Mißbach Friedrich Paul
Maler
* 25.6.1859 Großenhain 2.10.1912 Freiberg Freiberg, Donatsfriedhof(ev.)
VHermann Julius Oskar (1829-1913), DrechslermeisterMChristiane Auguste, geb. Stiehler (1834-1909)Anna, geb. Bosse (1856-1917)SErich (1883-1932); Hermann (1887-1915), ExpedientTJohanna (1885-1971); Louise (1886-1978), Putzmacherin; Susanne (1892-1990), Sekretärin
GND: 1014765986

M. gehörte zu den Malern seiner Zeit in Sachsen, die sich am intensivsten mit Motiven aus Bergbau und Hüttenwesen auseinandersetzten. Er war an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert auch der einzige namhafte Repräsentant seines Berufsstands in Freiberg. Im Mittelpunkt seines bildkünstlerischen Schaffens standen die Stadt Freiberg und das dortige Montanwesens. Gerade die Bergbaudarstellungen M.s sind einzigartige künstlerische Zeugnisse dieses Wirtschaftszweigs kurz bevor 1913 die bis dahin umfangreichen bergbaulichen Aktivitäten in Freiberg eingestellt wurden. – In Freiberg arbeitete M. als Drechsler. 1892 ging er an die Königliche Akademie der bildenden Künste in Dresden. Tags studierte er, nachts arbeitete er in Freiberg weiter in seinem Beruf, um seine Familie zu ernähren. Zwei seiner wichtigsten Lehrer an der Akademie waren Leon Pohle und Hermann Prell. Am nachhaltigsten jedoch prägte ihn Gotthardt Kuehl. Vermutlich 1900 beendete M. sein Studium. Für sein Triptychon „Christmette“ erhielt er die Königlich Sächsische Staatsmedaille für Kunst und Wissenschaft in Silber. Ab 1901 arbeitete M. als freischaffender Künstler in Freiberg. Er malte in Öl, schuf Aquarelle sowie Wandmalereien und beschäftigte sich mit verschiedenen grafischen Techniken. M. fühlte sich stilistisch weitgehend dem Impressionismus verbunden. Neben den beiden bevorzugten Sujets befasste er sich auch mit Landschaftsmalerei, wobei er sich von den einheimischen Gegenden ebenso inspirieren ließ wie von den Landschaften Ostfrieslands und Mecklenburgs. Zu seinen Werken gehörte des Weiteren eine Reihe von Porträts. In der Manier eines Flügelaltars entstand zudem ein großes bemaltes Glasfenster für das Freiberger Korpshaus der „Teutonia“ mit einer beeindruckenden Bergbaudarstellung. Beachtlich ist auch M.s gebrauchsgrafisches Werk, wozu u.a. Urkunden, Flaschenetiketten, Exlibris oder Plakate gehören. Mit seinen Kunstpostkarten bereitete der Künstler dieser erst wenige Jahre vorher kreierten Form der Gebrauchsgrafik im Freiberger Raum den Weg. M. erteilte außerdem einer beträchtlichen Zahl von Schülern Unterricht in der Malkunst. – Werke von M. wurden in Freiberg auf der Erzgebirgischen Industrie- und Gewerbeausstellung 1894 und in der 1903 eröffneten Ausstellung des einheimischen Kunstvereins im König-Albert-Museum gezeigt. Personalausstellungen M.s fanden in der Bergstadt 1899 sowie posthum 1912 statt. Eine weitere Exposition seiner Werke gab es 1937 im Saal des ehemaligen städtischen Kaufhauses. 1997 gestaltete das Stadt- und Bergbaumuseum Freiberg eine Ausstellung mit ausgewählten Arbeiten. 2000 präsentierte das Museum Alte Lateinschule Großenhain Werke von M. in einer Exposition.



