Costantini (Mezzettino, Mézétin) Angelo
Schauspieler, Schriftsteller, Geheimer Kämmerer
* 1653 Verona (Italien) Ende 1729 Verona (Italien)
VOttavio Costantino (Gradelin), SchauspielerGGiovanni Battista (Cinthio), Schauspieler 1.1. 1680 Auretta, geb. Dorsi, Schauspielerin 2.1709 Livia, Sängerin
GND: 100845940






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Als Direktor und Erster Schauspieler der italienischen Theatertruppe am Hof Kurfürst Friedrich Augusts I. gehörte C. am Ende des 17. Jahrhunderts zu den bedeutendsten ausländischen Schauspielern in Dresden. – Seine ersten künstlerischen Erfolge erzielte der Veroneser Schauspieler der Commedia dell’Arte - des italienischen Improvisations- und Maskentheaters - in der Truppe des Herzogs Ranuccio Farnese II. von Parma, ehe er 27-jährig als Komödiant des florierenden „Théâtre italien“ in Paris als Harlekin debütierte und mit seinem Szenenstück „La vie de Scaramouche“ zu Erfolg gelangte. In Abgrenzung und Konkurrenz zu dem bereits bedeutenden Harlekinspieler Domenico Biancolelli, mit dem er sich die Auftritte im „Hôtel de Bourgogne“ teilte, entwickelte er eine eigene Variante der Mezzettino- (bzw. Mézétin-) Figur, die er im rot-weiß gestreiften Kostüm ohne Maske darbot. Als sich 1697 seine Truppe in Paris auflöste, trat er in Dienste Herzog Georg Wilhelms von Celle, wurde jedoch noch im selben Jahr als Direktor und Erster Schauspieler des italienischen Theaters nach Dresden berufen. Da das französische und italienische Sing- und Schauspiel immer mehr Eingang an den deutschen Höfen fand, übertrug Friedrich August I. C. nicht nur das Amt eines Geheimen Kämmerers, sondern auch das des kurfürstlich-königlichen Theaterarrangeurs und -commissionairs und sandte ihn zwischen 1697 und 1701 mehrmals zu Besorgungen in Theater- und Privatangelegenheiten nach Paris. Es ist ungeklärt, ob C. aufgrund einer Liebesbuhlerei um eine Geliebte Friedrich Augusts I. oder aufgrund einer falschen Rechnung in Ungnade des Herrschers fiel. Sicher ist, dass er am 15.2.1702 als Gefangener auf die Festung Königstein gebracht wurde. Schwer krank und von den Jahren der Haft gezeichnet, stellte C. Anfang 1707 einen ersten Antrag auf Freilassung, dem weitere folgten, bis er schließlich am 27.7.1708 entlassen wurde. Bereits kurze Zeit nach seiner Freilassung scheint C. die Gunst Friedrich Augusts I. wiedergewonnen zu haben: Er wurde erneut als Geheimer Kämmerer in kurfürstlich-königlichen Dienst genommen und mit Besorgungen in Theaterangelegenheiten betraut. Während der Anwesenheit des dänischen Königs Friedrich IV. 1709 in Dresden wurde u.a. C.s französisches Divertissement „Le theatre des plaisirs“, eine frühe Form des Opernballetts, aufgeführt. 1715 erfolgte durch C.s Vermittlung die Anwerbung der zwölfköpfigen italienischen Schauspielergesellschaft von Tommaso Ristori. Nachdem seine zweite Frau, die Sängerin Livia, nach nur zwei Jahren von der Oper verabschiedet wurde, verließ C. 1719 gemeinsam mit ihr Dresden und setzte sich unter Weiterbezahlung seines Gehalts in Verona zur Ruhe. 1724 wurde ihm jedoch die Pension entzogen, sodass er als 71-Jähriger wieder zum Theater gehen musste. Er spielte in Italien, London und Paris. Nach seiner letzten Vorstellung am 23.2.1729 in Paris („Arlequin empereur dans la lune“ von Nolant de Fatouville) verließ er die französische Metropole schwer verschuldet und starb gegen Ende desselben Jahres in Verona.



W  La vie de Scaramouche (Silvio Fiorilli), Paris 21695; Le Theatre des Plaisirs, Dresden 1709.

L  M. Fürstenau, Zur Geschichte der Musik und des Theaters am Hofe zu Dresden, Bd. 2, Dresden 1862 (ND Leipzig 1979); R. Prölss, Geschichte des Hoftheaters zu Dresden, Dresden 1878; G. Hansen, Formen der Commedia dell’Arte in Deutschland, Emsdetten 1984; V. Pandolfi, La Commedia dell’Arte, Bd. 5, Firenze 1988.

P  C. Vermeulen, Kupferstich, Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Kupferstichkabinett, Sächsische Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek Dresden, Abteilung Deutsche Fotothek (Bildquelle).



Katy Schlegel
11.5.2005


Empfohlene Zitierweise:

Katy Schlegel, Costantini (Mezzettino, Mézétin), Angelo, in:
Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V., bearb. von Martina Schattkowsky,
Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/ (23.8.2017)

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