Peter Ernst I. Graf (seit 1594 Fürst) von Mansfeld-Friedeburg
Graf von Chiny, spanischer Marschall, niederländischer Staatsrat, Statthalter und Gouverneur von Luxemburg
* 15.7./13.8.1517 25.5.1604 Luxemburg Luxemburg, Familiengruft Franziskanerkirche(kath.)
VErnst II. (1479-1531), Graf von Mansfeld-VorderortMDorothea, geb. Gräfin von Solms-Lich (1493-1578)GKatharina (1501-1535) (Halbschwester); Philipp I. (II.) (1502-1546) (Halbbruder); Christoph I. (1503-1533) (Halbbruder); Agnes (1504-1570) (Halbschwester); Barbara (Halbschwester); Amalia (Halbschwester); Margarete (I.) (Halbschwester); Ernst III. († 1551) (Halbbruder); Margarete (II.) (Halbschwester); Maria; Johann Georg I. (1515-1579), kurfürstlich sächsischer Rat und Statthalter; Anna; Apollonia; Johann Hoyer I.; Elisabeth; Johann Albrecht I. (1522-1586), kurfürstlich sächsischer Rat; Johann Gebhard (1524-1562), Kurfürst und Erzbischof von Köln; Johann Hoyer II. (1525-1585); Dorothea; Johann Ulrich I.; Johann Ernst I. († 1572) 1.1546 (?) Margaretha, geb. von Brederode († 1556) 2.1562 Maria, geb. de Montmorency († 1570) 3.nach 1570 Clara, geb. Gräfin von Châlon, verw. MallyniSFriedrich II. (1542-1559); Karl II. (1543-1595); Ernst II. (1580-1626); Philipp Oktavian (* 1564); Philipp; Antonius († 1591, gefallen); Ernst d.J.; Karl d.J. (1590-1647/61); Philipp († 1575); ReinhardTPolyxena; Dorothea; Anna; Christina
GND: 118730711

Der aus der altgläubig gebliebenen vorderortischen Hauptlinie stammende P. begründete die Friedburger bzw. niederländische Linie des Mansfelder Grafenhauses, zu dessen schillerndsten Vertretern er gehörte. P. verkörperte zugleich den lebensfrohen, weltgewandten und kriegerischen Typus des europäischen Renaissancefürsten. Nach einem wechselvollen Leben sowie einer über 70-jährigen militärischen und politischen Karriere in Diensten der spanischen Habsburger starb er hoch betagt in der Stadt Luxemburg als Ritter vom Goldenen Vlies (seit 1546), Marschall der spanischen Armeen in den Niederlanden, niederländischer Staatsrat (1572) und Statthalter von Luxemburg, aber auch als herausragender Kunstsammler. Das Erscheinungsbild der Stadt Luxemburg prägte er mehr als ein halbes Jahrhundert wesentlich mit. – P. kam wohl 1531 als Page an den Hof König Ferdinands I., von wo es ihn jedoch bald in den Kriegsdienst zog. Er ging zunächst an den kaiserlichen Hof Karls V. und nahm 1535 an dessen Feldzug nach Tunis teil. Anschließend gelang ihm in den Niederlanden und in den Kriegen gegen Frankreich als spanischer Truppenführer ein schneller militärischer Aufstieg. Bereits 1545 wurde P. Statthalter und Befehlshaber des Herzogtums Luxemburg. Seit 1552 am Krieg gegen Frankreich beteiligt, geriet er wenig später in französische Kriegsgefangenschaft, aus der er erst 1557 gegen Lösegeldzahlung wieder entlassen wurde. Der nunmehr 40-Jährige bewährte sich in der Folge auch auf diplomatischem Parkett als kaiserlicher Gesandter am Reichstag und avancierte aufgrund seiner Verdienste bei der Belagerung von Saint-Quentin 1557 zum Feldmarschall. 1558 vertrieb er die französischen Truppen aus der Provinz Luxemburg. Im Niederländischen Aufstand seit 1566 hoch bewährt, warb P. auch eigene Hilfstruppen an und geriet 1576/77 in die Gefangenschaft der Aufständischen. Zeitweilig fungierte er als Stellvertreter der spanischen Oberkommandierenden Don Juan d’Austria und Alexander Farnese sowie mehrfach - zuletzt 1592 bis 1594 nach dem Tod Farneses - als Statthalter der spanischen Niederlande. Zwischenzeitlich hatte der entschieden katholische P. 1569 bis 1572 mit Billigung des Kaisers dem französischen König Karl IX. ein Hilfskorps zum erfolgreichen Kampf gegen die Hugenotten zugeführt. Karl IX. bezeichnete ihn als Beschützer der Krone. – 1594 wurde P. vom Kaiser in den persönlichen Reichsfürstenstand mit Sitz- und Stimmrecht auf dem Reichstag erhoben und kehrte nach Luxemburg zurück, wo er seit 1559 Gouverneur war. Er verzichtete aber erst 1597 auf die weitere Ausübung seiner öffentlichen Ämter. – Obwohl P. seinen Lebensmittelpunkt letztlich in Luxemburg hatte, blieb er gleichwohl an den fernen mitteldeutschen Stammlanden interessiert. Nachdem die vorderortischen Grafen infolge der Sequestration ihres überschuldeten Besitzes durch die Lehnsherren Kursachsen und Magdeburg seit 1570/71 de facto ihrer landesherrlichen Rechte entsetzt worden waren, appellierte insbesondere P. - letztlich vergeblich - an Kaiser und Reichskammergericht. Seit 1580 klagte er in Speyer mit dem Ziel, dass das Reichskammergericht in einem Grundsatzurteil die Reichsunmittelbarkeit des Grafenhauses feststellen würde. Bei Erfolg wären damit sämtliche Prozesse und Entscheidungen der territorialstaatlichen Gerichte kassiert und die Sequestration aufgehoben worden. – In Luxemburg ließ sich P. ab 1563 vor den Toren von Stadt und Festung ein prächtiges Palais mit Park errichten. 1586 begann der Bau seiner Begräbniskapelle im Kloster Récollets in Luxemburg. Als großer Kunstliebhaber legte P. eine umfangreiche Sammlung von Altertümern und eine kostbare Gemäldegalerie an, dazu eine Bildergalerie mit der Darstellung seiner eigenen Taten. – Eine genaue Zuordnung der zahlreichen ehelichen und natürlichen Nachkommen von P. ist aufgrund der verfügbaren, meist von konfessioneller oder Kriegspropaganda entstellten Quellen kaum möglich. In seinem ersten Testament von 1591 hatte P. seinen bereits 1595 verstorbenen ältesten Sohn Karl II. als Erben eingesetzt. Fragwürdig ist die Rechtmäßigkeit seines zweiten Testaments von 1602: Abgesehen von hohen Legaten und der Stiftung eines Armenhospitals sollte das reich ausgestattete Luxemburger Palais mit seinen Sammlungen als Geschenk an den König von Spanien, sämtlicher Besitz in den Mansfelder Stammlanden dagegen an die dortigen nächsten Verwandten fallen, während die eigenen Kinder weitgehend übergangen wurden. Der Protest der Allodialerben war vergeblich, wobei insbesondere die in ihrer dritten Ehe mit P.s Sohn Karl II. verheiratete Marie-Christine, geb. Gräfin von Egmont, langwierige Erbprozesse gegen die spanische Krone führte.