Q  Stadtarchiv Freiberg, Adressbücher, Einwohnerbuch Instadt, Nr. 202-301, 1880-1886, Bl. 366bf., Nr. 601-700, 1880-1886, Bl. 139bf., 150bf.; Hochschule für Bildende Künste Dresden, Hochschularchiv, Nr. 1314, Schülerlisten; Stadt- und Bergbaumuseum Freiberg, Inventarkarten, Handakte Paul M.; Privatarchiv F. Panknin.

W  Gemälde und Zeichnungen: Vorm Trauerhaus, 1899, Öl auf Leinwand, Stadt- und Bergbaumuseum Freiberg; Christmette, um 1900, Öl auf Leinwand, ebd.; Gottesdienst in der Lauterbacher Kirche, um 1900, Öl auf Leinwand, ebd.; Am Mühlgraben, um 1900, Aquarell, ebd.; Blick vom Petriturm im Winter, 1904, Öl auf Leinwand, ebd.; Faust mit Gretchen, um 1905/08, Öl auf Leinwand, Museum Alte Lateinschule Großenhain; Betstube, 1906, Öl auf Leinwand, Stadt- und Bergbaumuseum Freiberg; Freibergs Torstensonlinde am St. Johannishospital, 1907, Pastellkreide, ebd.; Porträt Professor Pachaly, 1907, Öl auf Leinwand; Muldental im Schnee, 1908, Öl auf Leinwand, Stadt- und Bergbaumuseum Freiberg; Drei Bergleuten erscheint der Berggeist, 1909/10, Fensterbild, Glasfarben, gebrannt, ebd.; Waldlandschaft, 1910, Öl auf Leinwand, ebd.; Betende Bergleute bei Sonnenuntergang, 1911, Öl auf Leinwand, ebd.; An der Hängebank, Anfang 20. Jahrhundert, Kreidezeichnung, ebd.; Füllort, Anfang 20. Jahrhundert, Bleistiftzeichnung, ebd.; Kopien von Originalporträts des Malers Carl Christian Vogel von Vogelstein aus dem Leipziger Rathaus: König Anton, König Friedrich August II., König Georg, Stadt- und Bergbaumuseum Freiberg.

L  Der Maler des Bergmannslebens, in: Freiberger Anzeiger und Tageblatt 23.2.1937, S. 5; J. P. Menzel, Erinnerung an einen Freiberger Maler, in: ebd. 8.3.1937, S. 3; E. Bloch, Vor 40 Jahren trug man einen großen Sohn Freibergs zu Grabe, in: Volksstimme. Heimatzeitung für den Landkreis Freiberg 2.10.1952; J. Eichhorn, Kunstmaler Paul M., in: Großenhainer Kulturvorschau Dezember 1956, S. 2f.; D. Heerde, Mißbach-Werke gut behütet, in: Sächsische Zeitung 14.2.1991, S. 15; U. Thiel, Friedrich Paul M., in: Mitteilungen des Freiberger Altertumsvereins 82/1999, S. 62-67; U. Köhler, Die Konservierung und Restaurierung des Leinwandgemäldes „Vorm Trauerhaus“ 1899 von Friedrich Paul M., Diplomarbeit Hochschule für Bildende Künste Dresden 2002; C. Täuber, Von Farben besessen, vom Lichte beseelt - der Maler Paul M., in: Großenhainer Stadt- und Landkalender 6/2002, S. 134-137. – DBA II; Thieme/Becker, Bd. 24, Leipzig 1999, S. 592; Vollmer, Bd. 24, Leipzig 1930, S. 592.

P  Paul M., um 1910, Stadt- und Bergbaumuseum Freiberg; K. Reimann, Fotografie, Privatbesitz F. Panknin (Bildquelle).



Ulrich Thiel
15.9.2011


Empfohlene Zitierweise:

Ulrich Thiel, Mißbach, Friedrich Paul, in:
Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V., bearb. von Martina Schattkowsky,
Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/ (27.7.2017)

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