C. hat 35 Jahre lang in verschiedenen Ämtern des Stadtrats und schließlich als Bürgermeister den Wiederaufbau der im Dreißigjährigen Krieg schwer getroffenen Stadt Chemnitz betrieben. Seine Bemühungen galten nicht nur dem Bauwesen, sondern auch der Wirtschaft, Verwaltung und Kultur. Als Sohn des Chemnitzer Lateinschulrektors Balthasar Crusius, der des Kryptocalvinismus verdächtigt wurde, hatte C. ohne Aussicht auf Stipendien geringere Bildungschancen, besuchte aber dank seiner musikalischen Begabung die Kreuzschule in Dresden. Hier war er nach einem Studium in Leipzig als Adiuvant beschäftigt und erlebte somit die Blütezeit des Kreuzchors und der Musikkultur am Dresdner Hof unter Heinrich Schütz mit. 1634 wurde C. als Kantor und dritter Schulkollege an die Chemnitzer Lateinschule berufen und heiratete 1635 die Witwe seines Amtsvorgängers, Maria Greim. Zehn Jahre lang war C. nicht nur für den Musikunterricht der Schüler verantwortlich, sondern für die gesamte kirchliche und weltliche Musikkultur der Stadt. Davon zeugen auch laut seines Nachlassverzeichnisses ca. 500 Musikalientitel aus seiner etwa 200 Bücher umfassenden Bibliothek. Nach dem Tod seiner ersten Frau heiratete C. 1641 Maria Wetzel aus der Honoratiorenschicht der Stadt und wurde 1644 in den Rat gewählt, womit der Prozess der Akademisierung und des sozialen Wandels der bis dahin von Tuchmachern und Kaufleuten bestimmten städtischen Elite forciert wurde. In wechselnden Ämtern, 1648 bis 1662 auch als Stadtrichter und 1663 bis zu seinem Tod 1679 als Bürgermeister, vermochte C. zusammen mit seinen Amtskollegen, die durch den Krieg verminderte wirtschaftliche und politische Kraft der Stadt zu konsolidieren. Ein finanzieller Konkurs konnte vermieden werden. Außerdem gelang es, Privilegien und Rechte wenigstens teilweise zurückzugewinnen und gegen den erstarkenden Territorialstaat zu verteidigen, die Stadtverwaltung zu reformieren und die Infrastruktur wieder aufzubauen. Damit wurden die Voraussetzungen für einen wirtschaftlichen Aufschwung in Chemnitz geschaffen.
