Weise Paul
Zinngießer
Oktober 1591 Zittau(ev.)
SCarl, Zinngießer
GND: 139901035


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W.s Werke, v.a. die Zunftkannen, zählen zu den herausragenden Arbeiten der mitteleuropäischen Edelzinnproduktion des 16. Jahrhunderts. Sein Lebensweg liegt weitestgehend im Dunkeln, seit 1558 ist er in Zittau nachweisbar. – Nach Modellen des Bildhauers Jakob Felsch lieferte W. 1560 das Taufbecken (1757 vernichtet) für die Zittauer Johanniskirche, das vom Maler Jakob Flechtener farbig gefasst wurde. 1563 fertigte er im Auftrag des Adligen Joachim Ulrich von Rosenfeld das Taufbecken für die Kirche im nordböhmischen Maffersdorf (tschech. Vratislavice nad Nisou). Darüber hinaus stellte W. aufwändig gestaltete Prunk- und Gebrauchsgefäße aus Zinn her. Die auf 1562 datierte Kanne der Zittauer Maurer- und Steinmetzinnung (Stadtmuseum Zittau) zeigt eine reiche Reliefgussverzierung nach Vorlagen von Peter Flötner. Eine nahezu identische Kanne, vermutlich ebenfalls für eine Zunft gefertigt, befindet sich heute im Victoria & Albert Museum London. 1591 stellte W. eine Kanne für die Bäckerzunft von St. Georgenthal (tschech. Jiřetín pod Jedlovou) her. Ferner haben sich aus seiner Produktion ein Apothekergefäß, eine reich ornamentierte Kanne (Zuschreibung), ein Leuchter (Zuschreibung) sowie die Kanne der Reichenberger Tuchschererzunft (Zuschreibung) erhalten. Nach W.s Tod heiratete seine Witwe den in Zittau ansässigen Kannen- und Glockengießer Jacob Leubner d.J., der die Werkstatt übernahm. Auch sein Sohn Carl setzte das Handwerk des Vaters fort.



W  Kanne der Zittauer Maurer- und Steinmetzzunft, 1562, Stadtmuseum Zittau; Apothekergefäß, Stadtmuseum Zittau (Zuschreibung); Zunftkanne, Victoria & Albert Museum London; Taufbecken, 1563, Dreifaltigkeitskirche Maffersdorf; Kanne, Museum Francisco-Carolinum Linz; Leuchter, Museum für Kunsthandwerk Dresden; Kanne der Bäckerzunft St. Georgenthal (Jiřetín pod Jedlovou), Městské muzeum Varnsdorf; Kanne der Reichenberger Tuchschererzunft, Severočeské muzeum Liberec.

L  C. Gurlitt, Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Königreiches Sachsen, H. 30: Zittau (Stadt), Dresden 1907, S. 5; E. Hintze, Sächsische Zinngießer, Leipzig 1921, S. 257-259; E. A. Seeliger, Zittauer Künstler und Kunsthandwerker, Teil 3, in: Zittauer Geschichtsblätter 3/1926, S. 28; K. F. Kühn, Topographie der historischen und kunstgeschichtlichen Denkmale im Bezirke Reichenberg, Prag/Leipzig/Wien 1934, S. 180; D. Stará, Ein Beitrag zum Zittauer Zinnguß, in: Dresdener Kunstblätter 27/1983, S. 81-88; G. Reinheckel, Zittauer Reliefzinn der Renaissance und historische Kopien, in: Weltkunst 68/1998, S. 1410-1413; M. Radschinski, Katalogeintrag Schenkkanne der Maurer und Steinmetzen zu Zittau, in: J. Bahlcke/V. Dudeck (Hg.), Welt - Macht - Geist. Das Haus Habsburg und die Oberlausitz, Görlitz/Zittau 2002, S. 326f. – DBA II.



Kai Wenzel
3.9.2008


Empfohlene Zitierweise:

Kai Wenzel, Weise, Paul, in:
Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V., bearb. von Martina Schattkowsky,
Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/ (1.5.2017)

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