Meiner Emil Arthur
Buchhändler, Verleger
* 26.6.1865 Gohlis bei Leipzig 23.12.1952 Leipzig(ref.)
VEmil (1837-1911), KaufmannMClara, geb. Kretschmann (1837-1877)GWalter (1881-1921), Arzt; Felix (1883-1964), Buchhändler, Verleger1894 Hertha, geb. Meißner (1878-1964)SWolfgang (1897-1977), Buchhändler, Verleger; Helmut (1901-1980), LandwirtTAnnemarie (1895-1985), Verlags- und Buchhistorikerin, Verlegerin
GND: 118732684

Nach dem Abitur 1885 begann M. eine Lehre als Verlagsbuchhändler bei F. Volckmar in Leipzig. Unterbrochen durch ein Studiensemester an der Leipziger Universität und eine einjährige Militärzeit setzte M. seine buchhändlerische Ausbildung in Koblenz und Paris fort, bevor er 1889 wieder nach Leipzig zurückkehrte und bei C. F. Amelangs Verlag volontierte. Im März 1890 kaufte M. vom ererbten Vermögen seiner früh verstorbenen Mutter den Verlag J. A. Barth, der seit dem Tod des letzten Barth-Inhabers 1887 vom Prokuristen der Firma geleitet worden war. M. gelang es in den Folgejahren, den Verlag zu einem der führenden naturwissenschaftlichen Verlage der Welt auszubauen. Neben dem Erwerb von Einzeltiteln anderer Unternehmen erfuhr die Firma J. A. Barth größere Erweiterungen durch den Ankauf anderer Verlage: 1892 Ambrosius Abel, Leipzig, 1905 Ernst Günther, Leipzig, 1908 Quandt & Händel, Leipzig, 1911 Leopold Voß, Hamburg/Leipzig, 1917 Curt Kabitzsch, Würzburg, 1928 Sortimentsbuchhandlung Robert Müller, Berlin, 1934 Hermann Meusser, Berlin. Die Mitarbeiterzahl stieg von drei auf ca. 80. Mit kaufmännischem Geschick und der Konzentration auf neue Forschungsgebiete im Zusammenhang mit der wissenschaftlichen Spezialisierung baute M. sein Unternehmen aus. Besonders der medizinische Bereich erfuhr eine Erweiterung, hierbei insbesondere auch der Zeitschriftensektor. So umfasste das Verlagsprogramm etwa 40 führende Fachzeitschriften, darunter die Zeitschrift für Tuberkulose (seit 1900), die Zentralblätter für Chirurgie, Gynäkologie und Innere Medizin (übernommen 1907), das Archiv für Geschichte der Medizin (seit 1907), die Zeitschrift der Endokrinologie (seit 1928) und das Zentralblatt für Neurochirurgie (seit 1936). Daneben war M. Initiator zahlreicher großer Handbücher, u.a. das der Tropenkrankheiten, der Hygiene, der Tuberkulose und der Physik. In der Blütezeit des Verlags erschienen jährlich etwa 100 Buchtitel und 90 bis 100 Zeitschriftenbände. Schwerpunkte bildeten physikalische, medizinische, psychologische sowie vor- und frühgeschichtliche Werke. Über 30 Nobelpreisträger, darunter Albert Einstein, Max Planck, Conrad Röntgen, Robert Koch und Wilhelm Ostwald, veröffentlichten in seinem Verlag. M. prägte den deutschen Buchhandel durch seine fast 40-jährige Tätigkeit in buchhändlerischen Einrichtungen in hohem Maß. So hatte er entscheidenden Anteil an der Gründung der Deutschen Bücherei Leipzig. Er suchte den heutigen Standort aus und gehörte 1913 bis 1925 deren Geschäftsführendem Ausschuss (1918-1924 als Vorsitzender) und Verwaltungsrat an. Im Vorfeld der Schaffung der Nationalbibliothek unternahm M. 1912/13 mehrere Reisen, um die Verleger in Deutschland, Österreich und der Schweiz zur unentgeltlichen Abgabe ihrer Verlagsprodukte zu bewegen. Der Verlag J. A. Barth gehörte zu den ersten Firmen, die ihre Bereitschaft zur kostenlosen Bücherabgabe an die Deutsche Bücherei erklärten und praktizierten. – M. bekleidete eine Vielzahl öffentlicher Ämter. Er war 1898 bis 1903 im Vorstand des Vereins der Buchhändler zu Leipzig. 1894 wurde M. in den Vorstand des Leipziger Verlegervereins gewählt, zwischen 1901 und 1904 hatte er hier den Vorsitz inne. Beim Zusammenschluss mit dem Deutschen Verlegerverein 1904 amtierte M. hier als Schatzmeister. 1910 bis 1916 und 1917/18 war er Erster Vorsitzender im Deutschen Verlegerverein. 1918 wurde M. als Erster Vorsteher des Börsenvereins der Deutschen Buchhändler zu Leipzig gewählt. Dieses Amt hatte er sechs Jahre inne. Auch außerhalb des Buchhandels war M. ehrenamtlich tätig. In Leipzig war er langjähriger Stadtverordneter (1907-1919) und stellvertretender Handelsrichter (1909-1915), gehörte zum Vorstand des Kunstvereins, war Mitglied im Gewandhausdirektorium wie auch im Konsistorium der Reformierten Kirche (1909-1923). Sein gemeinnütziges Wirken und wissenschaftliches Engagement wurden mit folgenden Anerkennungen und Auszeichnungen geehrt: königlich sächsischer Hofrat (1913), Dr. phil. h.c. (Gießen 1918), Dr. med. h.c. (Leipzig 1935), Ehrensenator der Universität Leipzig (1929). Die privaten Interessen M.s lagen auf künstlerischem Gebiet. Er sammelte Gemälde, grafische Blätter und Erstdrucke und war ein großer Musikliebhaber.



L  G. Menz, Die ersten Vorsteher des Börsenvereins der deutschen Buchhändler 1825-1925, Leipzig 1925, S. 150-154 (P); A. Meiner, Der Verlag Johann Ambrosius Barth seit 1890, in: Johann Ambrosius Barth Leipzig 1780-1930, Leipzig 1930, S. 151-203 (Bildquelle); dies., Zum Gedächtnis von Arthur M., in: Verlagsverzeichnis 1930-1955 Johann Ambrosius Barth 1780-1955, Leipzig 1955, S. 5-18 (P); 200 Jahre Johann Ambrosius Barth 1780-1980, Leipzig 1980, S. 53-74 (P); R. A. Bast, Die Buchhändler-Familie Meiner, Köln 1997. – DBA II, III; DBE 7, S. 35; NDB 16, S. 661-663; W. Fischer (Hg.), Biographische Enzyklopädie deutschsprachiger Unternehmer, Bd. 2, München 2004, S. 782.

P  Der Erste Geschäftsführende Ausschuss der Deutschen Bücherei, H. Vogel, 1916, Gemälde, Deutsche Bücherei Leipzig.



Marion Bähr
30.1.2006


Empfohlene Zitierweise:

Marion Bähr, Meiner, Emil Arthur, in:
Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V., bearb. von Martina Schattkowsky,
Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/ (28.3.2017)

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