Kraut Alfred Karl
Schneider, Gauleiter des Roten Frontkämpferbunds, Gegner und Opfer des NS-Regimes
* 5.3.1901 Freiberg 29.9.1935 Meusdorf bei Leipzig Dresden, Heidefriedhof, Ehrenhain
VRichard Paul, Herrenschneider (* 1870)MAnna Emma, geb. Glöckner (1876-1933)GRichard Kurt (1895-1905); Richard Paul (1900-1976); Moritz Richard (1904-1983); Kurt Willy (1907-1982)1928 Minna Emilie Lisbeth, geb. Speck (1906-1987)SGünther (* 1929)
GND: 142477222

K. wuchs in Freiberg auf und besuchte dort die Volksschule. In Dresden erlernte er den Beruf eines Schneiders und arbeitete bei Schneidermeister Richard Ranisch. Im Oktober 1923 verlor er im Zuge der Hyperinflation seinen Arbeitsplatz und blieb viele Jahre erwerbslos. – 1921 wurde K. Mitglied der Kommunistischen Jugend Deutschlands, 1924 trat er der KPD, der Roten Hilfe Deutschlands und dem Roten Jungsturm (ab 1925 Rote Jungfront [RJ]), der Jugendabteilung des Roten Frontkämpferbunds (RFB), bei. Als Gruppenführer der RJ in Dresden-Neustadt erwarb er sich in der RJ-Ortsgruppe Groß-Dresden und auch bei der RJ-Gauleitung Ost¬sachsen Anerkennung. Auf der 3. RFB-Gaukonferenz im August 1926 wurde K. zum technischen Leiter des RJ-Gaus Ostsachsen gewählt. Auf der 4. Gaukonferenz im Februar 1927 trug er bereits als politischer Leiter den Tätigkeitsbericht des RJ-Gaus Ostsachsen vor. In dieser Funktion nahm er auch an der 4. RFB-Reichskonferenz im März 1927 in Düsseldorf teil. Im Jahr darauf wurde K. zum Besuch der KPD-Reichsparteischule in Dresden delegiert. Ab April 1928 setzte ihn die KPD-Bezirksleitung im Unterbezirk Dippoldiswalde zur Vorbereitung der Reichstagswahlen ein. Im Sommer desselben Jahrs übernahm K. auf Weisung der RFB-Bundesleitung die Funktion des politischen Leiters des RFB-Gaus Ostsachsen. Seine Wahl auf der 6. RFB-Gaukonferenz im Januar 1929 erfolgte einstimmig. Nach dem Verbot dieser Organisation im Mai 1929 blieb er ein führendes Mitglied der illegalen RFB-Gauleitung. – 1930 wurde K. in die Sowjetunion zu einem Lehrgang delegiert, den er aber aufgrund einer dort festgestellten Herzkrankheit nicht absolvieren konnte. Nach mehrwöchiger Erholungskur am Schwarzen Meer kehrte er nach Deutschland zurück und arbeitete in der illegalen Leitung des nunmehrigen RFB-Gaus Sachsen. Ab 1931 war er offiziell als Zeitungsfahrer bei der „Sächsischen Arbeiter-Zeitung“ in Leipzig beschäftigt, musste diese Tätigkeit jedoch aus gesundheitlichen Gründen 1932 aufgeben. – Nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten setzte K. seine Tätigkeit für die KPD und ihre Schutz- und Wehrorganisation (Rote Wehr) fort. Ende Februar 1933 wurde er verhaftet und blieb mehrere Wochen in Haft. Nach seiner Entlassung verfasste er u.a. Beiträge für in Dresden verbreitete illegale Flugblätter, z. B. „Die Rote Faust“ (April 1933) und „Der Rote Frontkämpfer“ (Juni 1933). – Am 11.10.1933 verhaftete die Gestapo K. in seiner Wohnung in Dresden. Nach der Untersuchungshaft in der Gefangenenanstalt I in Dresden wurde er 1935 im Prozess „Vogel und Genossen“ (zusammen mit 26 anderen Beschuldigten) der Vorbereitung zum Hochverrat angeklagt, zu zweieinhalb Jahren Gefängnis verurteilt und in der Haftanstalt Meusdorf bei Leipzig inhaftiert, wo er verstarb.



Q  Anklageschrift Oberreichsanwalt – Zweigstelle Berlin vom 31.1.1935, Privatbesitz; Auskunft Landeshauptstadt Dresden, Standesamt, 15.1.2008, 4.3.2008; Auskunft L. Wagner, geb. Speck, verw. Kraut, 1.9.1976; Auskunft Rat der Stadt Dresden, Urkundenstelle, 21.8.1980; Auskunft Rat der Stadt Leipzig, Urkundenstelle, 22.9.1980; Auskunft Rat des Kreises Freiberg, Urkundenstelle, 17.3.1978; Auskunft Stadtarchiv Freiberg, 25.1.2008; Auskunft Stadtverwaltung Freiberg, Standesamt, 3.3.2008; Auskunft Stadtverwaltung Zwickau, Standesamt, 18.3.2008; Stadtmuseum Dresden, B 1901/6, B 1904/6; Unterlagen zur Familie Kraut, Privatbesitz.

P  Alfred K., Fotografie, Privatbesitz Christian Hermann (Bildquelle).



Christian Hermann
3.9.2010


Empfohlene Zitierweise:

Christian Hermann, Kraut, Alfred Karl, in:
Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V., bearb. von Martina Schattkowsky,
Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/ (24.5.2017)

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