Fuß (Fueß, Fusius) Wolfgang
Pfarrer, Visitator
* um 1487 Schleiz 3.5.1551 Chemnitz (beerdigt) Chemnitz, Jakobikirche(kath., später ev.)
1523 Anna, geb. SuicerK5 u.a. AnnaSWolfgang († 1560), Lehrer in Schulpforte, Oberstadtschreiber in Leipzig
GND: 1059726890





Als erster evangelischer Pfarrer in Colditz und Chemnitz sowie als Visitator leistete F. sowohl im ernestinischen als auch im albertinischen Teil Sachsens einen wichtigen Beitrag zur Ausbreitung und Festigung der Reformation. – F. studierte seit dem Sommersemester 1507 an der Universität Leipzig, wo er am 5.9.1510 den akademischen Grad eines Bakkalaureus erwarb. Anschließend übernahm er bis 1517 das Rektorat der Lateinschule in Schneeberg. Bereits in der Frühphase der Reformation erwies sich F. als eifriger Anhänger Martin Luthers. Am 26.5.1519 immatrikulierte er sich an der Universität Wittenberg und wurde noch im selben Jahr von Luther als Prediger nach Borna gesandt. Gegen die dortigen altgläubigen Geistlichen hatte er jedoch einen schweren Stand und bat Luther bei dessen Aufenthalt in Borna am 5.3.1522 um Abberufung. Sein neues Arbeitsfeld wurde daraufhin im Frühjahr 1523 Colditz, wo F. als erster evangelischer Pfarrer tatkräftig die reformatorische Neuordnung des Kirchenwesens betrieb und sich dabei der engen Beratung durch Luther, Georg Spalatin und Wenzeslaus Linck erfreute. 1529 gehörte er der Visitationskommission für das ernestinische Meißen mit den Visitationsorten Torgau, Eilenburg und Colditz an. Im Ergebnis der Visitation erhielt F. am 16.7.1529 das Superintendentenamt in Leisnig übertragen. Dort verstrickte er sich zum Unmut Luthers in langwierige Streitigkeiten mit dem 1533 als Diakon nach Leisnig gekommenen Anton Lauterbach, den man im Sinne einer Deeskalation 1536 nach Wittenberg zurückbeorderte. Als eine Konsequenz der Auseinandersetzung verhinderte Luther die Berufung F.s nach Torgau. In Leisnig behauptete F. seine Stellung auch gegen den Vorwurf des Geizes und der Vorteilsnahme. Nach dem Tod Herzog Georgs (der Bärtige) wandte sich F. ins albertinische Sachsen, wo er die Pfarrstelle an der Jakobikirche in Chemnitz angeboten bekam. Die erste evangelische Predigt, die F. am 4.7.1539 dort hielt, gilt als Beginn der Reformation in der Stadt. Noch 1539 übernahm F. das Superintendentenamt und bemühte sich um die Durchsetzung der Reformation auch im Chemnitzer Umland. Außerdem beteiligte er sich an der zweiten Visitation in Meißen (Ende 1539) und im albertinischen Thüringen (August 1540). Mehrmonatige Kompetenzstreitigkeiten zwischen dem Chemnitzer Rat und F. über die geistlichen Stellen führten zwar zu einem Kompromiss, F.s Persönlichkeit barg aber auch weiterhin ein beträchtliches Konfliktpotenzial, zumal er in seinen Predigten seit 1548 scharf gegen das Augsburger Interim und die Religionspolitik des Kurfürsten Moritz von Sachsen polemisierte. Am 18.11.1549 gehörte F. zu den Unterzeichnern jenes Memorandums, das die geplante Durchführung des Leipziger Interims kritisierte. Seiner Renitenz halber wurde F. am 8.4.1551 ohne finanzielle Entschädigung von Kurfürst Moritz seines Amts enthoben. Das Verbot jeder weiteren Tätigkeit in Kursachsen blieb gegenstandslos, da F. nur wenige Wochen später verstarb.



Q  Martin Luther, Briefwechsel, Weimarer Ausgabe, 18 Bde., 1930-1983.

L  R. A. Lempe, Mag. Wolfgang F. nach urkundlichen Quellen dargestellt: ein Beitrag zur Geschichte der Einführung der Reformation in Sachsen, Chemnitz 1877; G. Sommerfeldt, Des Magisters Wolfgang F.s Jugendarbeit von 1511, in: Mitteilungen des Vereins für Chemnitzer Geschichte 22/1919/21, H. 3/4, S. 61-63; G. Wartenberg, Landesherrschaft und Reformation, Weimar 1988, S. 244-246; Von Alberti bis Zöppel. 125 Biographien zur Chemnitzer Geschichte, Bd. 4, Chemnitz 2000, S. 32.



Michael Wetzel
26.3.2018


Empfohlene Zitierweise:

Michael Wetzel, Fuß (Fueß, Fusius), Wolfgang, in:
Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V., bearb. von Martina Schattkowsky,
Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/ (21.6.2018)

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