Fiedler Alfred Max
Lehrer, Volkskundler, Hausforscher
* 22.7.1903 Dresden 14.2.1983 Dresden
VFriedrich Max, Ratsmaurer, KleinwirtschaftsbesitzerMMaria Martha, geb. Zscheile1933 Else, geb. Wilmsen (1900-1991)TUta
GND: 1020907614





F. ließ sich nach dem Besuch einer Volks- und später Bürgerschule in Dresden am Freiherrlich von Fletcherschen Lehrerseminar in Dresden-Neustadt 1917 bis 1924 für den Lehrerberuf ausbilden. Nach vorübergehender Hauslehrertätigkeit und einer Anstellung als nicht ständiger Lehrer an der Dorfschule Struppen studierte er nach Ablegung der Wahlfähigkeitsprüfung 1928 bis 1933 an der Universität Leipzig Geschichte, Philosophie und Germanistik. Ausschlaggebend für die spätere Tätigkeit Fiedlers auf den Gebieten der sächsischen Landesgeschichte und Volkskunde war die Begegnung mit seinem Hochschullehrer Rudolf Kötzschke, der Vorlesungen über Landesgeschichte und Siedlungskunde hielt und das 1906 von seinem Vorgänger Karl Lamprecht gegründete Seminar für Landesgeschichte leitete. F. war einige Zeit Kötzschkes Hilfsassistent. Mit einer Untersuchung über die staatswissenschaftlichen Anschauungen und die politisch-publizistische Tätigkeit des Nachkantianers Wilhelm Traugott Krug wurde F. 1933 zum Dr. phil. promoviert. Anschließend war er bis zur Einberufung zum Kriegsdienst als Lehrer tätig. Daneben beschäftigte er sich mit regional- und kulturgeschichtlichen Themen und beteiligte sich mit Erhebungen an einer von Adolf Spamer ins Leben gerufenen Fragebogenaktion über Sitten und Bräuche. – 1945 wurde F. aus dem Schuldienst entlassen und entfaltete wenige Jahre später als Mitarbeiter des Instituts für Volkskunde Dresden (1948-1953) und anschließend bis 1962 als Abteilungsleiter am Institut für Volkskunstforschung in Leipzig eine vielseitige wissenschaftliche Arbeit auf den Gebieten Volkskunde und Volkskunstforschung. Den 1948 begonnenen Untersuchungen über die Entwicklung der ländlichen Bauweise schlossen sich Arbeiten über die Volkstracht, den Volkstanz und die sprachliche Überlieferung des Volks an. Über den letztgenannten Themenkomplex (Volkssprache, Sagen, Märchen, Schwank und Spruchgut) hielt er 1954 bis 1956 an der Universität Leipzig mehrere Vorlesungen. Außerdem veröffentlichte er mehrere diesbezügliche Studien. Ab 1962 arbeitete F. wieder in Dresden als wissenschaftlicher Abteilungsleiter des Instituts für Volkskunde (später Institut für Volkskunde und Kulturgeschichte) bei der Deutschen Akademie der Wissenschaften (ab 1972 Akademie der Wissenschaften der DDR). Hier war die bereits Ende der 1940er-Jahre begonnene hauskundliche Forschung ein Schwerpunkt seiner Arbeit. Dabei untersuchte er nicht nur das eigentliche Baugeschehen, sondern ging darüber hinaus auch dem Leben und Wirtschaften in Haus und Hof und den damit zusammenhängenden sozialen Problemen bei Krankheit und im Alter sowie der besonderen Situation der sog. Ackerbürger in den sächsischen Kleinstädten nach. Die Ergebnisse dieser Forschungen flossen in die leider sehr knappe, aber dennoch fundierte Darstellung über das Bauernhaus in Sachsen ein, die F. zusammen mit Jochen Helbig veröffentlichte. – Seit 1963 betreute F. als Mitglied des Ausschusses für deutsche Hausforschung bei der Deutschen Akademie der Wissenschaften die damals ins Leben gerufene Erfassungsaktion denkmalwürdiger Bauten auf dem Land. Als langjähriger Leiter des seit 1956 bestehenden Bezirksfachausschusses Volkskunde/Kulturgeschichte Dresden im Kulturbund der DDR regte er mit Erfolg Fachwissenschaftler und Laienforscher zum Gedankenaustausch und zu Untersuchungen über die Lebensweise verschiedener Berufsgruppen sowie zu anderen volkskundliche Fragestellungen an. In seinen letzten Lebensjahren befasste sich F. hauptsächlich mit der Erforschung der Geschichte einiger Dresdner Stadtteile.



Q  Sächsisches Staatsarchiv - Hauptstaatsarchiv Dresden, 13800 Nachlass Alfred Max F.

W  Die staatswissenschaftlichen Anschauungen und die politisch-publizistische Tätigkeit des Nachkantianers Wilhelm Traugott Krug, Diss. Dresden 1933; mit G. Thümmler/R. Weber, Klotzsche und seine Umgebung, [Klotzsche] 1949; Deutsche Volkstrachten, Leipzig 1954; mit R. Weinhold, Das schöne Fachwerkhaus Südthüringens, Leipzig 1956; Vom Stammbuch zum Poesiealbum, Weimar 1960; Deutsche Bauernschwänke, Leipzig 1965; mit J. Helbig, Das Bauernhaus in Sachsen, Berlin 1967.

L  M. Bachmann, Als Heimatforscher der Volkskultur verschrieben, in: Sächsische Heimatblätter 14/1968, S. 278; R. Weinhold, Alfred F. 65 Jahre, in: Deutsches Jahrbuch für Volkskunde 14/1968, T. 1, S. 99f.; Nachbemerkung zum 65. Geburtstag von Dr. Alfred F., in: Sächsische Heimatblätter 15/1969, S. 48 (WV); B. Schöne, Alfred F. zum Gedenken, in: Jahrbuch für Volkskunde und Kulturgeschichte 27/1984, S. 160f., auch in: Sächsische Heimatblätter 30/1984, S. 43f.; M. Schober, Dr. Alfred F. (1903-1983) und seine Beiträge zur volkskundlichen Erforschung der Sächsischen Schweiz, in: Sächsische Schweiz. Berichte des Arbeitskreises Sächsische Schweiz 7/1991, S. 35-40; ders., Dr. Alfred F. zum 100. Geburtstag, in: Sächsische Heimatblätter 49/2003, S. 236-238 (P).



Manfred Schober
25.1.2012


Empfohlene Zitierweise:

Manfred Schober, Fiedler, Alfred Max, in:
Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V., bearb. von Martina Schattkowsky,
Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/ (18.10.2017)

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