Wirth Ferdinand Robert
MdL, SPD-Politiker
* 3.6.1866 Cunnersdorf bei Radeberg 1.9.1960 Dresden(ev.)

GND: 133636135






Artikel wurde bearbeitet:

Der Sozialdemokrat W. war 1909 bis 1929 Mitglied des Sächsischen Landtags und zudem 1919 bis 1932 Stadtverordneter in Dresden. – Nach dem Besuch der Volksschule in seinem Heimatort verdiente sich W. mit verschiedenen Arbeitstätigkeiten seinen Unterhalt, wobei er u.a. als Landarbeiter, Maschinenformer und bis Weihnachten 1899 als Eisenbahnschaffner angestellt war. 1885 schloss er sich der Sozialdemokratie an. Wegen der Gründung einer illegalen Gruppe bei der Eisenbahn (1889) gemaßregelt, musste er sich seinen Lebensunterhalt wieder als Maschinenformer, Bauarbeiter und Kutscher verdienen. 1905 bis 1909 fand er eine Tätigkeit als Angestellter des Transportarbeiterverbands Dresden. Anschließend war er 1909 bis 1917 als Lagerhalter im Konsumverein Dresden beschäftigt. In die Zweite Kammer des Sächsischen Landtags, welchem er bis 1929 angehörte, wurde W. für die SPD zum ersten Mal 1909 im Wahlkreis 7 (Stadt Dresden) gewählt. Im Landtag war er Mitglied zahlreicher Deputationen und Ausschüsse, so u.a. der Finanzdeputation A, der Zwischendeputation für das Gesetz über die Bezirksverbände und selbstständigen Städte sowie deren Vertretung, erster Vorsitzender des Finanzausschusses A und Mitglied des Haushaltsausschusses A. W. ergriff im Landtag das Wort u.a. zu den Beschaffungsbeihilfen oder zur Erwerbslosenfürsorge. 1922 bis 1926 war er Vorsitzender der SPD-Fraktion. W., der sich 1923/24 für eine große Koalition zwischen SPD und bürgerlichen Parteien in Sachsen stark machte, entfernte sich immer mehr von seiner Partei, die diese politische Möglichkeit nicht in Betracht ziehen wollte. So trat W. schließlich 1926 als Gründungsmitglied der Alten Sozialdemokratischen Partei Sachsens (ASPS) hervor, zu deren zweitem Vorsitzenden und Fraktionsvorsitzenden er gewählt wurde. 1926 bis 1929 war er im Landtag u.a. stellvertretender Schriftführer sowie Mitglied des Haushaltsauschusses B und des Aufsichtsrats der AG Sächsische Werke. Nachdem die ASPS 1932 die Selbstauflösung beschlossen hatte, wechselte W. zur SPD zurück. Von September 1917 bis 1928 war er darüber hinaus Bezirksleiter des Deutschen Eisenbahnerverbands Sachsen in Dresden und Gewerkschaftsbeamter, bis 1931 fungierte er außerdem als Firmenträger und Gesellschafter der „Volksstaat-Druckerei und Verlagsanstalt Wirth & Co.“ in Dresden. Von Juni 1922 bis zum Januar 1924 war W. zudem Vorsitzender des Stadtverordnetenkollegiums, dem er 1919 bis 1932 angehörte. In diesem Gremium war er 1919 bis 1922 im Finanzausschuss, 1924 bis 1929 im Wahlausschuss und 1930 bis 1932 im Prüfungsausschuss tätig. Weiterhin war W. Mitglied des Verwaltungsrats des Vieh- und Schlachthofs, des Verwaltungsrats der Lingner-Stiftung und des Vorstands des Deutschen Hygiene-Museums. Nach dem Zweiten Weltkrieg engagierte sich W. wieder politisch, er gehörte zu den Initiatoren der Wiedergründung der SPD in Dresden und sprach sich gegen eine Vereinigung mit der Kommunistischen Partei Deutschlands aus. 1947 trat er dennoch in die SED ein und wurde für diese Partei Mitglied des Dresdner Stadtverordnetenkollegiums.



Q  Archiv des Sächsischen Landtags, Landtag 1909/10, 1911/12, 1913/14, 1915/17, 1917/18, 1919/20, 1920/22, 1922/26, 1926/29, außerordentlicher Landtag 1914, 1915; Sächsisches Staatsarchiv - Hauptstaatsarchiv Dresden, Landtag 1919-1933.

L  M. Schmeitzner/M. Rudloff, Geschichte der Sozialdemokratie im Sächsischen Landtag, Dresden 1997, S. 225-227 (P). – W. H. Schröder, Sozialdemokratische Parlamentarier in den deutschen Reichs- und Landtagen 1867-1933, Düsseldorf 1995, S. 805; E. Döscher/W. Schröder, Sächsische Parlamentarier 1869-1918, Düsseldorf 2001, S. 325 (P), 491.

P  I. Landesparteitag der SPD, 5.-8. Oktober 1945, Robert W., Pressearchiv Höhne/Pohl, Sächsische Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek Dresden, Abteilung Deutsche Fotothek (Bildquelle).



Andreas Peschel
8.5.2014


Empfohlene Zitierweise:

Andreas Peschel, Wirth, Ferdinand Robert, in:
Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V., bearb. von Martina Schattkowsky,
Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/ (23.8.2017)

Wikipedia Link