally; Rosa
GND: 133215024

K. besuchte 1856 bis 1860 die Dorfschule Naundorf und danach bis 1864 die Zweite Bürgerschule Großenhain. Bereits während seiner Schulzeit (seit 1857) arbeitete er als Zurichter und Zigarrenblattabstreicher in einer Zigarrenfabrik. Nach dem Schulabschluss 1864 folgte eine Lehre als Zigarrenarbeiter in Großenhain. 1867 ging K. auf Wanderschaft, die ihn nach Holland, in die Schweiz und nach Süddeutschland führte. An deren Ende ließ er sich in Rastatt/Baden nieder. 1874 siedelte er nach Dresden über, wo er bis 1883 bei der Firma Collenbusch als Zigarrenarbeiter tätig war. Im Sommer 1883 eröffnete K. ein eigenes Zigarrengeschäft in Dresden und arbeitete bis zu seinem Tod 1913 als Zigarrenfabrikant unter dem Namen „August Kaden & Co“. K. gründete - vermutlich in Teilhaberschaft - eine Zigarrenfabrik in Kötzschenbroda bei Dresden, wohin er 1892 zog. Ab 1893 galt er als Alleininhaber der Fabrik. 1897 erfolgte ein weiterer Umzug nach Obergohlis bei Dresden, womit auch die Verlegung der Fabrik dorthin verbunden war. – K. war seit 1865 gewerkschaftlich im Deutschen Tabakarbeiterverband organisiert und trat 1867 dem Allgemeinen Deutschen Arbeiterverein (ADAV) bei, für den er v.a. in seiner Zeit in Baden aktiv agitierte. 1873 gründete er mit zwei Genossen einen Zweigverein des ADAV in Rastatt, im Jahr darauf organisierte er den Wahlkampf für die Partei und trat auf Versammlungen auf. Mit seiner Übersiedlung nach Dresden 1874 setzte K. sein aktives politisches Engagement fort, zuerst v.a. für die 1875 vollzogene Vereinigung von ADAV und SDAP zur Sozialistischen Arbeiterpartei Deutschlands (SAP), die 1890 in SPD umbenannt wurde. Bei der Entscheidung, nach Dresden zu gehen, dürfte auch der Umstand eine Rolle gespielt haben, dass sein Schwager Max Kayser zu dieser Zeit in Dresden als Redakteur des sozialdemokratischen „Volksboten“ arbeitete. 1880 wurde K. zum Vorsitzenden der aufgrund des sog. Sozialistengesetztes (1878) illegalen sozialdemokratischen Parteileitung in Dresden-Neustadt gewählt. Deshalb war er in den Wahlkämpfen durch die örtliche Polizei mit einem Redeverbot belegt. Zudem wurde er wegen seines politischen Engagements von den Dresdner Unternehmern 1882 auf die „schwarze Liste“ gesetzt, wodurch er in Dresden und Umgebung keine Arbeit mehr fand. Hierin dürfte einer der wesentlichen Gründe für seine 1883 erfolgte berufliche Selbstständigkeit gelegen haben. Allerdings verbarg sich hinter dieser Gründung auch eine Strategie der verbotenen SAP, die in den Jahren des Sozialistengesetzes (1878-1890) die wirtschaftliche Unabhängigkeit von Funktionären aktiv unterstützte, um diesen das Engagement in und für die Partei zu ermöglichen. Vermutlich finanzierte die Partei teilweise auch K.s Unternehmensgründung. Sein Geschäft in der Markgrafenstraße wurde ein wichtiger Treffpunkt der Dresdner Parteimitglieder. Aufgrund seiner konsolidierten und für die Parteiarbeit sehr wichtigen Stellung erfolgte 1883 erstmals K.s Nominierung als Kandidat für den Sächsischen Land- und den Deutschen Reichstag. 1885 bis 1897 war er Abgeordneter des Sächsischen Landtags für den Wahlkreis Dresden 4. Zu den zentralen Themen seiner Arbeit zählten das Bildungs- und Armenwesen, die Entlohnung von staatlichen Angestellten und die Versicherung der Arbeiter. Zudem wurde er in den folgenden Jahren als Vertreter der Dresdner SAP/SPD auf verschiedene Parteitage (1887, 1889, 1890-1912) und Kongresse entsandt, etwa 1889 auf den Gründungskongress der Zweiten Internationale nach Paris und 1904 den Internationalen Sozialistischen Kongress in Amsterdam. Der Parteitag in Halle/Saale 1890 wählte K. zum Mitglied der zentralen Kontrollkommission der SPD, deren Vorsitz er 1906 bis 1913 innehatte. Im selben Jahr wurde er in Sachsen Mitglied der Pressekommission und verlegte bis zu seinem Tod das auflagenstarke sozialdemokratische Parteiorgan „Sächsische Arbeiterzeitung“ (ab 1908 „Dresdner Volkszeitung“). 1898 rief die Partei zudem den eigenständigen Verlag mit Druckerei „Kaden & Co“ in Dresden ins Leben, von dem die Zeitung fortan gedruckt wurde. K. gründete den Verlag im Auftrag der SPD und war formaljuristisch dessen Eigentümer, real aber nur ein Teilhaber. „Kaden & Co“ entwickelte sich in den folgenden Jahren zu einem der einflussreichsten sozialdemokratischen Verlage im Deutschen Reich und unterstützte die Arbeit der SPD v.a. strukturell. Zudem bot er Perspektiven und Arbeitsplätze für den politischen Nachwuchs. So war beispielsweise Karl Sindermann, der für die SPD 1909 bis 1922 als Abgeordneter im Sächsischen Landtag und zudem 1903 bis 1907 im Deutschen Reichstag saß, mehrere Jahre Geschäftsführer der Druckerei „Kaden & Co“. 1898 bis 1913 gehörte K. dem Deutschen Reichstag für den 4. sächsischen Wahlkreis (Dresden-Neustadt) an. Seit 1903 war er in der Budgetkommission. Außerdem befasste er sich mit straf- und zivilrechtlichen Fragen. 1906 wurde K. in den Vorstand der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion gewählt, in der er bis zu seinem Tod 1913 blieb. Dort oblag ihm die Funktion des Kassierers und die Verwaltung der Diäten. Außerdem gehörte er dem Gemeinderat in Kötzschenbroda und später in Gohlis an. Mit führenden deutschen Sozialdemokraten wie August Bebel, Paul Singer, Georg Horn, Friedrich Geyer und Ernst Schulze verband K. eine langjährige und enge Freundschaft. – K. zählt zweifelsohne zu den wichtigsten sächsischen Sozialdemokraten der ersten Generation, wenngleich er sich kaum programmatisch profilierte. Seine Stärken lagen vielmehr im organisatorischen Bereich, was sich langfristig in der erfolgreichen Professionalisierung der Struktur der SPD zeigte. K. hat maßgeblich an der Entwicklung eines Parteimodells mitgewirkt, welches den sächsischen Sozialdemokraten spätestens zur Reichstagswahl 1903 einen erheblichen Startvorteil gegenüber anderen Parteien verschaffte und das bis in die Gegenwart von den politischen Parteien in Deutschland praktiziert wird. Zudem entwickelte sich die unter seinem Namen gegründete Druckerei nach 1918 zum wichtigsten Verlagshaus des sächsischen Arbeitermilieus, in dem neben Zeitungen und Parteiliteratur auch Belletristik und Kinderbücher verlegt wurden.



