Magnus Amalie Auguste (gen. Witwe Magnus)
geb. Groll
Schauspielerin, Prinzipalin
* Dezember 1812 Jöhstadt 7.6.1881 Großhartmannsdorf
Johann Joseph († 1849), Theaterdirektor
GND: 142686239





Ein Puppenspieler namens Magnus ist in Dresden schon 1776 bezeugt. Doch erst Mitte des 19. Jahrhunderts gelangte das Theater unter der Leitung von Johann Joseph und seiner Frau zu regionaler Bedeutung. M., die „Witwe Magnus“, ist noch heute als Alt-Dresdner Original in der Erinnerung lebendig. Um ihre Gestalt ranken sich zahlreiche Legenden, Fakten sind aber kaum bekannt. – M.s Ehemann hatte wohl von König Friedrich August II. die Konzession zum Betrieb eines Wandertheaters erhalten und spielte fortan in verschiedenen Lokalen, v.a. in Gasthöfen, in Dresden und Umgebung. M. führte nach dem Tod ihres Mannes die Bühne weiter, die unter ihrer Leitung zu sprichwörtlicher Berühmtheit gelangte. Im Repertoire fanden sich typische Volksstücke wie „Doktor Faust“, „Don Juan“ und eine „Genoveva“, aber auch „Der Freischütz“ sowie Stoffe aus der sächsischen Historie wie etwa „Kunz von Kauffungen oder der sächsische Prinzenraub“. Das Zugstück des Theaters war allerdings das von Friedrich Gerstäcker verfasste Ritterschauspiel „Kunibert von Eulenhorst, oder: Der geschundene Raubritter“ (1844), wie Schauer- und Spektakelstücke allgemein zur Spezialität von M. zählten. Typisch für ihre Aufführungen, die von Extempores (improvisierten Szenen) begleitet waren, war die lebhafte und temperamentvolle Beteiligung des Publikums, das auch das Recht hatte, in die Handlung einzugreifen, u.a. wurden Würstchen, Eier oder Bier auf die Bühne gereicht, das Werfen mit faulen Äpfeln musste durch Anschlag verboten werden. – Besonders hervorzuheben sind auch die bis zu 20 Vorstellungen täglich, die M. in einem Zeltbau auf der Dresdner Vogelwiese gab und die ihre Haupteinnahmequelle bildeten. Im Zuge von Versuchen, die Vogelwiese zu einem „gehobeneren“ Freizeitvergnügen umzugestalten, wurde M.s Theater 1867 verboten, später allerdings wieder erlaubt. Die Vorstellungen wurden, so besagt es zumindest eine Anekdote, auch von Angehörigen des Dresdner Hoftheaters besucht, das Gros des Publikums setzte sich aber aus Schiffern, Soldaten, Dienstmädchen und Lehrburschen zusammen. – Aus heutiger Sicht ist M.s Wirken v.a. aus kultur- und regionalhistorischer Perspektive interessant. Es im Vergleich zu dem hohen Kunstanspruch des Dresdner Hoftheaters als Schmierenkomödie zu verurteilen, wird der Eigenart des Theaters der Witwe M. allerdings nicht gerecht.



L  F. Gerstäcker, Der Freischütz, in: Fliegende Blätter 6/1847, Nr. 136, S. 121-125; Nr. 138, S. 138-141 und Nr. 139, S. 145-148; Kötzschenbrodaer Zeitung 19.12.1869, S. 403f.; Eine Volksfigur des alten Dresden, in: Deutsche Bühnengenossenschaft 10/1881, H. 27, S. 315; A. Brabant, Die Familie Magnus, in: Dresdner Geschichtsblätter 41/1933, Nr. 3/4, S. 132; H.-R. Doering-Manteuffel, Alt-Dresdner Vorstadtbühnen, in: Dresdner Neueste Nachrichten, Der Sonntag 8.4.1934, S. 1; H. Weise, „Witwe Magnus“ Musen-Mekka, in: Die Union. Dresdner Landeszeitung für Politik, Kultur, Wirtschaft und Sport 30.8.1980; H. Wozel, Das „Wilde Viertel“ auf der Dresdner Vogelwiese und seine Widerspiegelung in zeitgenössischen Darstellungen, in: Volkskunst 13/1990, Nr. 3, S. 61-65; M. Koch (Hg.), Frauen in Dresden, Dresden 1994; C. Heermann, Vom Schachtelhersteller zum Abenteuerautor, Friedrich Gerstäcker (1816-1872) in Dresden, in: Dresdner Neueste Nachrichten 6.6.1995, S. 7; L. Schließer, Wandertheater anno 1869, in: Vorschau und Rückblick. Monatsheft für Radebeul und Umgebung 1999, Nr. 10, S. 14f. – DBA III; W. Kosch, Deutsches Theater-Lexikon, Bd. 2, Klagenfurt/Wien 1960, S. 1327.



Corinna Kirschstein
8.10.2011


Empfohlene Zitierweise:

Corinna Kirschstein, Magnus, Amalie Auguste (gen. Witwe Magnus), in:
Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V., bearb. von Martina Schattkowsky,
Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/ (19.10.2017)

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