Philipp I. (II.) Graf von Mansfeld-Bornstedt
kaiserlicher Oberkämmerer
* 28.10.1502 9.6.1546 Bornstedt Eisleben, St. Andreaskirche(kath., später ev.)
VErnst II. (1479-1531), Graf von Mansfeld-VorderortMBarbara, geb. von QuerfurtGKatharina (1501-1535); Christoph I. (1503-1533); Agnes (1504-1570); Barbara; Amalia; Margarete (I.); Ernst III. († 1551); Margarete (II.); Maria; Johann Georg I. (1515-1579) (Halbbruder), kurfürstlich sächsischer Rat und Statthalter; Anna (Halbschwester); Peter Ernst I. (1517/19-1604/06) (Halbbruder), Feldmarschall; Apollonia (Halbschwester); Johann Hoyer I. (Halbbruder); Elisabeth (Halbschwester); Johann Albrecht I. (1522-1586) (Halbbruder); Johann Gebhard (1524-1562) (Halbbruder), Kurfürst und Erzbischof von Köln; Johann Hoyer II. (1525-1585) (Halbbruder); Dorothea (Halbschwester); Johann Ulrich I. (Halbbruder); Johann Ernst I. († 1572) (Halbbruder)1534 Amalia, geb. Burggräfin von Leisnig, verw. von SchönburgSHugo; Bruno I. (II.)TBarbara; Amalia
GND: 133646734

Der älteste Sohn Ernsts II. aus erster Ehe regierte seit 1531 zusammen mit seinem unverheirateten, altgläubigen Onkel Hoyer IV. (VI.) den Mansfelder Vorderort. Anfangs ebenfalls streng katholisch, bekannte er sich nach 1540, wie alle seine in der Grafschaft lebenden Brüder, zur Reformation. Als Vormund seiner teilweise wesentlich jüngeren Stiefbrüder besaß P. großen Einfluss in der Grafschaft. – 1538 wurde P. als Statthalter der Stifte Mageburg und Halberstadt für den abwesenden Kardinal Albrecht von Brandenburg angenommen und kurz darauf als magdeburgischer Hofmeister (bis 1541) vereidigt. 1541 zum Hauptmann der Stifte Magdeburg und Halberstadt ernannt, erschien er bereits 1542 mit seinem Bruder Johann Georg I. kurzzeitig als Statthalter des Herzogs Moritz von Sachsen. Darüber hinaus begegnet P. im Hofdienst König Ferdinands I. als Oberkämmerer bei dessen Bruder, Kaiser Karl V. – Der durch den drohenden Konkurs des Mittelorts ausgelöste Konflikt der beiden Brüder Gebhard VII. und Albrecht IV. (VII.) stürzte die gräfliche Herrschaft trotz Martin Luthers Intervention zu Beginn der 1540er-Jahre in eine tiefe Krise, deren Ende 1555 P. nicht mehr erlebte. – P. restaurierte seine Residenz, die verfallene Burg Bornstedt, und legte dabei einen prächtigen Garten an. Sein elfjähriger Sohn Hugo wurde 1550 in der Fehde des Jobst Hacke, Herr zu Wallhausen, gegen die Grafen von Mansfeld als Faustpfand vom Schloss Sondershausen entführt und kam erst durch Vermittlung Markgraf Albrechts von Brandenburg wieder frei. – Nach der Teilung des bislang gemeinschaftlich von den Söhnen Ernsts II. regierten vorderortischen Teils der Grafschaft Mansfeld 1563 begründete P.s zweiter Sohn Bruno I. (II.) die Bornstedter Linie, mit der das inzwischen gefürstete Haus 1780 erlosch.



Q  W. Möllenberg, Urkundenbuch zur Geschichte des Mansfeldischen Saigerhandels im 16. Jahrhundert, Halle/Saale 1915.

L  J. G. Zeidler, Acht hundert jähriger an einander hangender Stammbaum Des Uralten Hochlöblichen Helden=Hauses Der Hochgebohrnen Graffen und Herren zu Mannsfeld ..., Halle 1703; C. G. Hoffmann, Die Ehre des Fürst= und Gräflichen Hauses Von Mannsfeld …, Leipzig 1717; E. C. Francke, Historie der Graffschaft Manßfeld …, Leipzig 1723; J. J. Moser, Teutsches Staatsrecht, Teil 23, Leipzig 1746 (ND Osnabrück 1968); L. F. Niemann, Geschichte der Grafen von Mansfeld, Aschersleben 1834; G. F. Busch, Chronik der Grafschaft Mansfeld, Leimbach 1849; K. Krumhaar, Die Grafschaft Mansfeld im Reformationszeitalter, Eisleben 1855; ders., Die Grafen von Mansfeld und ihre Besitzungen, Eisleben 1872; H. Größler, Graf Albrecht IV., in: Zeitschrift des Harzvereins für Geschichte und Altertumskunde 18/1885, S. 365-400; W. Mück, Der Mansfelder Kupferschieferbergbau in seiner rechtsgeschichtlichen Bedeutung, 2 Bde., Eisleben 1910; E. Hempel, Die Stellung der Grafen von Mansfeld zum Reich und zum Landesfürstentum, Halle/Saale 1917; A. Sames, Luthers Beziehungen zu den Mansfelder Grafen, in: H. Junghans (Hg.), Leben und Wirken Martin Luthers von 1526 bis 1546, Göttingen 1983, S. 591-600, 935-938; M. Philipp, Das „Regentenbuch“ des Mansfelder Kanzlers Georg Lauterbeck, Augsburg 1996; D. Lücke, Das Grafenhaus Mansfeld im Spiegel seiner Prozesse vor dem Reichskammergericht in der 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts, in: Martin Luther in der Kulturgeschichte, hrsg. vom Landesheimatbund Sachsen-Anhalt e.V., Halle/Saale 1997, S. 120-128; M. Scholz, Residenz, Hof und Verwaltung der Erzbischöfe von Magdeburg in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts, Sigmaringen 1998; R. Seidel, Die Grafen von Mansfeld, Egelsbach/Frankfurt/Main/Washington 1998; D. Lücke, Die Grafenhäuser Mansfeld und ihre Reichskammergerichtsprozesse, in: R. Knape (Hg.), Martin Luther und der Bergbau im Mansfelder Land, Eisleben 2000; J. Vötsch, Zwischen Reichsfreiheit und Landsässigkeit, in: J. Rogge/U. Schirmer (Hg.), Hochadelige Herrschaft im mitteldeutschen Raum (1200 bis 1600), Stuttgart 2003. – DBA I.



Jochen Vötsch
7.2.2005


Empfohlene Zitierweise:

Jochen Vötsch, Philipp I. (II.), Graf von Mansfeld-Bornstedt, in:
Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V., bearb. von Martina Schattkowsky,
Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/ (29.4.2017)

Wikipedia Link