Q  Stadtarchiv Dresden, Michaeliskartei; Stadtarchiv Radebeul, S 16-74; Stadtmuseum Dresden, Bibliothek, MS 289, 290.

L  O. Kühn, Erinnerungen aus sozialistengesetzlicher Zeit Dresdens, Dresden o.J., S. 11, 16f., 20f., 24-26; H. A. L. Degener (Hg.), Wer ist’s?, Leipzig 1905, S. 394; Reichstags-Handbuch. 13. Legislaturperiode, hrsg. vom Bureau des Reichstags, Berlin 1912, S. 287 (P); S. Lässig, „Mit jeder Faser seines Lebens gehörte er zur Arbeiterbewegung“, in: H. Grebing/H. Mommsen/K. Rudolph (Hg.), Demokratie zwischen Saale und Elbe, Düsseldorf 1993, S. 83-100; M. Schmeitzner/M. Rudloff, Geschichte der Sozialdemokratie im Sächsischen Landtag, Dresden 1997, S. 196; Vorschau und Rückblick. Monatsheft für Radebeul und Umgebung 9/1998, S. 18f.; M. Altner, Sächsische Lebensbilder, Radebeul 2001, S. 80f., 134. – DBA II, III; M. Schwarz, M.d.R. Biographisches Handbuch des Reichstages, Hannover 1965, S. 362; W. H. Schröder, Sozialdemokratische Reichstagsabgeordnete und Reichstagskandidaten (1898-1918), Düsseldorf 1986, S. 139, 258; ders., Sozialdemokratische Parlamentarier in den deutschen Reichs- und Landtagen 1867-1933, Düsseldorf 1995, S. 535; N. Weiß/J. Wonneberger, Dichter, Denker, Literaten aus sechs Jahrhunderten in Dresden, Dresden 1997, S. 93; E. Döscher/W. Schröder, Sächsische Parlamentarier 1869-1918, Düsseldorf 2001, S. 98, 104, 113, 117, 200, 262 (Bildquelle), 402, 470; Stadtlexikon Radebeul, hrsg. vom Stadtarchiv Radebeul, Radebeul 2006, S. 96.



Swen Steinberg
18.4.2007


Empfohlene Zitierweise:

Swen Steinberg, Kaden, Wilhelm August, in:
Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V., bearb. von Martina Schattkowsky,
Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/ (27.3.2017)

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