Q  Sächsisches Staatsarchiv - Hauptstaatsarchiv Dresden, Geheimer Rat (Geheimes Archiv).

L  J. G. Zeidler, Acht hundert jähriger an einander hangender Stammbaum Des Uralten Hochlöblichen Helden=Hauses … zu Mannsfeld …, Halle 1703; J. F. Schannat, Histoire du Comte de Mansfeld, Luxembourg 1707; C. G. Hoffmann, Die Ehre des Fürst= und Gräflichen Hauses Von Mannsfeld …, Leipzig 1717; E. C. Francke, Historie der Graffschaft Manßfeld …, Leipzig 1723; L. F. Niemann, Geschichte der Grafen von Mansfeld, Aschersleben 1834; G. F. Busch, Chronik der Grafschaft Mansfeld, Leimbach 1849; K. Krumhaar, Die Grafen von Mansfeld und ihre Besitzungen, Eisleben 1872; W. Mück, Der Mansfelder Kupferschieferbergbau in seiner rechtsgeschichtlichen Entwicklung, 2 Bde., Eisleben 1910; J. Massarette, Der Luxemburger Gouverneur Graf und Fürst P. von Mansfeld, Luxembourg 1925; ders., La vie martiale et fastueuse de Pierre-Ernest de Mansfeld, 2 Bde., Paris 1930; de Colloredo-Mansfeld/J. Masarette (Hg.), Journal de captivité du Cte Pierre-Ernest de Mansfeld, Paris 1933 (P); E. van der Vekene, Graf P. von Mansfeld als Büchersammler und Bibliophile, in: Jubiläumsbuch 125 Jahre Fanfare Grand-Ducale de Clausen, Luxembourg 1976, S. 83-96; ders., Les reliuers aux armoiries de Pierre Ernest de Mansfeld, Luxembourg 1978; D. Lücke, Das Grafenhaus Mansfeld im Spiegel seiner Prozesse vor dem Reichskammergericht in der 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts, in: Martin Luther in der Kulturgeschichte, hrsg. vom Landesheimatbund Sachsen-Anhalt e.V., Halle 1997, S. 120-128; R. Seidel, Die Grafen von Mansfeld, Egelsbach/Frankfurt/Main/Washington 1998 (P); D. Lücke, Die Grafenhäuser Mansfeld und ihre Reichskammergerichtsprozesse, in: R. Knape (Hg.), Martin Luther und der Bergbau im Mansfelder Land, Eisleben 2000, S. 355-373. – ADB 20, S. 235-238; DBA III; DBE 6, S. 599; NDB 16, S. 79; C. v. Wurzbach, Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreichs, Bd. 16, Wien 1867, S. 401f.; K. Bosl/G. Franz/H. H. Hofmann (Bearb.), Biographisches Wörterbuch zur Deutschen Geschichte, Bd. 2, Augsburg ²1995, Sp. 1775f.

P  P. von Mansfeld, vermutlich Nicolaes de Clerck, Kupferstich, Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel, Porträtsammlung; P. von Mansfeld, J. Sadeler, 1593, Kupferstich, Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Kupferstichkabinett, Sächsische Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek Dresden, Abteilung Deutsche Fotothek (Bildquelle).



Jochen Vötsch
7.2.2005


Empfohlene Zitierweise:

Jochen Vötsch, Peter Ernst I., Graf (seit 1594 Fürst) von Mansfeld-Friedeburg, in:
Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V., bearb. von Martina Schattkowsky,
Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/ (28.4.2017)

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